16 − 14 =

zwei × 5 =

Sie fehlt in keiner Top 10 der schönsten Straßen der Welt. Nicht umsonst, denn die Great Ocean Road, die sich auf einem Teilabschnitt entlang der australischen Küste zwischen den Metropolen Melbourne und Adelaide dahinschlängelt, ist ein echtes Naturschauspiel. Jede einzelne Kurve auf dieser Strecke lädt ein, stehen zu bleiben und die Aussicht zu genießen. Uneingeschränktes Highlight und Touri-Magnet Nummer 1 sind die Twelve Apostles, im Meer freistehende, zerklüftete Steinformationen. Nach dem Uluru angeblich das zweitmeist fotografierte Motiv in Australien. Klar, dass auch wir da hin müssen auf unserem Roadtrip. Einmal die Great Ocean Road selber fahren. Doch was für die Erwachsenen für lauter „Wows“ und „Ohs“ und „Ahs“ sorgt, schaut mit Kinderaugen doch etwas anders aus. Auch hier gibt es ein „Ah“, das aber dann doch relativ schnell gefolgt ist von einem „Und jetzt?“.

Great Ocean Road selber fahren - Weders bei den Twelve Apostels

Ich steh‘ auf Kurven

2016 war für mich nicht das erste Mal Great Ocean Road. Ich war schon einmal hier. 2010. Allein. Ohne Frau, ohne Kinder. Dafür hatte ich unterm Hinter keinen Camper und kein Auto, sondern ein kleines Maschinchen. OK, ein bisschen größeres Maschinchen: eine BMW R 1150 GS Adventure. Geliehen nördlich von Melbourne bei einem deutschen Auswanderer, der nun halt Motorräder verleiht und Touren durch Down-Under anbietet. Abgeholt, drauf gehockt, runtergebraust zur GOR. Die Great Ocean Road selber fahren. Und was soll ich sagen? Ein Traum. Kurven und Kurven und Kurven. Ich steh‘ da drauf. Und mit so einem bayerischen Spaß-Gerät unter dem Hintern macht das gleich noch einmal einen Zacken mehr Laune.

Lange Rede, kurzer Sinn: Die Spots, die der Touri-Guide zur Great Ocean Road ausspuckt, hatte ich schon abgegrast, als ich 2016 mit der Wederschen Truppe dort neuerlich einritt. Was für die Familie Neuland war, war kalter Kaffee für mich. Heißt definitiv nicht, dass mich die Great Ocean Road mit ihrem Charme nicht wieder in ihren Bann gezogen hätte. Alleine der Druck, alles und noch mehr sehen zu wollen und müssen, war weg. Mit den Kindern wäre er sowieso nicht so groß gewesen. Aber wenn schon einmal dort, treibt innendrin das Abenteuer- und Entdeckergen halt doch schon das eine oder andere Mal an.

Great Ocean Road selber fahren - mit Motorrad

Hoffnungslos verstapft

Wer die Great Ocean Road einmal erlebt hat, fühlt sich unweigerlich erinnert an die Hop-on-hop-off-Busse in den europäischen Großstädten. Entlang der Küstenstraße heißt es immer wieder Auto abstellen, zum Aussichtspunkt wandern, kucken, staunen, Fotos machen, zurück laufen und weiterfahren.

Gerade mit Kindern macht das nur am Anfang des Tages richtig Spaß. Wenn die Energietanks nach einem schicken Frühstück aufgetankt, die Motivation und der Reiz des Neuen noch durch die Decke gehen. Da ist es dann möglich, längere Strecken durch die abwechslungsreiche Küstenlandschaft zu stapfen – gleich ob rund um die Twelve Apostles oder am Great Otway National Park (was haben die Australier nur immer mit diesem „Great“?).Great Ocean Road selber fahren - Wanderung

In den Büschen am Gehwegrand gibt es dafür reichlich Lizards, Vögel und andere Tiere zu sehen. Für uns auch eine Tier-in-Wildnis-Premiere: ein Echidna, ein Ameisenigel, ein lustig-trotteliges Tierchen, das aussieht, als wären an einen Stachelschweinkörper Minifüße von Elefanten und einen Tapirrüssel rangesteckt werden. Putzig.

Bei unseren Jungs war aufgrund der vielen Stapferei spätestens am frühen Nachmittag der Moment erreicht, wo nicht mehr viel geht, wo die Beine nicht mehr wollen. Wo aber auch wir als Eltern selbst immer schlapper wurden, da wir die kleinen Weders dann doch mehr auf den Schultern tragen mussten als uns lieb war. Irgendwann war für unsere Jungs zudem auch die Lust am Steine kucken erledigt. Meer, gut, Sand, auch super, Steine, ebenfalls. Wenn halt nur nicht immer das Wandern dazwischen wäre. Wenn also der Schicht-im-Schacht-Hammer niederging, war es höchste Zeit für den Blick nach vorne, nach vorne in die nächste Stadt. Und mittendrin die wichtigste Frage: Gibt es dort einen gescheiten Eisladen, einen Spielplatz und einen Campingplatz? Genau in dieser Reihenfolge bitte, wenn es geht.

Hoffnungslos verstopft

Wer die Great Ocean Road selber fahren will, für den sei der Februar empfohlen. Wir waren Ende des Monats dort unterwegs. Sommer in Australien. Hauptsaison zwar, aber eben Australien. Hier verläuft sich viel in der Weite des Landes. Entsprechend waren wir unterwegs: Ohne Reservierungen, ohne Buchung für unsere Nächte. Wenn der Tag eben zu Neige ging, fuhren wir einfach die nächstgelegenen Campingplätze an und fragten wie Maria und Josef damals in Bethlehem nach Herberge. Und eigentlich wurde uns auf der gesamten Tour überall geöffnet – bis, ja bis auf das eine Mal.

Rund um die Twelve Apostles hieß es plötzlich „alles voll“ und umdrehen. Nicht wegen den Touristen. Wegen einer größeren baulichen Aktion zwecks Gasabbaus in der Nähe von Port Campbell waren die dafür abgestellten Arbeiter in den einfacheren Unterkünften in der gesamten Gegend einquartiert. Also dort, wo wir auch rein wollten. Drei oder vier Campgrounds sind wir wohl angefahren am entsprechendem Abend. Nichts da, keine Chance. Noch einmal, fast bis ganz zurück zum Startpunkt des gleichen Tages, von Princetown mehr als eine Stunde den gleichen Weg retour bis nach Warrnambool.

Wer sich also vorstellen kann, wie viel wir an diesem Tag schon gestapft waren, wie groß der Wunsch nach schöne, gemütliche Beine-Hoch-Stunden war, kann sich auch vorstellen, welche Stimmung bei uns im Auto herrschte. Dicke Luft überall. Was sich an diesem Tag als familiärer Nerventest darstellte, entpuppte sich bereits am nächsten als echter Glücksfall. In Warrnambool nämlich war mit dem Lake Pertobe Adventure Park wohl einer der besten, frei zugänglichen Spielplätze auf der gesamten Tour.

Great Ocean Road selber fahren - Highlight Lake Pertobe Adventure Park

Great Ocean Road selber fahren: Groß, aber es geht noch größer

Klar, Touristen sind super für die Wirtschaft, die Arbeitsplätze, die Region. Aber speziell bei den Twelve Apostles ist es für meinen Geschmack einfach schon viel zu viel. Natur, ausgequetscht und ausgeschlachtet für den Profit. Tausende Touristen quetschen sich über eine Autobahn ähnliche Gangway zum zentralen Aussichtspunkt der Twelve Apostles hinunter, über den Köpfen kreisen Hubschrauber, die Touristen die Steinformation aus der Luft betrachten lassen, während am Parkplatz neben dem im Verhältnis zum Hype erstaunlich kleinen Eis- und Souvenir-Shop die Busse der Great-Ocean-Road-in-one-day-Trips aus Melbourne sich Stoßstange an Stoßstange reihen. An der Straße selbst finden sich alle 500 Meter Erinnerungsschilder, dass in Australien links gefahren wird. In jeder noch so kleinen Ausfahrt von Parkplätzen zu Aussichtsplätzen das gleiche. Too much.

So schön die B100, so die offizielle Straßenbezeichnung der Great Ocean Road, auch ist – ich glaube, es geht noch greater. Sie ist ein echtes Erlebnis für die Kinder, jedoch mit vielen Kompromissen. Dennoch bin ich überzeugt, dass unsere Jungs die Besonderheiten von Landschaft und Natur mitbekommen und dabei auch einiges gelernt haben. Auch wenn die Prioritäten vielleicht nicht ganz so fokussiert waren wie bei den Erwachsenen. Aber warum auch nicht. Sind ja Kinder. Und die Great Ocean Road ist ja auch deutlich mehr als nur die Twelve Apostles. Hier die Highlights zum Great Ocean Road selber fahren:

Twelve Apostles

Klar sind die dabei – schon imposant, trotz des touristischen Trubels. Mensch klein, Natur groß. Wow.

Great Ocean Road selber fahren - Highlight Twelve Apostels

Surf Museum & Surf Shops in Torquay

Sie waren kaum mehr aus den Surfshops herauszubekommen, unsere Jungs. Und wenn schon raus, dann bitte mit einem echten Surfbrett. Und Neopren. Eh klar. Am Geburtsort des Rip Curl Imperiums in Torquay, dem Tor zur Great Ocean Road, und mit Bells Beach, einem der bekanntesten Surfreviere der Welt, um die Ecke ist es wenig verwunderlich, dass auch unsere Kids vom Surffieber erfasst wurden. Ein Brett gab es natürlich nicht. Schließlich sind die Wellen am heimischen Lendkanal dann doch nicht ganz so halsbrecherisch wie in Australien. Haben es bei coolen Caps und Shirts belassen. Dafür sind wir im Australian National Surfing Museum noch stärker in die Szene eingestiegen. Inklusive Surfers Hall of Fame und Surfbrettschleifen.

Great Ocean Road selber fahren - Highlight Australian National Surfing Museum Torquay

Great Ocean Road selber fahren - Highlight Rip Curl Headquarter

Cape Otway Lighthouse

Schon die Einfahrt in den Nationalpark Great Otway hält das erste Highlight bereit: In den Eukalyptus-Bäumen am Straßenrand hängen sie faul rum, die Koalas. Eigentlich sind sie gut beim „natürlichen Verstecken“ im Baum, so dass man üblicherweise wirklich genau hinschauen muss, um einen zu entdecken. Im Falle Great Otway ist es einfach: Wenn du nicht der erste Gast am frühen Morgen bist, kannst du einfach dort parken, wo schon zahlreiche, andere Touristen ihr Auto abgestellt haben. Da sind die Koalas nicht weit.

Der Park rund um den Leuchtturm ist wie üblich an der Great Ocean Road touristisch gut erschlossen, jedoch deutlich weniger aufdringlich als bei den Twelve Apostles. Die Eintrittspreise sind in Ordnung, ist ja auch Nationalpark. Drinnen gute Infos, viel zu entdecken, beispielsweise im alten Telegraphenhaus. Dazu geben Ranger laufend interessante Einblicke zur Bedeutung und Geschichte des Leuchtturms bzw. den Aborigines, den Ureinwohnern Australiens in diesem Gebiet. Die Kinder waren hier voll dabei – gleich ob beim Stapfen, beim Anschauen des Leuchtturms oder beim Didgeridoo-Spielen in der Aborigines-Hütte. Lohnt sich.

Great Ocean Road selber fahren - Highlight Great Otway Lighthouse

Allansford Cheese World

Australien ist jetzt nicht wirklich bekannt für guten Käse. Den gibt es dort eher in rechteckigen Großpackungen ab einem Kilo, wie er im stahlsilbernen Werk mit den großen Milchsilos in Allansford hergestellt wird. Wurden dennoch überrascht beim kurzen Zwischenstopp dort. Neben der Fabrik gibt es ein süß-aufgemachtes Museum mit allen Dingen rund um das bäuerliche Leben und die Käseproduktion in der Region. Dazu im Spezialitäten- und Verkaufsshop ein leckeres „Tasting“ des dort speziellen Heritage Cheddar. Und Milchshakes in der Kantine. Perfekt für einen kurzen Kinder-aus-dem-Auto-und-Rennen-Stopp.

Great Ocean Road selber fahren - Allansford Cheese Factory

Spielplätze, Cafés und Campingplätze mit viel Platz

Stapfen und Entdecken und Spielen und Schmecken sind die zwei Weder-Pole, die sich auf jeder Reise die Waage halten müssen. Sonst gibt es auf der einen Seite grantige Eltern, oder auf der anderen Seite grantige Kinder. Beides ist nicht gut. Deshalb müssen gerade beider Great Ocean Road, die wir in vier Tage bereisten, die Spielplätze und Cafés ebenso wie die Campingplätze erwähnt werden. Letztere waren zudem meist nicht weit von großen Spielflächen wie Australian Rules Football Feldern oder Schulsportplätzen entfernt. Wie es die Jungs genau machten, ist mir bis heute ein Rätsel. Aber selbst nach dem anstrengendsten Stapf-Tag fanden diese Racker immer noch genug Energie, um mich beim Rugby oder Cricket um den Platz zu scheuchen.

Great Ocean Road selber fahren - Spielplatz mit Kakadu

Rugbykicks in Australien

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Great Ocean Road, ein Roadtrip mit Kindern - ein 6inaVan Reisebericht

Great Ocean Road im WederCheck
Einzigartige Naturgut erschlossen
voller Touristenweite Wege
7.3gesamt
Sehenswürdigkeiten8.6
Kinderfreundlichkeit6.5
Infrastruktur6.4
Versorgung7.3
Kosten7.8
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