13 − zwei =

fünf × drei =

Wäre „da Kine“, König Ludwig II., heute noch am Leben, ich bin überzeugt, er würde Bulli fahren. Natürlich die neueste VW California Ocean Edition. Mit Allrad und allem an Schnickschnack-VW-Zubehör, was geht. Aber definitiv Bulli. Denn der wäre genau das Richtige für den Märchenkönig, um schnell, bequem und unerkannt zu seinen Schlössern in den Ammergauer Alpen zu gelangen.

So waren es aber nur Julius und ich, die mit unserem WederVan in des Königs Landen unterwegs waren. Auf einem Trip in die weiß-blaue Geschichte. Dazu hatte das 2. Lechtaler Bullitreffen gerufen. Die Rundtour im Bulli-Konvoi ging vorbei an all den Sehenswürdigkeiten im südbayerischen Grenzgebiet zwischen Allgäu und Ammergau.

Rundtour zum 2. Lechtaler BullitreffenDiese historischen Gemäuer sich alle in zwei Tagen anzuschauen und dazu gleichzeitig noch Bullis genießen, war ein Ding der Unmöglichkeit. Allein die bloße Aufzählung der Sehenswürdigkeiten in den Ammergauer Alpen macht schwindelig. Schloss Neuschwanstein, Schloss Hohenschwangau, Schloss Linderhof, der Lechfall, die Wieskirche, das Oberammergauer Passionsspielhaus, Kloster Ettal. Wo soll man da nur anfangen?

Ammergauer Alpen Rundfahrt in Rekordzeit

Wir wollten uns auf der Ausfahrt Inspiration holen und gleichzeitig ein, zwei Dinge der Liste mitnehmen. Schließlich hatten wir am gleichen Tag schon einige Kilometer im Van abgespult. Doch schon gesellte sich zu den Bullitreffen-Anfängerfehlern gleich ein weiterer hinzu: Ausfahrt heißt Ausfahrt, weil man zusammen ausfahrt. Bulli-Konvoi. Gemeinsam. Fahren. Sonst nix. Scheinbar.

Das zumindest fiel uns auf, als wir plötzlich (fast) einsam und allein am Parkplatz der Wieskirche standen. Nur ein Abstecher, so dachten wir. Sollte ja auch nicht zu lange dauern. Machen sicher viele. Aber als wir aus dem Konvoi ausscherten, war plötzlich von Bullis weit und breit nichts mehr zu sehen. Nur ein, zwei andere hatten wohl den gleichen Gedanken und Wunsch wie wir.

Den Rest der Rundtour-Strecke Richtung Campingplatz haben wir dann eben ohne Bulli-Begleitung alleine absolviert. Und ohne weiteren Stopp. Und nachdem die Rundtour um die Ammergauer Alpen zwar durchaus idyllisch, aber dann doch irgendwie anders und weniger aufregend verlaufen war als gedacht, gibt es jetzt die ganze Tour im unaufgeregten Schnelldurchlauf. Hundert Kilometer Bulli-Rundfahrt in unter 10 Sekunden. Inklusive Stop an der Wieskirche wohlgemerkt.

König-Ludwig-Country: Schlösser von fern und nah

Julius und ich machten Pläne. Wir, die WederCrew auf dieser Tour, hatten beschlossen, die bekanntesten Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau auszulassen. Die fahren wir dann irgendwann einmal mit einem vollen 6inaVan ab. Wir wollten uns mehr auf den „Osten“ der Rundtour konzentrieren. Auf das Ammergau. Und auf ein Schloss, dass im König-Ludwig-Reigen unberechtigter Weise etwas ein Schattendasein fristet: LinderhofJulius vor Schloss Linderhof

Linderhof ist das Wohnschloss von König Ludwig II. Hier war er länger als in den anderen märchenhaften Behausungen. Bedeutet: Das Schloss ist kleiner, aber dafür fertig. Prunk und Protz in allen Räumen im ersten Stock, die zu besichtigen sind. Und bei der Schlossführung gab es dazu spannende Geschichten zum König.

Zum Beispiel die zum Tischlein Deck Dich. Dem Tisch, der sich zur Küche hinunter kurbeln ließ. Oder von seinen schlechten Zähnen und der nicht mehr ganz so prunkvollen Figur Ludwigs in späten Jahren. Oder woher der Spruch „Alles in Butter“ kommt. Ist zwar nicht von Ludwig im Ursprung, aber auch er hat die damit verbundene Bedeutung angewendet. Denn Meissener Porzellan mit Kutschen auf ruckeligen deutschen Straßen ins tiefste Bayern zu transportieren, war nicht ganz schüttelfrei. Also die schönen, feinen Kostbarkeiten einfach in Butter „einschmelzen“ und fertig ist der vorindustrielle Stoßdämpfer. Und eben „alles in Butter“.

Alles, was ein Schloss braucht

Auch im Park außerhalb der vier Wände des Märchenkönigs findet sich alles, was von einem echten Schloss zu erwarten ist: Tolle, ausladende Gärten, ein Teich mit Springbrunnen, ein Aussichtshügel mit einem Venustempel. Nur die berühmte Grotte, eine künstliche Tropfsteinhöhle, ist Einsturz gefährdet. Und daher zu. Wird restauriert bis 2022. Schade.

Linderhof ist alles in allem ein super knackiger, kurzweiliger Ausflug in die Geschichte, bei der gerade Julius voll in seinem Element zu sein schien. 8,50 Euro Eintritt ist erträglich, Kinder bis 18 sind frei. 2 Euro kommen fürs Parken noch dazu. Brunnen vor Schloss LinderhofVenustempel gegenüber Schloss Linderhof

Wieskirche

Die Wieskirche war unser „Exil-Halt“ während der Bulli-Rundtour in den Ammergauer Alpen. Seit 1983 ist das „Rokokojuwel“, wie es auf der Website beschrieben wird, UNESCO-Weltkulturerbe. Warum, wird schnell klar. Vor allem drinnen. Ein Prunkstück in Prunkstuck. Wirklich beeindruckend. Irgendwie voll, aber doch nicht überladen. Vielmehr hell und einladend. Wirkte fast schon irgendwie fröhlich-offen, was ich in dieser Form von vielen katholischen Kirchen nicht gerade kenne.Wieskirche in den Ammergauer AlpenWieskirche von innenAuch um die Wieskirche herum ein sehr entspanntes und überschaubares Souvenir- und Pilgergeschehen, das die Magie des urbayerischen Rückzugsortes nicht erschlägt. Trotz Touri- und Wallfahrtmagnetismus. Sehr, sehr angenehm. Und ich weiß, wovon ich rede. Bin ich doch selbst in der Nähe des Marienwallfahrtsortes Altötting groß geworden. Von Lourdes oder Fatima, die wir uns auf unser Tour nach Lissabon angeschaut hatten, gar nicht zu sprechen. Ein sehr empfehlenswerter Abstecher.

Oberammergau und das Passionsspielhaus

Die noch härtere Lederhosenkost gab es dann in Oberammergau. Mit all den bayerischen Bildern und Klischees, die die Lausbubengeschichten von Ludwig Thoma im Kopf zu früheren Bubentagen im Kopf zurück gelassen hatten. Kein Wunder, ist der bayerische Dichter und Schriftsteller doch genau hier geboren. Entsprechend erstrahlt sein Geburtshaus im Dorfzentrum in bayerischer Herrlichkeit – inklusive Lüftlmalerei und stilvoll geschnitzten Details.Dorfplatz in Oberammergau mit Ludwig Thoma Geburtshaus im HintergrundLudwig Thoma Geburtshaus in OberammergauMit der Geburt hier hätte sich Thoma auf jeden Fall für eines qualifiziert: Der Teilnahme bei den Oberammergauer Passionsspielen. Das Zugpferd der nur etwas mehr als 5.000 Einwohner umfassenden Gemeinde. Alle 10 Jahre, zurückgehend auf ein Pestgelübde, werden die letzten Tage Jesus in einem der größten, für die Zuschauer überdachten Freilufttheater Europas aufgeführt. Seit 1634.

Die Schauspieler rekrutieren sich alle aus dem Ort. So die Regel. Esel vielleicht ausgenommen. „Der darf dann auch aus Unterammergau kommen, denn unsere sind zu störrisch“, wie die äußerst freundliche Dame bei der Führung durch die Kulissen und den Backstage-Bereich, wie es so schön neudeutsch heißt, mit einem leichten Grinsen anmerkte. Relief über dem Eingang des Oberammergauer PassionsspielhausesRequisiten der Oberammergauer Passionsspiele

Ein „Event“ bewegt ein Dorf

2020 ist es wieder so weit. Dann wird an über 100 Spieltagen die Passion aufgeführt. Im Oktober dieses Jahres entscheidet sich im Rahmen einer großen Pressekonferenz, wer die Hauptrollen in zwei Jahren spielen darf. Regisseur Christian Stückl, der gerade die letzten Vorkehrungen für den „Wilhelm Tell“ vor der Bühne traf, als wir die heiligen Hallen besichtigten, entscheidet. Das Ereignis des Jahres.

Denn die Passionsspiele bewegen das ganze Dorf. Nicht nur, wenn zu Spieltagen die Gäste in das oberbayerische Idyll einfallen. Die Passionsspiele sind nicht nur die wichtigste Einnahmequelle der Gemeinde, sondern vor allem Gespräch. So wie zuletzt 2008, als für kolportierte 3 Millionen eine mobile Dachkonstruktion über die Bühne gebaut wurde, die sich innerhalb von 20 Minuten, ähnlich wie bei der Arena auf Schalke, auf Stahlschienen nach hinten wegfahren lässt. Oder wenn der Haar- und Barterlass wieder gilt. Was ab März 2019 sein wird. Ab da heißt es für die männlichen Darsteller: Rasieren und schneiden verboten. Ein Dorf in den Ammergauer Alpen in Transformation.Blick auf die Bühne des Oberammergauer Passionsspielhauses

Die Tickets jedenfalls dürften wie zu den letzten Spielzeiten wieder rar gesät sein. Der Verkauf von Packages von Passionsspielkarten inklusive Übernachtung und Verwöhnprogramm hat schon begonnen. Die „normalen“ Tickets kommen im nächsten Jahr in den Verkauf.

Dieses Hauen und Stechen ersparen wir uns. Wir haben auf der kleinen aber feinen Tour einen tollen Einblick hinter die Kulissen der Passionsspiele erhalten. Der Eintritt inklusive Führung ist mit 6 Euro für Erwachsene und 2 Euro für ein Kind zwar gut bemessen. Aber wenn man bedenkt, welchen Einfluss und Bedeutung das Theater für das Dorf hat, darf dieser Obolus durchaus als bayerischer Solidaritätsbeitrag verstanden werden. Ob den König Ludwig II. zu seinen Zeiten bezahlt hat, ist nicht überliefert.

Like it? Pin it!Wäre König Ludwig II. noch am Leben, er würde Bulli fahren. Wie wir in seinem Reich, den Ammergauer Alpen. Ein 6inaVan Roadtrip in die weiß-blaue Geschichte mit Schloss Linderhof, der Wieskirche, Oberammergau und Co.

Disclaimer: Die Bullishow hat uns zum 2. Lechtaler Bullitreffen eingeladen. Tickets inkl. Verpflegung und die Übernachtung am Campingplatz wurden übernommen. Ansonsten stand es uns frei, blogtechnisch zu tun und lassen, was wir wollten.

Facebook
Instagram
Email
YouTube
Pinterest