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Liebesrausch. Zugegeben, vielleicht ist der Begriff für Franzisca und mich nach 20 Jahren, nennen wir es mal vorsichtig „mehr als freundschaftliche Verbundenheit“ doch ein wenig kitschig. Und wir schreiben hier am Blog keine Schnulzenromane, sondern klarerweise nur völlig seriöse, staubtrockene Berichte über Familienreisen. Oder so ähnlich zumindest. Aber es war wirklich traumhaft bei unserem „Liebes-Jubiläumsausflug“ am vergangenen Wochenende. Zu zweit für zwei Tage wir. Ohne Jungs. Weniger verrückt wie zuletzt, aber stimmig, passend, Funken sprühend. Blöd war es nicht. Nur Bled. Und doch gar nicht „bled“ am Bleder See.Franzisca mit Scooter am Bleder See vor der Bleder Burg

Eco-Hotel statt Bettenbunker

Stressig war er, der Herbst 2018. Irgendwie zu viel im Kopf. Viren zum einen, vielfältige Gedanken zum anderen. Daher war für uns klar: Wenn schon die liebe Anna (Franziscas Schwester) und der liebe Clemens (Franziscas Schwesters Mann) netterweise auf unsere vier Jungs aufpassen, wollen wir Eltern-Weders zu unserem Liebes-Jubiläum einfach Zeit. Zeit für uns. Keine krasse Kurverei im Van, keine Events, keine Action. Nur weg und wir. Nur wohin? Triest oder Bled? Italien oder Slowenien? Meer oder See? Bettenbunker oder eingebunkert?

Bled sollte es werden. Bled, nur rund eine Stunde von Klagenfurt entfernt – und dennoch von uns viel zu selten besucht. Der Hauptgrund für diese Entscheidung war das Hotel, auf das wir im Internet gestoßen waren: das ECO Boutique Hotel AMS Beagle. Es hatte es uns angetan.

Klein, ruhig, nachhaltig. Etwas außerhalb von Bled, in Richtung Triglav Nationalpark bei der Vintgar-Klamm gelegen. Die ist zwar im Winter geschlossen. Macht aber nichts. Eco klingt fein. Schließlich versuchen wir nicht erst seit gestern, stets ein wenig mehr davon in unser Familienleben zu integrieren. Erschien uns daher passend: Nullenergie-Hotel in Passivhaus-Bauweise mit Solar am Dach, Wärmepumpe im Keller und offiziellem ECO-Label an der Wand. Mit nur vier Zimmern und liebevollen, selbst designten und gefertigten Holzmöbeln. Und ja, auch das Romantik-Frühstück im Bett und die Whirlpoolbadewanne waren einfach unwiderstehlich verlockend.

Liebesnest mit Botschaft

Die Wahl entpuppte sich als goldrichtig. Nicht nur, dass wir die einzigen Gäste an diesem Wochenende waren. Alex, rumänischer Kosmopolit, Eco-Warrior und Chef des Hauses, wenn seine Frau Ana gerade nicht da ist, hat sich Zeit für uns genommen und uns seine Geschichte und die des Hotels ausführlich erzählt. Wie er seinen gut dotierten Management-Posten bei Coca-Cola aufgab, um mehr Sinn zu stiften, um das Hotel aufzuziehen, um „seine“ nachhaltige Botschaft zu leben und zu verbreiten.

Wir fühlten uns weniger in einem Hotel als persönlich bei ihm zu Hause eingeladen. Am Abreise-Sonntag konnten wir uns kaum aus dem Bett schälen. Zu lecker das private Schampus-Frühstück, zu einlullend der VH1 Classic Musiksender am Flatscreen-TV direkt am Bettende. Haben wir ja sonst nicht. Musik aus der Zeit, in der wir uns kennen lernten. Mit Videos, Frisuren und Outfits, die im Generation-Z-Zeitalter gerade mal durch die kurze Krocha-Jugendstil-Episode getoppt wurden. Allein eine Frage quälte: Sind wir wirklich schon so alt? Frühstück im Bett im ECO Hotel AMS Beagle in BledVH1 und Sekt-Frühstück im Hotel AMS Beagle in Bled

Cruisen am Bleder See

Aktiv sind wir dann trotz aller slowenischer Gastfreundschaft und Gemütlichkeit doch noch geworden. Alex hatte Franzisca gelockt – mit flotten Tretrollern für Erwachsene. Und sie, scheinbar von einem spontanen Alphaville-Anfall betroffen, ließ sich überzeugen. Also rauf auf die Kickbikes und nichts wie runtergerollt in die Stadt und an den Bleder See.

Franzisca von 6inaVan vor dem Ortsschild von Bled

Hier waren wir erst einmal überrascht. Mit solchen Menschenmassen hatten wir nicht gerechnet. Bus um Bus spuckte Touristen aus. Dazwischen sportliche Menschen mit Jacken voller Sponsoren-Logos. Biathlon-Weltcup fand ums Eck in Pokljuka statt. Die Promenade war voll. Jedenfalls zu viel für unseren Kuschelmodus. Also zwei-, dreimal fest angeschoben und los ging es rund um den See. In Richtung Insel, neben der Burg dem zweiten touristischen Highlight am Bleder See. Die Liebesgöttin Ziva haben wir dort ebenso allein gelassen wie Maria, der heute die Kirche dort gewidmet ist. Wir wollten nur cruisen.

Kirche auf der Insel am Bleder SeeKirche auf der Insel am Bleder See

Weihnachtskitsch und Wildromantik

Nachdem die Scooter wieder verstaut waren und die Schweißperlen von der leichten Bergauffahrt zum Hotel wieder abgeduscht waren, rollten wir am Abend noch eine Adresse weiter. Diesmal jedoch Muskel schonend mit dem WederVan. Alex hatte uns eine kulinarische Empfehlung für ein gemütliches Liebesmahl gegeben. In einem kleinen Städtchen namens Radovljica, rund sechs Kilometer von Bled entfernt.

Klein trifft es ganz gut. Der Charme der Kreisstadt erschöpft sich mehr oder weniger in einem Mittelalter-romantischen Gässchen von gefühlten 500 Metern. Die aber sind wirklich schön. Schön weihnachtlich, schön kitschig. Mit Glitzergirlanden, roten Herzchen und beleuchteten Fassaden. Genau richtig für zwei Turteltäubchen wie uns. Und noch schöner, nachdem sich die zwei Touri-Busse und mit ihnen die Slovenia-in-three-days-Globetrotter verabschiedet hatten. Wie ruhig und beschaulich.

Weihnachtsbeleuchtung in Radovljica in Slowenien

Unser Ziel war das Gasthaus Lectar. Geheimtipp von Alex für Verliebte mit Hang zum Bodenständigen. Er macht eine Reservierung für uns, meinte er. Denn beim Lectar sei es wichtig, den richtigen Platz zu bekommen. Als wir einliefen und auf Englisch erklärten, dass wir eine Reservierung hätten, suchte der Rezeptionist gelangweilt und verwundert danach. Englisch? Weder? Weder? Gibt es nicht. Nein, nichts da. Nachdem wir erklärt hatten, wir kämen von Alex und AMS Beagle, sprang er überschwänglich aus seinem Stuhl, umarmte uns fast und hieß uns herzlich willkommen in seiner Gaststätte.

Das Besondere: Wir saßen nicht im großen Saal, sondern im Stübchen mit gerade einmal drei Tischen. Mit offenem Feuer und liebevoll angerichteter Tischdeko. Ich kann mich wirklich nicht erinnern, wann wir das letzte Mal drei Stunden gemeinsam in einem Restaurant verbrachten. Gut, brauchten wir auch. Schließlich probierten wir die slowenische Karte auch rauf und runter. Schnecken, Suppe im Brot, Kaninchen, Saumagen, Prekmurska Gibanica und klar, Lasko. Und zumindest einer von uns hatte an diesem Wochenende nicht nur einen Liebesrausch.

Franzisca beim Dinner im Lectar in Radovljica

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20 Jahre ein Paar: "Liebes-Jubiläumsausflug" nach Bled. Zwei Tage zu zweit. Ohne die vier Jungs. Stimmig, passend, Funken sprühend. Gar nicht "bled" am Bleder See für die 6inaVan-Eltern.

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