15 + acht =

achtzehn − acht =

Es waren eher verwunderte Blicke, die wir ernteten. Dann nämlich, wenn wir erzählten, dass unsere große Sommer-Ferien-Tour 2018 nach Tschechien geht. Warum das denn? Ah, klar, Prag, so die selbst gegebene Antwort. Und wir so: „Nee, genau nicht Prag. Der Osten soll es sein.“ Das hatte seine Gründe. Und entpuppte sich im Nachhinein als genau das Richtige zum richtigen Zeitpunkt. Unsere Reise durch Tschechien, oder genauer gesagt in die Tschechische Republik, im Rück-Überblick.

6inaVan Eisstopp auf der Reise durch Tschechien

Reise durch Tschechien? Wie es dazu kam.

Was waren wir geschafft, 2017, nach unserem Riesen-Roadtrip durch den Balkan. Unsere #CEEtour17. Wir haben viel gelernt. So aufregend und spannend es auch war: 2018 sollte anders werden. Das hatten wir uns vorgenommen. Mehr wir statt mehr sehen. Mehr treiben lassen als antreiben. Mehr sein statt mehr Kilometer. Wir brauchten Zeit und Luft für uns nach einem recht turbulenten ersten Halbjahr mit vielen Konferenzen, Fußball und Co. Warum also nicht eine Reise durch Tschechien?

Tschechien, noch reichlich unbekannt für uns. Außer Prag vielleicht. Aber auch reichlich unspektakulär, so hatten wir gehört. Hervorragend, genau so. Klingt genau richtig. Wir, ohne Trubel, abseits der Touristenströme. Roadtrip ohne großen Plan. Und einfach schauen, was es für uns dort gibt im Osten. Gebongt also. Zumal wir diesmal auch zeitlich nicht so flexibel waren: Los nach der Hochzeit von Franziscas Schwester Anna Ende Juli, zurück zum Saisonstart-Fußball-Trainingslager von Julius Mitte August. Drei Wochen insgesamt. Wie wollten mehr, aber schon ok.Wandern in freier, einsamer Natur bei der Reise durch Tschechien

Auf Tschechien gekommen sind wir jedenfalls wegen zwei Punkten: Zum einen eben die Hochzeit von Franziscas Schwester. Die fand in Wien statt – und von dort wollten wir gleich in unsere Ferien aufbrechen. Und nicht mehr zu viel fahren. Da liegt Tschechien ja zu Glück ums Eck. Zum anderen wegen der f.re.e Reisemesse in München. Dort war Tschechien sehr präsent mit einem Stand vertreten. Und wir um ein paar Prospekte und gestiegene Neugier reicher. Und da sag noch einer, Marketing auf Messen würde sich nicht auszahlen.

Unerwartete Reisebegleitung

Doch damit nicht genug der Wederschen Reise-Novitäten. Beim „Rumflöten“ unserer Reisepläne winkte plötzlich Moritz mit der Hand. Der Moritz von den Jahodas aus Groß-Enzersdorf. Als Van-Neulinge fielen die „Erdbeeren“ (das tschechische „Jahoda“ auf deutsch) beim Recherchieren über 6inaVan – und die „großen Jungs“ nach ein paar Hin-und-her-Mails und -Telefonaten zudem darüber, dass wir mehr an Werten, Gedanken und Einstellungen teilen, als es sich an den beiden VW Californias festmachen ließe. Ich sage nur „Schule der Neugier“. Jahodas hatten jedenfalls Zeit und Lust. Wir sowieso. So sollten uns Moritz und seine Kids auf den ersten Tagen begleiten. Fertig war das rot-weiß-rote Bulli-Lager.

Jahoda-Weder-Bulligespann

Unsere Route

Für unsere Verhältnisse haben wir auf unserer Reise durch Tschechien – bei uns unter #CZEtour18 laufend – extrem wenig Kilometer gemacht. Nur rund 1.000 waren es am Ende innerhalb tschechischer Grenzen in den drei Wochen. Beinahe so viel wie wir allein schon für An- und Rückreise vom Wohnort Klagenfurt zur Grenze und zurück benötigten.

Autobahnen und Schnellstraßen waren für uns in Tschechien Tabu. Wir zick-zackten durch die Lande über Bundes- und Landstraßen. Am Ende kam auf unserer Reise durch Tschechien eine echte, schöne Rundtour heraus. Die Karte hier zeigt grob, wo wir uns herumgetrieben haben. Über Brünn gen Osten bis zum Berg Radhost, über Olmütz Richtung Norden bis Adrspach, auf dem Weg in den Süden vorbei an Kutna Hora, Trebic und Znaim. Klingt bekannt? Für uns das Meiste so gut wie nicht.

Burgen, Kirchen, Städte

Geprägt war die Reise durch Tschechien von Burgen, Kirchen und Campingplätzen. Wir lieben das. Auch wenn und gerade weil touristisch nicht das Überdrüber-Highlight darunter war. Alles irgendwie schon schöne Natur, schon schöne Städte mit herausgeputzten Innenstädten. Und mit Schlössern, Kirchen und Burgen dazwischen. Aber halt auch nicht allzu oft besonders. Für uns hieß das daher: Mal das eine, mal das andere. Wie es gerade auf dem Weg lag und nach was uns war. Ein Land zum einmal Mitnehmen.Ebenfalls besucht auf der Reise durch Tschechien: Zelena HoraEbenfalls besucht auf der Reise durch Tschechien: LedniceEbenfalls besucht auf der Reise durch Tschechien: OlmützLeere Straßen in den Städten bei der 6inaVan Reise durch Tschechien

Wie wir es uns gewünscht hatten: Der Osten Tschechiens war praktisch leer. An vielen Orten. Obwohl es Hauptsaison war, haben wir nur zweimal nicht bekommen, was wir gesucht hatten: In die Punkva-Höhlen bei der Macocha-Schlucht kamen wir aufgrund des Andrangs und der äußerst begrenzten Gruppengröße nicht rein. Bzw. wollten nicht auf gut Glück auf freie Plätze für die Höhlen-Schifferlfahrt warten. Noch dazu, wo es für die Kleinen wohl auch nur semi-spannend gewesen wäre. Und im Touri-Dorf der Marke „Anno Dazumal“, Roznov pod Radhostem, waren die Campingplätze so voll, dass wir weitergefahren sind. Und damit auch das bekannte Freilichtmuseum ausgelassen haben. Sonst war alles einfach, auch ohne Reservierung.

Gechillt bis zum Roadtrip-Rückfall

Zu Beginn unserer Reise durch Tschechien brauchten wir nach den emotionalen Höhenflügen der Hochzeit in Wien ein paar Tage, in einen gechillten Roadtrip-Trott zu finden. Nachdem wir aber die eingerosteten Camping-Handgriffe wieder drauf hatten und wir uns auf unseren Familien-Rhythmus eingegroovt hatten, wurde es das ruhige Dahin-Cruisen von Campingplatz zu Campingplatz. Ob wir dazwischen etwas sehen oder doch auslassen, machte in Tschechien kaum einen Unterschied. Es war schön, wenn wir bei einer „Sehenswürdigkeit“ waren. Wir hatten aber nie wirklich das Gefühl, etwas verpasst zu haben, wenn wir nicht dort waren.

So schlängelten wir uns durch Tschechien. So entspannt, dass wir am Ende doch wieder einen Rückfall in CEE-Roadtrip-Zeiten hatten. Wir bekamen beim Stopp in Litomysl ein spezielles Pamphlet in die Hände. Ein Flugblatt, auf dem übersichtlich alle 12 UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten in Tschechien aufgeführt waren. Und nachdem wir feststellen durften, dass wir im Osten eigentlich unabsichtlich alle passiert hatten und die restlichen doch recht nahe beisammen liegen, haben wir die Reise durch Tschechien am Rückweg in den Süden kurzfristig zur „Tour de CZE-Weltkulturerbe“ gemacht. Am Ende hatten wir von 12 UNESCO-Orten in Tschechien ganze neun gesehen.

Kaspar und Julius checken die Karte in Litomysl

Unsere Reise durch Tschechien: Was übrig blieb

Ruhig, lecker, preiswert

Tschechien in drei Worten: Es war genial. Für uns war die Reise durch Tschechien die richtige Tour zur richtigen Zeit. Genau was wir gesucht hatten. Kann ich Tschechien deshalb voll empfehlen? Ich bin vorsichtig. Ich glaube nicht, dass Tschechien für alle passt. Eines aber würde ich sagen wollen: Für Familien, die nicht hinter dem absoluten Thrill, der Überdrüber-Action und besonderen Entdeckungen her sind und die sich durchaus auch mit wenig Luxus zufrieden geben, für die ist der Osten Tschechiens äußerst empfehlenswert. Genauso wie für Geschichtsfreunde. Tschechien, das marketingtechnisch selbsternannte „Land of Stories„, wurde wirklich zu unserem Land voller Geschichten.

Eine Reise durch Tschechien spart zudem das Budget. Denn Tschechien ist preiswert. Die Nacht am Campingplatz hat uns zwischen 10 und 25 Euro gekostet. Und beim Essen waren wir trotz der sechs Köpfe nicht arg weit drüber, weshalb wir öfters als geplant Campingplatz-Picknick Campingplatz-Picknick sein ließen und uns bunt durch die tschechischen Küche probierten.Leckeres Essen bei der Reise durch TschechienBei der Reise durch Tschechien oft im Lokal: Die 6inaVan Familie

Unfreundlich und leer

Dabei wäre es fast nicht so weit gekommen. Ich wäre in der ersten Woche beinahe umgedreht. Denn eines hat mich persönlich wirklich überrascht: Die Unfreundlichkeit der Tschechen. Oder das, was bei mir und uns als solche angekommen ist. Von den Tschechinnen und Tschechen aus unserem Freundeskreis kannten wir das nicht. Und die gemütlich Gastlichkeit ist auch über Grenzen hinweg bekannt. Auf der Tour aber fühlten wir uns über weite Strecken der Tour eigentlich nicht wirklich willkommen.

Sobald wir auftauchten, drehten sich die Köpfe weg. Sobald wir versuchten, in Interaktion zu gehen und uns mit Englisch oder Deutsch zu verständigen (was sich per se als nicht so einfach entpuppte), senkten sich die Köpfe. Warum? Das wissen wir nicht. Wir haben aber auch nicht gefragt. Ja, wir wissen: Wir sind laut, ja, wir fallen auf. Aber nicht immer nur negativ. Und wo wir in manch anderen Ländern zumindest ein Grinsen oder ein „Ahoj“ ernten, gab es in Tschechien nichts. Und das war noch das Beste.

Irgendwann gewöhnten wir uns aber daran. Die wenigen positiven Ausreißer nahmen wir dankbar an. Ansonsten genossen wir unser Allein-Gelassen-Werden. Auch von Touristen. Denn bereits kurz nach der Grenze zu Österreich war kein Auto mit rot-weiß-rotem Kennzeichen mehr zu sehen. Auf der ganzen Tour waren es drei, die uns aufgefallen wären. Drei. Ja, wir wissen, Herr und Frau Österreicher zieht es in den Süden an die Strände in Kroatien und Italien. Und ja, wir wollten es so. Aber so leer? Wir trafen auf der Reise durch Tschechien sogar mehr Holländer, Schweizer und Franzosen. Obwohl die deutlich weiter weg wohnen. Waren oftmals sehr einsam auf Campingplätzen: die 6inaVan Familie bei der Reise durch Tschechien

Wir kommen wieder – wenn die Zeit stimmt

Aber das ist wohl wie bei uns mit Slowenien: So nah wohnen wir. So nah an so vielen schönen, noch unbekannten Orten. Und doch sind wir viel zu selten dort. Genau so wie es unsere österreichischen „Kollegen“ aus dem Norden scheinbar mit Tschechien halten. Zumindest in der Ferien-Hochsaison. Schade eigentlich. Wir würden wieder kommen. Wenn die Zeit für uns stimmt.

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6inaVan-Sommer-Tour 2018: Reise durch Tschechien im Van. Nicht Prag. Durch den Osten des Landes. Ein Familie auf Roadtrip in unbekannten Welten.

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