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Ruhig, ganz ruhig – dieses Motto von „Karlsson vom Dach“ war mein Mantra auf der Konferenzreise mit Xaver nach Leicester in England in der vergangenen Woche. Ruhig zu bleiben, das war aber auch die größte Herausforderung. Denn diesmal war es – im Gegensatz zu San Diego – wirklich ein „Höllentrip“. Oder sagen wir mal so: Wir haben alle kleinen Stolpersteine mitgenommen, die einem zum Thema Konferenzreise generell und mit Baby im Speziellen so einfallen. Wahrlich lehrreich. Und doch kann ich am Ende sagen: Es hat sich gelohnt. Vor allem wegen der vielen Begegnungen mit wunderbaren Menschen auf und abseits der Tagung.

Xaver in Leicester

Stolperstein 1: Flugverspätung

Am Ende habe ich nur noch darauf gewartet, dass es mehr als drei Stunden Flugverspätung sind. Dann kann ich mich nämlich so richtig beschweren, mal so richtig die Wut ablassen und Geld zurückfordern, ha! Hoffe ich zumindest. Wenn ich den ersten Recherchen im Internet glauben schenken darf.

Dabei hatte ich mir doch alles so gut überlegt. Eine Konferenz in England, nur 1,5 Stunden von London entfernt. Das ist die Gelegenheit, meine alte Schulfreundin Friederike wiederzusehen, die inzwischen mit Mann und Zwerg in der Weltstadt lebt. Anreise also einen Tag früher. Dann aber kam es anders, und das bereits am Flughafen in Klagenfurt. Danke, Austrian! Die österreichische Airline, oder besser gesagt deren fliegendes Personal, hielt just an diesem Tag Betriebsversammlung ab. Die Crew, die Xaver und mich nach Wien bringen sollte, hatte sich eben dort „versammelt“. Die Maschine von Wien nach Klagenfurt stand daher noch am Boden. Ersatz? Nein.

Durch den verspäteten Transfer nach Wien haben wir den Anschlussflieger nach UK verpasst (dessen Crew sich scheinbar nicht betrieblich versammelte). Also wurde ich auf einen deutlich späteren Flug von Wien nach London gebucht. Da war Leicester plötzlich weit weg. Vermasselte mir nicht nur den schönen gemeinsamen Nachmittag mit Friederike, sondern ermöglichte mir über drei (!) Stunden am Klagenfurter Flughafen mit seiner gigantischen Infrastruktur. Yeah!

Irgendwie haben wir es dank einer dort eingerichteten Spielecke für Kinder, einem Ball (sic!) und vielen Salzstangen dann doch geschafft. Nur dass der Pilot dann die verlorene Zeit mit der kleinen Propellermaschine unbedingt wieder aufholen wollte. Das hat ihm dann mein Magen ziemlich verübelt. Wie gut, dass ich nur Salzstangen hatte. Jedoch nicht so fein, wenn man noch ein Kind auf dem Schoss hat, das keine größere Lust auf Stillsitzen hat.

Learning: Immer mit Verspätungen rechnen, und die Travelgums nicht vergessen!

Stolperstein 2: Getting around in London

London Heathrow – da waren wir. Spät aber doch. Jetzt nur noch zu meiner Freundin nach Herne Hill, einem kleinen Stadtteil Londons etwas außerhalb. So dachte ich. Heathrow kommt einem da leider nicht entgegen. Erstmal Richtung Ausgang. Und dann Uber. Soll billiger sein als die schönen typischen englischen Taxis. Blöd nur: Ich habe das zum ersten Mal gemacht. In aller Kürze: Mit dem ersten bestellten Uber-Fahrzeug habe ich keinen gemeinsamen Pick-up-Punkt gefunden. Stattdessen bin ich im Parkhaus herumgeirrt. Aus dem gab es auch kein Entrinnen zu Fuß. Bis ich dann herausgefunden hatte, dass auf Deck 1 in Reihe S (die es wiederum nicht gab) der inoffizielle Pick-up für alle freien Taxis, Lyfts und Ubers dieser Welt ist. Nur war dann mein Handy-Akku leer.

Gestrandet in Heathrow London Flughafen

Dank einer externen Batterie von zwei sehr netten Mitwartenden konnte ich dann noch zwei weitere Uber-Versuche starten. Der erste war ein Missverständnis, da der Fahrer noch 45 Minuten entfernt war. Der zweite war willig, hatte aber keinen Kindersitz. Nachdem das dann gerufene, freie Taxi nicht nur in den versprochenen 15 Minuten nicht war, sondern auch nach einer halben Stunde nicht, und mein Akku zudem wieder leer war, habe ich dann ein normales englisches Taxi genommen. Also genau genommen zwei Stunden, nachdem ich in London gelandet bin. Hat mich schlappe 80 Pfund gekostet (ca. 100 Euro). Das freie Taxi und Uber hätten mir zwar 20 Pfund erspart. Dafür hatte ich so echtes England-Feeling und eine sehr netten Schnack mit dem Taxifahrer. Und ich und Xaver waren am Ende doch noch sicher bei Friederike gelandet.

Learning: Vorher überlegen, wie man vom Flughafen in London weiterkommt! In diesem Falle wären der Schnellzug Heathrow Express und die U-Bahn doch weitaus schneller und vor allem kostengünstiger gewesen.

Stolperstein 3: Das Kleingedruckte in der Konferenzinformation

Das eigentliche Ziel der Reise war Leicester. Die Zugfahrt von London dorthin am nächsten Tag war im Vergleich zu den anderen Reisestrapazen fast schon erholsam. Leicester ist die Stadt, die durch ihren Fußball-Club, die Füchse, und deren unerwarteten Meisterschaftsgewinn in der vergangenen Saison von sich reden gemacht hat. Ansonsten würde ich sagen: Eine echt nette, typisch englische Stadt. Etwas über 300.000 Einwohner, im tiefsten „Mid-England“.

Xaver im Zug nach Leicester

Ob das stimmt, dass Leicester wirklich die „schlechteste“ Stadt in England ist, um eine Familie zu gründen, wie eine Studie besagt, kann ich nicht beurteilen. Für einen Stadtspaziergang bietet sie aber ein paar sehr nette Ecken. Wahrscheinlich muss man aber „England-begeistert“ sein wie ich, damit das Herumlaufen mit Koffer, Rucksack und Buggy auch im Nieselregen Spaß macht. Unser Juli-Einkauf für Xaver vor Ort war dementsprechend eine feine neue Regenjacke.

Xaver mit neuer Regenjacke in Leicester

LeicesterLeicester Graffiti

Ja und dann war da noch unsere Unterbringung. Gebucht hatte ich eine „on campus accommodation“. Damit Xaver und ich in den Konferenz-Pausen in unserem Zimmer mal durchschnaufen können. Auch hier hätte ich mal genauer vorrecherchieren bzw. das Kleingedruckte in der Konferenz-Beschreibung lesen sollen. Die „on campus“-Unterbringung war nämlich ein, sagen wir mal sehr spärlich eingerichtetes, ok, ein ziemlich herunter geranztes Zimmer in einem Studentendorf, 50 Minuten fußläufig bzw. 15 Minuten mit dem Shuttle-Bus von der Uni entfernt.

Learning: Ja, das Wetter in England erfordert eine etwas genauere Packliste, Frau Weder! Auch im Juli! Und nicht nur den Wetterbericht, sondern auch die Konferenzbeschreibung lesen!

Kein Stolperstein in Leicester: Xaver, das Super-Konferenz-Baby

Jetzt waren Xaver und ich also in Leicester, was schließlich ja den Grund der Reise darstellte: Die diesjährige Konferenz der Internationalen Environmental Communication Association (IECA). Sie hatte mich gereizt – insbesondere um endlich Menschen zu treffen, die sich auch mit dem Thema „Wasserknappheit“ und „Sustainable Water Supply“ wissenschaftlich beschäftigen. Und ich habe sie gefunden.

Franzisca an der University of Leicester

Noch inspirierender war aber der persönliche Kontakt zu „starken Frauen“, die sich in diesem Themenfeld in meiner „Branche“ tummeln. Kontakte, die mich ermutigen, nicht nur die Forschung an den Inhalten weiterzutreiben, sondern auch den Weg des „Conferencing mit Baby“ weiter zu gehen, sich deshalb nicht zu genieren oder aufgrund blöder Blicke sich unterkriegen zu lassen. Kontakte, aus denen in Zukunft bestimmt noch mehr entsteht.

Und Xaver? Der war nicht nur ein super Travel-Buddy – sehr geduldig, von meiner Kotzerei am Hinflug bis hin zu der ganzen Stapferei durch London und Leicester sowie dem Rein und Raus in Bus, U-Bahn, Zug und Flieger. Er war auch ein Strahlemann auf der Konferenz, hat zwei meiner Präsentationen schlafend im Buggy hinten im Konferenzraum „abgewartet“ und die dritte sehr nett und ganz still bei mir auf dem Arm absolviert. Dabei durfte er an der Fernbedienung für den Projektor knabbern, geduldig, bis Mama auch wirklich alle Fragen aus dem großen Plenum beantwortet hatte.

Fazit: Konferenzen mit Baby in England ist zwar echte „Knochenarbeit“ und wird halt noch nicht mit einem entspannten Guinness beim Konferenzdinner belohnt, lohnt sich aber doch, wenn ich an das durchwegs positive Feedback der KonferenzteilnehmerInnen denke.

The hell of a trip – und doch jederzeit wieder!

Insgesamt war die Reise nach Leicester und retour ein Höllentrip, der sehr viel Kraft gekostet hat – vor allem wegen der unglaublich umständlichen Reise. Aber die Menschen auf dieser speziellen Tagung zum Thema Umweltkommunikation sind wunderbar. Ich bin dankbar, viele davon wiederzusehen und anderenorts neu kennen lernen zu können. Wie zum Beispiel Libby aus Tasmanien, nur diesmal ohne ihren Hund…

Aber vor allem: Es fühlt sich einfach gut und richtig an, in einem anderen Land unterwegs zu sein, zu reisen, fremde Eindrücke und Gewohnheiten kennenzulernen. Konferenz hin, Konferenz her. Spannend und bereichernd, Unwägbarkeiten gemeinsam mit einem Kind zu bewältigen und sich Lösungen für verzwickte Reisesituationen zu suchen. Um am Ende das Gefühl zu haben, irgendwas mit unseren kleinen Travelbugs und unserem Reisefieber schon richtig zu machen.

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