12 + 13 =

zwei + 20 =

Juni. Die Sonne scheint. Es ist wieder richtig warm. Wir können morgens im T-Shirt losfahren und alle Diskussionen über Mützen, Schals und warme Socken sind vergessen. Endlich ist er da, der Sommer. Mit Garten, Grillen und Gewittern. Nicht die ekligen, nasskalten. Die erfrischenden Wärmegewitter. Und doch schauen wir zurück. Denn wir wissen: Noch einen solchen Februar machen wir nicht. Nicht so. Nicht in Klagenfurt mit dieser nebligen Kälte. Mit Lagerkoller und Dunkelheit. Dunkelheit draußen, drinnen und in uns. Darum schmieden wir in der Sommerhitze Fluchtpläne für die kalte Jahreszeit. Nur: Wohin im Februar?

Laaaaanger Winter

Der Winter ist ein Hund. Zuerst wedelt er mit dem Schwanz. Er lockt mit den ersten Schneeflocken nach draußen. Erfreut uns mit Plätzchen backen. Und dem wohligen Gefühl mit einem Tee in der kuscheligen Küche zu sitzen. Doch dann zeigt er seine Zähne. Je länger er dauert, desto mehr fletscht er. Im Januar sind wir noch ein bisschen entertained und abgelenkt durch das Ende des Semesters, Hallenfußball und das nahende Halbjahreszeugnis. Doch dann kommt der Februar. Kein Wunder, dass er nur 28 Tage hat.

Was der Februar bringt sind lange, dunkle Nächte. Eis, Kälte, Dunkelheit und tausend Diskussionen. Wenn man vier WederJungs (und sich selber) jeden Morgen aufs Neue motivieren muss, das Haus zu verlassen. Dazu Schnupfennasen und durchwachte Hustennächte. Ja, das hatte November auch schon. Und Dezember. Und Januar. Doch im Februar geht es das Schnupfen-Reise-Nach-Jerusalem, das in einer Familie mit vier Kindern und drei unterschiedlichen Kindergarten- und Schul-Bazillenherden unfreiwillig gespielt wird, bereits sehr auf die Nerven.

Rote Nasen – nur ohne Fasching

Rote Rotznasen, wochenlang. Doch ganz ohne Verkleidung. Denn leider erhellt auch der Fasching unseren Februar nicht. Wir Großen stehen nicht so auf „Kommando lustig“, und die Kleinen verkleiden sich nicht gerne. Ritter spielen ja, Haka tanzen sofort. Aber anmalen und sich in komische Gewänder hüllen ist nicht so ihres. Zumindest nicht auf Knopfdruck. Das war bei Kaspar und Julius im Kindergarten damals schon so, und das ist bei den Kleinen heute auch nicht anders.

Dann lieber raus. Aber auch hier eine Herausforderung. Wohin im Februar? Wohin im Februar in Klagenfurt? Garten geht immer. Rein in die Schneeanzüge und los.Wohin im Februar? Der Garten ist eine Option

Und sonst? Auf die Skier? Das wäre eine Option, besonders in unserem Heimatbundesland im Süden Österreichs. Nur: Stefan ist Nicht-Skifahrer. Hier die Brücke zu mir als ehemaliger Skilehrerin zu schlagen, schwer. Und auch für mich selbst ist es nicht leicht. Die Spannung zwischen viel Freude auf der einen und einem ökologisch leider nicht sehr nachhaltigen, dafür aber absurd teuren Vergnügen auf der anderen Seite ist riesig. Dazu die Trennung zwischen noch-nicht-bergtauglichen Zwergen und Ski-begeisterten größeren Jungs. Am Liebsten machen wir doch etwas alle zusammen. Die „Brettln“ erlauben das nicht.Wohin im Februar? Skifahren in Kärnten

Drinnen ist es auch nicht besser

Und drinnen bleiben? Irgendwie auch keine Alternative. Natürlich kommen wir endlich mal zum Puzzeln und auch das Lego wird entstaubt und Spiele entdeckt, die wir schon wieder vergessen hatten. Aber mit vier Jungs einen ganzen Tag im Haus gefesselt zu sein, ist auch nicht immer ein Vergnügen. Vor allem für Stefan, der ja auch unter der Woche in seinem Homeoffice haust.Lustige Spiele zu HauseSind wir alle mal weg, dann ist es nicht nur dunkel sondern auch düster. Und recht einsam. Das merkt man vor allem daran, dass Stefan bereits bei 1 Grad plus vorschlägt, das Wochenende mal campen zu gehen. Er muss einfach raus. Wir alle müssen das. Nur sind wir irgendwie in unterschiedlichem Maße ausgelastet und in unserem Alltagsrhythmus einsortiert.

Fest steht für mich: Diesen Rhythmus gilt es zu brechen. Dieses alljährliche Gefühl der Dunkelheit, schlechten Laune und auch Schwermütigkeit verbunden mit dem Gefühl, im Alltag „gefangen“ zu sein – das wollen wir nicht mehr.

Wohin im Februar? Reisepläne

Deshalb reden wir also beim Kaffee in der sommerlichen Morgensonne im Juni darüber, wie wir den Winterkoller vermeiden können. Wohin im Februar? In den Flieger steigen und uns unter Palmen an irgendeinen exotischen Strand oder an den Fuß der Pyramiden in Ägypten legen – das sind nicht wir. Also muss eine andere Lösung her.

Die Frage, warum gerade Februar, ist für uns klar. Erstens: Februar sucks. Zweitens: Ich habe im Februar Semesterferien. Eine denkbare Lösung wäre also, über einen Forschungs- oder Kurzlehraufenthalt an einer Universität einen Aufhänger zu finden, in wärmere Regionen dieser Erde zu kommen. Und diese dann zu entdecken.

Genau so, wie wir es vor gut zwei Jahren schon einmal erfolgreich, erfüllend und mit Begeisterung geschafft haben. Da sind wir nach Neuseeland und Australien abgedüst. Zwei Monate, Januar und Februar. Ein Trip für mein Wasserprojekt. Gemeinsam. Es war großartig.Fotografieren am MurrayDoch ist das die Lösung? Einfach abhauen? Für kurz? Jahr für Jahr? Aktuell hoch im Kurs ist ein „Halbjahresmodell“ – den Sommer in Klagenfurt und von November bis April oder so auf der Südhalbkugel. Ein Freund und ehemaliger Arbeitskollege von Stefan hat vorexerziert, dass das funktioniert. Mit Kindern. Jedoch: Nach unserem Auswanderjahr in Neuseeland mussten wir ja durchaus einsehen, dass ein Jahr zu kurz ist fürs Ankommen und zu lang, um in heimischen Gefilden im Tritt zu bleiben. Also doch länger fort?

Am Scheidepunkt

Jedenfalls fühlen wir uns derzeit am Scheidepunkt. Nicht nur wegen des Februars, der aber durchaus eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt. Der Hintergrund unserer Gedanken ist noch etwas größer: In einem Jahr müssen wir raus aus unserem Miet-Hexenhäuschen in Klagenfurt. Unausweichlich. Der Termin rückt näher und näher. Einfach umziehen aber fühlt sich derzeit irgendwie komisch an. Was ist er wirklich, der nächste Schritt unserer Familienbande?

Dass dieser Beitrag sich jedenfalls in der Kategorie „Mut“ wiederfindet, kommt nicht von ungefähr. Noch haben wir ihn nicht beisammen. Noch haben wir eine vielleicht richtig einschneidende Lebensentscheidung für uns nicht getroffen. Nur soviel: Der WederVan parkt vor der Tür, vollgetankt und abenteuerlustig. Auch noch im Februar?

Like it? Pin it!Es ist Juni. Die Sonne scheint. Sommer. Und wir schauen zurück? Ja, denn noch einen solchen Februar, nein, das wollen wir nicht. Nicht mit dieser Kälte, Lagerkoller und Dunkelheit. Nur: Wohin im Februar? 6inaVan-Gedanken zu einem ungeliebten Monat.

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