fünf + neunzehn =

vierzehn − elf =

Alt – neu, kaputt – aufgeputzt, östlich – westlich. An keinem anderen Ort begegnen sich diese Gegensätze auf so kleinem Raum und so deutlich wie in Mostar. An keinem anderen Ort wurde es für uns mit aller Macht sichtbar, wie schwierig es ist, Brücken zu bauen. Tatsächlich und im übertragenen Sinne. Die Brücke von Mostar, Symbol für die Trennung und Verbindung von Völkern gleichermaßen. Und eine Stadt, die wie keine andere für das Nebeneinander der verschiedenen Völker in Bosnien-Herzegowina steht. Eine Stadt, die nach wie vor zwei verschiedene Bus-Stationen, Schulsysteme, Verwaltungen und sogar zwei Postsysteme hat. Wir haben uns hier ganz bewusst auf die Suche nach den Gegensätzen gemacht. Und gemerkt, dass nicht nur sichtbare Narben lange brauchen, bis sie heilen – und dass das vielleicht auch nur eine westliche Wunschvorstellung ist.

Baustelle in Mostar

 

Die Brücke von Mostar, Brückenwärter und Grenzgänger

Erster Anlaufpunkt – wie wohl für alle Touristen – ist Stari Most: Die Brücke von Mostar. Das Wahrzeichen. Der Stadtname „Mostar“ heißt, sowohl auf bosnisch als auch serbisch bzw. kroatisch: Brückenwärter. Ein Wächter also über das „auf der einen Seite“ und das „auf der anderen Seite“. Ein Wächter des Miteinander von Bosniern im Osten und Kroaten im Westen.

Brücke von Mostar mit Stefan und Emil

Einen ersten tatsächlichen Brückenwärter in diesem Sinne haben wir bei einem der Parkplätze in der Nähe der Fußgängerzone auf der westlichen Seite der Brücke getroffen. Für die gefühlt etwas teure Parkplatzgebühr – kein Wunder, war der Platz nur rund 200 Meter entfernt von der Brücke – haben wir von dem laut rockenden, deutschsprachigen und überaus freundlichen Parkwächter noch einen hervorragenden Musiktipp mitbekommen. Ziemlich gute, funky Vibes einer bosnischen Dub-Band, gehört auf beiden Seiten von Stari Most. Die Brücke von Mostar jedenfalls soll heute, so steht es in den Reiseführern, das Symbol für das friedliche Zusammenleben der verschiedenen Ethnien in Bosnien-Herzegowina sein.

Auf der Brücke von Mostar

Deshalb wurde sie nach der totalen Zerstörung am 9. November 1993 auch wieder aufgebaut und ist nun Teil des UNESCO Welterbe. Wir hatten das mit dem „Stari“, alt, irgendwie missverstanden und dachten, dass sie zumindest in Teilen noch wirklich „alt“ ist. So blieb bei uns vor allem das Bild, eines für Touristen „aufgeputzen“ Burgteils, der wenig von dem tatsächlichen Leben der Stadt erzählt. Das ganze noch gerahmt von dichtgedrängten Ständen mit allem, was das „Nupsi-Touristen-Herz“ begehrt, von Hirtenflöten bis zu bronzenen Kaffeekännchen.

In der Altstadt von Mostar

Überbrückung von Gegensätzen

An dem ohne Frage beeindruckenden Fotospot für Touristen haben uns die Kinder wieder einmal vor Augen geführt, wie absurd die mit Nippes und Postkarten vollgestopften Gassen um die Brücke von Mostar herum eigentlich sind. Denn wenn man sich weiter als der „Europe-in-10-days“-Touri-Aktionsradius in den östlichen Teil der Stadt hinauswagt, dann sieht es da auf einmal ganz anders aus. Da kostet das Blätterteig-Käse-Teilchen dann auch wieder nur ein paar Cent. Dort spürt man einen muslimischen Flair in Cafés und Klamottengeschäften. Dort ist auch endlich wieder genug Platz um Fangen zu spielen.

Franzisca und Xaver in den Gassen rund um die Brücke von MostarKinder toben in Mostar

Da wird aber auch deutlich, dass die geografische Teilung von ethnischen Gruppen durch eine Brücke von Mostar nicht wirklich hergestellt wird. Das sieht man auch beim Sport. Zum Beispiel beim Nationalsport Fußball. So herrscht zwischen den überwiegend bosnischen Anhängern des FK Velež und dem kroatischen Gegenüber HŠK Zrinjski nach wie vor „blutige“ Rivalität. Aber auch bei der bekannteren Sportart von Mostar selbst: Dem Kunstspringen von der Brücke in die darunter durch fließende Neretva.

Das für uns aus dem Red-Bull-Country Österreich sehr wohl bekannte Brückenhüpfen, oder Red Bull Cliff Diving neudeutsch, hilft nicht wirklich zur Überbrückung der Gegensätze. Die Brücke von Mostar ist Tourismus pur. Nicht mehr, nicht weniger. So kommen zum offiziellen Wettbewerb (Ikari) zwar internationale Teilnehmer und Besucher. Das Bild der Stadt aber prägt im Sommer eher der Tourist, der den „Jumping Locals“ ein paar Mark zusteckt, damit sie sich halsbrecherisch in die Tiefe stürzen. Hätte unseren Jungs sicherlich getaugt zuzuschauen. Als wir dort waren, war jedoch kein Springer weit und breit.

Eine Schule und eine Spurensuche

Mostar war für uns eine Spurensuche. Eine gezielte Suche nach den Gegensätzen der westlichen und östlichen Kultur. Eine Spurensuche nach den Narben des Krieges, der ja so nah vor unserer Haustüre stattgefunden hat. Und eine ganz persönliche Spurensuche für mich. Das lag vor allem daran, dass ich Mostar, seine Historie, seine Geschichten irgendwie „kannte“. Mein Bruder hat hier seine zwei letzten Schuljahre am lokalen-internationalen Gymnasium, dem United World College, verbracht. Und meine Schwester für drei Monate ein Lehrpraktikum absolviert.

Wir haben also die Nippesstände um die Brücke, die Karađozbeg-Moschee und die anderen mittelalterlichen „Sehenswürdigkeiten“ hinter uns gelassen und wollten sehen, wo meine Geschwister da gelebt und was sie „erlebt“ haben. Der Weg führte uns durch die Einkaufsstraße Brace Fejica gen Norden, und zurück über den Fluss in den westlichen Teil der Stadt, den Mostarskog Bataljona hinauf zum Spanischen Platz. Hier leuchtete uns die auf Völkerverständigung ausgerichtete Schule in knalligem gelb und mit Schlösschen-Optik entgegen. Und gleichzeitig auch ein Bild der krassen Gegensätze.UWC in MostarNarben der Stadt, Einschusslöcher in quasi allen Fassaden, Reste von alten Villen und großen Banken, sind überall sichtbar. Und daneben vereinzelt hübsche Gebäude und Plätze.

 

Graffiti am Haus an der Brücke von MostarMostar mit schönen Ecken und Bruchbuden

Alte Villa in Mostar

Besonders absurd angesichts der extremen Erinnerung an den Krieg und das Morden: der moderne Waffenladen in der Ruine eines Wohnhauses.Waffengeschäft in Mostar

Anziehende Wirkung

Diese Gegensätze ziehen uns an. Mostar war faszinierend und abschreckend zugleich. Also Touri-Ort für die Kinder eher nicht so geeignet – Schieben und Drücken rund um die touristischen Gebiete in der Nähe Brücke von Mostar, sonst eher wenig los, was auf die Sehenswürdigkeit-Liste müsste. Aber Mostar war vor allem eines: eine wertvolle Erfahrung. Doch es wird wohl noch eine Weile dauern, diese Eindrücke zu „verknüsern“. Vor Ort kompensieren wir das im WederStyle. Wir erkrabbeln die Orte, die sonst nur mit schnellen, „entfremdeten“ Touristenschritten durcheilt werden, wir wickeln die Kids auf den „heiligen Gebäudestufen“, wir lachen über Narben einer Stadt hinweg.

Weders in MostarWickeln beim UWC in MostarFun mit den Weders in Mostar

Und bis wir die Eindrücke verarbeitet haben, rocken und grooven wir nun mit Freude mit dem „Dubioza kolektiv“.

Unsere Route, #CEEtour17, Etappe 13:

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Mostar mit Kindern. Zwischen der berühmten Brücke und Erinnerungen an Kriegszeiten. Ein 6inaVan-Erlebnisbericht.

Mostar im WederCheck
ÜberschaubarSpannende Geschichte
Drücken und schiebenBrücke touristisch ausgequetscht
6.6gesamt
Sehenswürdigkeiten6.2
Kinderfreundlichkeit5.2
Infrastruktur6.7
Versorgung7.2
Kosten7.7
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