vier × eins =

5 × 2 =

Den großen Topf der Nachhaltigkeit habe ich aufgemacht. Theoretisch in meiner Forschung, aber auch mit dem Dilemma meiner Konferenzreisen. Doch das vor allem Herausfordernde ist die Nachhaltigkeit im Alltag. Nachhaltigkeit im Alltag zu sechst. Mit vier Kindern. Tagtäglich. Es sind kleine Schritte, die wir versuchen zu gehen im Sinne eines nachhaltigeren, eines nachhaltigen Lebens. Und doch stoßen wir immer wieder an unsere Grenzen. Da gibt es viele Baustellen. Allen voran der Müll und das leidige Plastik. Am Ende ist für mich aber die wohl größte Herausforderung von Nachhaltigkeit im Alltag die Konsequenz im Handeln.

Nachhaltigkeit im Alltag – Müll-Grenzen

Die Aspekte der Nachhaltigkeit, die im ganz alltäglichen Leben eine Rolle spielen, sind vielfältig. Es geht bei der Mobilität los, und geht weiter bis zur Frage wie offen wir mit unseren Nachbarn, mit „Andersartigkeit“ und kunterbunten Lebensformen umgehen. Doch am offensichtlichsten – und mit den Kindern am Besten und Plakativsten zu diskutieren, zu hinterfragen – ist das Problem mit dem Müll, dem vielen Plastik in und um die Produkte des Alltags herum. Genau hier stoße ich alltäglich besonders an meine Grenzen.milchprodukte in plastik

Einkaufen für „6 in a Van“, oder besser gesagt „6 in da house“ ist keine Kleinigkeit. Noch dazu, wenn man bedenkt, dass außer mir alles Jungs im Haushalt leben. Jungs,  die teilweise pro Mahlzeit Portionen wegschaufeln, die andere nicht einmal am ganzen Tag verdrücken. Ja, Stefan inklusive. Ich habe es getestet: Wer Nachhaltigkeit im Alltag planstabsgenau durchexerziert, muss mit mehr Ausgaben rechnen. Punkt. Und bedenkt man eben die Menge an „Wederschen Mitessern“ fällt das einfach doppelt ins Gewicht.

Das hat noch nicht einmal zwingend nur etwas mit Lebensmittelqualität oder Biolabels, mit Hofer oder Spar zu tun. Allein schon die eingeschränkte Auswahl, wenn man beispielsweise Plastik als Verpackungsmaterial so gut wie vermeiden will, treibt zu Mehrausgaben. Dennoch bemühe ich mich, auf ein paar Dinge zu achten. Beispiel Nudeln im Karton ohne Plastik. Oder Biobananen ohne Folierung.

Zwischen quengelnden Kids und Umweltbewusstsein

Gehe ich mit den Kindern einkaufen, wird Nachhaltigkeit im Alltag auch noch auf andere Weise auf die Probe gestellt. Dann stehen da im Kühlregal die Smarties-Joghurts. Im 135-Gramm-Plastikbecher, mit extra Plastikbehälter obendrauf, wo die Smarties verpackt sind. Dazu doppelt Alu-Deckelchen. Und wir wissen zudem, dass an der Kasse noch die Überraschungseier warten.

Genau hier stecke ich wieder im Nachhaltigkeits-Dilemma fest. Zwischen „den Kindern auch mal was gönnen“ und „dem Geschrei am Kühlregal nicht nachgeben“ und dem „eigentlich wollten wir Plastik und unnötigen Zusatzmüll ja vermeiden“. Ich bin gefordert. Das verlangt doppelte Konsequenz: Konsequent nachhaltig einkaufen und konsequent nicht auf das Gebettel und Geflehe der Jungs einzugehen. Nein, Stefan hier ausnahmsweise nicht inklusive. Und immer wieder stoße ich verschärft an meine Grenzen. Was tun?

Auf Reisen ist es übrigens nicht anders. Wir leben hier vor allem von der Hand in den Mund. Da gibt es zwar die dicken Melonen und knallroten Paprika am Straßenrand in Albanien. Und auch ohne tiefere Sprachkenntnisse kann man die Plastiktüte im Minimarkt zurückweisen. Doch im Gegensatz zu Ländern wie Albanien, Bosnien oder Mazedonien, wie wir sie auf unserer #CEEtour17 bereist haben, leben wir trotz aller noch anzuprangernden Nachhaltigkeits-Missstände in einem Ökoparadies.Müll am Balkan - Vorurteile

In den meisten Ländern ist alles noch viel „schlimmer“ verpackt als bei uns. Hier taucht sie also wieder auf die Frage danach, wie konsequent wir dort in unserem nachhaltigen Handeln und Konsumieren sind, verschärft dann nochmal in „6inaVan-Notsituationen“: Was tun, wenn alle verdursten und die kleine Tankstelle nur Flaschenwasser von Nestlé hat, ein Konzern, der am Pranger steht für das Abschöpfen wertvoller Wasserressourcen in aller Welt? Was tun?

Nachhaltigkeit im Alltag: Eine Frage der Konsequenz?!

Ja, was tun? Das Wasser an der Tankstelle dann nicht kaufen und hoffen, dass die Kinder bis zur nächsten durchhalten? Konsequent bleiben und Produkte, die aus unserem Dafürhalten zu viel eingepackt oder eben von einer bestimmten Firma sind, nicht kaufen? Jeder, der schon einmal mit seinem „quengelnden Kleingemüse“ an einer Kasse gewartet und dabei die stechenden Blicke aber auch wohlwollenden Kommentare wie „er mag halt eine Schokolade“ gespürt und gehört hat, weiß, dass es hier schier unmenschliche Kräfte erfordert, standhaft zu bleiben.

Ich gestehe: Ich bin nicht die Superwoman der Nachhaltigkeit im Alltag. Die Flasche Wasser haben wir gekauft. Und auch das Smarties-Joghurt landet bei mir mal im Einkaufswagen. Böse, böse? Auch wenn ich mich manchmal über meine fehlende Konsequenz ärgere, ist Nachhaltigkeit für mich doch ein Lebensführungskonzept mit einer Grundlage an Normen und Werten.

Nachhaltiges Handeln im Alltag heißt dementsprechend für mich, uns selbst und den Kindern immer wieder bewusst zu machen, dass jedes Handeln und jede Entscheidung nach-hält und nach-hallt. Manche lauter, manche leiser. Jajce Wassermühlen 6inaVanNachhaltigkeit im Alltag heißt für mich aber eben nicht, nur mit Scheuklappen und Verboten durch den Supermarkt zu gehen. Ich und wir als Eltern sind Vorbilder für unsere Kids. Die Jungs nehmen dankbar alles an moralischem Denken von uns Erwachsenen an. Auf das berühmte „Gut-und-Böse“-Schema steigen sie sofort ein. Das beginnt bei unserem anfänglichen Geschimpfe über die Dame, deren Hund in unsern Garten kackt, und endet eben im Supermarkt bei dem entrüstetem Aufschrei der Kinder: „Oh schau, der nimmt eine Plastiktüte für sein Obst. Der ist ja Kacke!“

Moralinsaure Nachhaltigkeit ist nix für Kids!

Und genau hier lautet meine persönliche Erkenntnis: Als „Gut-Böse-Rahmenwerk“ taugt Nachhaltigkeit vor allem für Kinder nichts. Denn wir wollen zwar ihr Bewusstsein schärfen, ihnen aber am Ende des Tages nicht jeden Schokoriegel, jedes Eis im Sommer madig machen. Wir wollen ihnen mitgeben, beim Einkaufen nachzudenken, selber zu entscheiden, was wichtig ist – und was nicht. Wir wollen ihnen irgendwie ermöglichen, über Konsum und was man nicht alles haben will aber eigentlich nicht braucht, zu reflektieren. Aber nicht, sie zu dogmatischen Missionaren machen oder Einkäufe zu einer Dauerenttäuschung machen. Nachhaltigkeit im Alltag Eis Kaspar ButrintHeißt: Auch mal auf den Bauch hören, kaufen, was uns „anlacht“. Ohne Dauerndes „nein, das geht nicht und das geht auch nicht“. Denn, und davon bin ich überzeugt, wenn wir das ein oder andere Lebensmittel kategorisch ausschließen, wird es vor allem für die Kinder nur noch attraktiver.

Wo die Grenze in Sachen Konsequenz ist, wo wir nicht nachgeben sollten und wo es „verkraftbar“ ist, da habe ich keine Antwort. Ich kenne nur meine eigenen Grenzen – und die versuche ich mit jedem Handeln ein wenig mehr in Richtung Nachhaltigkeit zu verschieben. Das gelingt besonders im Alltag nicht immer. Aber immer öfter.Nachhaltigkeit im Alltag Franzisca in Balance auf Baum in Belgrad

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