10 + vier =

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Sie hat eine Festung, die wie ein Park ist, eine daran anschließende Fußgängerzone mit netten Straßencafés, Ex-Jugoslawien-Monumente, Kirchen en masse und ein paar spezielle Einzelhighlights – Niš, die drittgrößte Stadt Serbiens und das Zentrum des serbischen Südens. Gut, statt zwei Flüssen gibt es nur einen, und der einheimische Fußballklub hat kein so beeindruckendes Stadion, aber ansonsten bekamen wir ein Gefühl, dass wir das alles schon einmal gesehen hatten. Auch wenn es Nis wohl nicht gerne hört: Irgendwie war die Stadt wie Belgrad, nur in Klein. Was nichts Schlechtes ist. Denn für uns war es nicht weniger heimelig als ihr großes Pendant. Im Gegenteil: Durch ihre kompakte Art kommt Nis uns als „Stadtstapfer“ mehr entgegen. Und durch die für Kinder eindrücklicheren Einzelspots wie der Schädelturm oder das Bubanj-Denkmal hat uns Nis Serbien im Gesamten deutlich näher gebracht als Belgrad. Und das wird wohl jetzt Belgrad nicht gerne hören.

Reiterdenkmal Nis Serbien

HarmoNiš

Belgrad – und nun? Da standen wir, in der serbischen Hauptstadt. Und doch war eigentlich irgendwie Albanien im Kopf. Also entschieden wir uns entgegen der eigentlich angedachten Route über die serbische Hügellandschaft im Westen doch erst noch einmal Strecke zu machen und die Autobahn-Hauptroute in den Süden Richtung Mazedonien, Bulgarien und Griechenland zu nutzen. Schnurstracks nach Niš. Oder doch Nis Serbien? Schnurstracks passt in diesem Fall jedenfalls richtig gut, verbreitet die Autobahn doch im Vergleich zur serbischen Begrüßungsrüttelstrecke nach der kroatischen Grenze echtes Dahin-Gleit-Gefühl.

Schnell war klar, dass dies trotz der neuerlichen Fahrerei ein ziemlich entspannter, schöner, lustiger Tag werden sollte. Das ging schon allein mit dem Namen unseres Zielortes los, Niš. Die Stadt lädt förmlich ein zu einem wahren Nein-Paner-Reigen. Nein-Paner? Das ist seit unserer Studienzeit die Bezeichnung für (flache?) Wortspielwitze, abgeleitet vom Gegenpol zu „Japaner“, eben Nein-Paner. Niš, sprich Nisch, ist dafür prädestiniert. Ein bisserl Nišig dieses Spiel, schon klar. Aber werdet nur nicht paNiš, es war ja wirklich harmoNiš bei uns.

Auch in der Stadt selbst alles übersichtlich und ja, harmoNiš (ok, ich hör ja schon auf…). Die schwerste Aufgabe: In der „Traffik“ die passenden Parkscheine für die passende Zone zu erwerben – und das ohne Serbisch-Kenntnisse. Zumindest auf unserer Seite des Tresens.

Einfach entspannt – trotz spürbarer Armut

Danach Stadterleben WederStyle und drauflos gestapft. Mit dem klassischen Start am Hauptplatz. Darauf ein Reiterdenkmal als Symbol für alle, die in, von und um Nis Serbien in unzähligen Kriegen vertreten und verteidigt haben. Ironischerweise reitet der Krieger direkt auf einen H&M zu, der den Beginn der Fußgängerzone markiert. Ob der Reiter uns damit was sagen will, postkommunistisch?  Jedenfalls alles irgendwie bekannt. Wie Belgrad in Klein. Aber wenn Nis Serbien ist, ist Belgrad dann Großserbien? Lassen wir dieses politische Gedankenspiel.Reiterdenkmal in Nis Serbien

Nach einem Abstecher in die Fußgängerzone jedenfalls ging es zurück und weiter über den Fluss Nisava zur Festung, in der sich moderne, schicke Hipsterlokale mit aus- und einladenden Schanigärten mit Resten römischer Thermen, einer Moschee und anderen Museen abwechseln und so die unterschiedlichen kulturellen Einflüsse auf die Stadt über die Jahre hinweg perfekt dokumentieren. Dazu gehört am Nordende der Festung auch der Blick auf das nahe Konzentrationslager, im dem im Zweiten Weltkrieg viele ihr Leben ließen. Wie schon an der Sava haben wir es auch diesmal mit den Kindern „ausgelassen“.

Moschee in der Festung von Nis Serbien

Richtige Stadt zur richtigen Zeit

Die restlichen Sehenswürdigkeiten, auf die wir es noch abgesehen hatten, wären prädestiniert für einen Hopp-on-Hopp-off-Bus. Brauchen wir nicht. Wir haben unseren ja immer dabei. Also rein, kurze Fahrt, raus, einmal etwas länger mit kleiner Wanderung, einmal nur kurz für eine touristische Stippvisite. Klassische Sightseeing-Roadtrip-Erlebnisse für uns.

Für manche mag Nis Serbien sicher fad und unspektakulär erscheinen lassen. Für uns hingegen passte die Stadt genau. Das Richtige zur richtigen Zeit. Viel Unterschiedliches zu sehen, viel Geschichte und Geschichten, kurze Wege, viel Platz zum Laufen, immer wieder Spielen. Und es scheint hier einfach alles irgendwie entspannt. Und das trotz deutlich sichtbarer Armut, die hier herrscht. Nicht so sehr spürbar in der Innenstadt, aber weit muss man auch nicht in die äußeren Bezirke, um das hier mitzubekommen.

Wir selbst hatten uns auf der Suche nach dem Schädelturm kurz verirrt in eine Gegend, wo Pferdekutschen und Yugos dominierten. Wo Rauch aufstieg aus zerfallenen Hütten mit allerhand Gerümpel und Sperrmüll davor, auf dem Kinder mit lachenden Gesichtern spielend herumkletterten. Ein für uns ungewohnter Anblick, der aber keine Spur von Angst oder Unwohlsein hinterließ. Auch das ist eben Nis.

Unsere Nis Serbien Highlights im Einzelnen:

Festung von Niš

Der Anblick des Stambol-Tors flösst Furcht ein. Drinnen aber dann alles entspannt. Parkanlagen, Spielplatz, viel Grün, viel Platz. Und die obligatorische Bummelbahn. Dazu eine spannende Mischung unterschiedlichster kultureller Einflüsse, wie oben schon erwähnt. Ein Must-See. Besonders mit Kindern. Und freier Eintritt.Festung von Nis SerbienWeder Stapfen in der Festung von Nis Serbien

Spielplatz in der Festung von Nis Serbien

Schädelturm

Eigentlich waren wir viel zu lustig drauf für den Schädelturm. Denn die Geschichte drumherum ist grausam und „spooky“ zugleich. Die Ottomanen bauten als Abschreckung gegen die serbischen Rebellen nach der für sie zwar erfolgreichen, jedoch verlustreichen Schlacht von Čegar von 1809 einen Turm, in den 952 Schädel serbischer Krieger eingebaut waren.

Vom Turm ist heute nur noch ein kleiner Teil mit rund 50 Schädeln erhalten. Dieser wird von einem Museums-Kirchen-ähnlichen Bauwerk „ummantelt“. Die klassische Drive-By-Sehenswürdigkeit, wo Parkplatz suchen und der Weg dorthin länger dauert als das Herumlaufen um die Schädelturm-Reste. Für uns dennoch ein „Boah-Erlebnis“ mit einem neuerlichen Eintauchen in die so vielfältige Geschichte des Landes. Tut mit seinen 150 serbische Dinar/1,20 Euro Eintritt pro Erwachsener dem Reisebudget auch nicht weh. Und ist dann trotz Schädel auch nicht soooo abschreckend, dass bei den Weder-Jungs nach dem Besuch nicht wieder der Schalk regieren würde.

Schädelturm in Nis Serbien

Die Weders am Schädelturm in Nis Serbien

Konstantin Kirche und St. Sava Park

Es gibt so einige Kirchen in Nis. Wir haben uns für die Konstantin Kirche entschieden. Zum einen, weil Konstantin der Große um 270 n.Chr. hier geboren ist. Zum anderen weil es mit „kinderfreundlichem und gemütlichem Surrounding“ empfohlen wurde. Mit Spielplatz. Und diese Stimmen aka die Dame von der Touri-Info sollte Recht behalten. Auch wenn die Kirche selbst außen auffällig wirkt, kann sie drinnen nicht wirklich viel. Was aber auch egal war. Denn der St. Sava Park, in der die Kirche „gepflanzt“ wurde, war einfach großartig für Eltern und Kind. An den Rändern kleine Cafés, Restaurant und Bars, in denen das Leben wuselte, in der Mitte ein wirklich ausladendes Kinderspielplatzareal zum Toben mit Eisständen und gemütlichen Bankerl. Perfekt. Konstantinus Kirche in Nis Serbien

Drei Fäuste im Bubanj Park

Wieder Geschichte, diesmal Zweiter Weltkrieg. Der Bubanj Park ist ein Hügel am Ortsende von Nis. Ein Hügel, auf den Gefangene aus dem Konzentrationslager in der Stadt gebracht und hier ermordet wurden. Voller Blut und Leichen. Und voller Widerstand und Hoffnung. Davon zeugen die Drei Fäuste, das Betondenkmal, das als Erinnerung an diese grausame Zeit in den Himmel ragen. Erinnerte uns alles sehr an Jasenovac und die Betonblume. Im Gegensatz zur Blume, wo das Denkmal Denkmal ist, herrscht hier rund um die Drei Fäuste Leben. Als wir am Nachmittag dort waren wurde ein Kindergeburtstag auf der einen Seite gefeiert, auf der anderen trafen sich Jugendliche zum Grillen.

Der Anstieg zum Denkmal war mit den Kindern und dem Buggy in rund 20 Minuten leicht zu bewältigen. 20 Minuten, die voll waren mit Geschichte. Speziell Kaspar und Julius wollten auf diesem Weg viel wissen über Hitler, den Zweiten Weltkrieg und wie das war bei unseren Uromas und Uropas damals. Drei Fäuste im Bubanj Park in Nis SerbienWeders im Bubanj Park in Nis Serbien

Kamenički Vis Kamp und Čegar Denkmal

Als wir in Nis nach einem Campingplatz fragten, gab es nur Kopfschütteln. Und einen Zettel, worauf „Kamenički Vis“ stand. Da sollten wir es probieren. Also eingegeben im Navi und los. Und plötzlich standen wir auf einem Berg. Immer höher ging es Bergsträßchen hinauf, bis wir ein Schild mit der Aufschrift „Kamp“ erblickten. Dort die nächste Überraschung: Das Kamp, kleine Berghütten in Dreiecksform, war geschlossen, die Häuschen verrammelt. Eigentlich. Doch ganz leer war das Kamp nicht. Es wird gerade renoviert. Zwei Hütten waren fertig. Zwei Hütten mit einer Gruppe junger, aktiver StudentInnen. Und alle aufgeschlossen, superfreundlich. Die Kinder spielten mit den Jungs und Mädels Basketball bis in den Abend hinein, wo wir dann im Bergwäldchen „halbfrei“ campierten. Für einen bedeutete das etwas ganz Besonderes: Xaver wurde 1. Auch wenn ihm der Kuchen wohl mehr interessierte als das Drumherums.Camping in den Bergen von Kamenica bei Nis SerbienXaver Geburtstag in Nis Serbien

Glückmoment und Happy End

Und weiteres Glücksmoment am Start des nächsten Tages, das gar nicht mehr auf unserem Nis-Zettel stand: Bei der Abfahrt vom Berg sind wir zufällig an einem weiteren monumentalen Bau vorbeigekommen, dem Čegar-Denkmal. Dort hatten die Serben versucht, die Ottomanen zurückzudrängen. Genau dort fand die Schlacht von Čegar statt. Und dort jagte sich der Serbenführer mit dem Rest seiner Truppe in die Luft und nahm dabei viele türkische Krieger mit. Das Ereignis, das zum Bau des Schädelturms führte. So schließt sich der Kreis. Für uns das passende Ende eines absolut schönen „Nis Serbien Roadtrip Wohlfühl Stopps“.

Čegar Denkmal bei Nis Serbien mit Turm

Unsere Route, #CEEtour17, Etappe 3:

Niš im WederCheck
spannende Sehenswürdigkeitenkompakt zu besichtigenirgendwie gechillt
Armutsgezeichnet kein Campingplatz
6.9gesamt
Sehenswürdigkeiten7.9
Kinderfreundlichkeit7
Infrastruktur5.8
Versorgung6
Kosten8
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