zwanzig − achtzehn =

18 − elf =

Während Franzisca und Xaver sich in Kalifornien vergnügten, machte sich der Rest der Weder-Bunch auf nach Mainz. Vater Kind Wochenende. Vier Weder-Männer, ein Roadtrip, vier Tage, 1.650 Kilometer. Anstrengend, aber schön. Nein, mehr als das. Wertvoll. Es waren weniger die wirklich tolle, runde Geburtstagsfeier mit Familie und Bekannten aus ganz Deutschland oder der erlebnisreiche Tag im Taunus Wunderland. Es waren vielmehr die Reizmomente unter uns Weder-Männern, handfeste Streits und das Zusammenraufen nach den Alpha-Männchen-Kämpfen, ohne Rückzugskuschel-Mama, die diesen Roadtrip so speziell machten. Im Nachhinein zumindest. 4MeninaVan. Raufen, Wachsen, Lernen, oder so. Roadtrippin‘ WederStyle mit eigenen Dynamiken im Miteinander.

Harmonie zum Start

Picknick mit Pizza vor dem Vater Kind Wochenende

Es begann alles überaus harmonisch. Und das, obwohl wir Mama tränenreich am Flughafen in Klagenfurt verabschiedet hatten. Eine Pizza später war alles wieder in Ordnung. Männer-Woche, das schweißt zusammen. Und so handelten Kaspar, Julius und Emil auch. Unterstützend, aufeinander eingehend, bedacht auf die Gesamtstimmung. Das Ergebnis: Ein Alltag, der kaum besser flutschen hätte können in den ersten Tagen. Frühstück, Schule, Kindergarten, Arbeit, Einkaufen, Fußball, Abendessen, Schlafen. Wie eine geölte Maschine. Ohne die kleinen Zankereien zwischendurch, selbstorganisiert, aktiv. Auch die normalen, zwischenzeitlichen „Mama“-Rufe von Emil waren keine „Ich vermiss Dich so“-Heulorgien, sondern ganz normale Momente eines Zweijährigen. Einfach ganz andere Stimmung, als wenn Mama zu Hause wäre. Überraschend? Wohl nicht. Nur in dieser neuen, unbekannten Dimension vielleicht. Oder war einfach nur das Testosteron alle?

Beispiel gefällig: Packen für das Vater Kind Wochenende und die große Tour. Kein Gewusel und Stress, nein. Die Vorarbeit hatte Kaspar schon eigenständig erledigt, während ich mit den anderen beiden beschäftigt war.  Heißt: Für alle, mich inklusive, waren die mitzunehmenden Anzieh-Sachen, nach den einzelnen Tagen sortiert, aus den Kästen in Haufen vorgestapelt. Ich musste eigentlich nur noch alles in die Tasche schlichten. Oder weiters: Selbst bei einem beruflichen Abendtermin am Tag vor der Abfahrt Richtung Deutschland, einem Workshop, bei dem ich unbedingt dabei sein wollte, waren die Jungs meine Begleiter, und sie waren spitze. Kein übermüdetes Gezeter, kein dem anderen auf den Fuß steigen. Sprichwörtlich. Hätte ich wirklich nicht so erwartet.

Vater Kind Wochenende: erste Spannungen beim Männer-Roadtrip

War es das lange Aufbleiben am Vortag, die Hunderte von Kilometern nach Mainz, die Sommerhitze oder die unbekannte Umgebung – ich weiß es nicht. Vermutlich von allem ein bisschen. Am ersten Abend des Vater Kind Wochenende jedenfalls gingen die Alpha-Männchen-Spiele los. Wer schläft auf welcher Seite, wer hat welches Kuscheltier, warum ist das so und nicht anders? Und übrigens, wo ist eigentlich Mama? Miese Stimmung im Bus, und ich mittendrin, fertig, gebraucht, übermüdet und ja, auch laut und genervt. Überfordert? In diesem Moment wohl ja. Und dann hatte nicht einmal mehr der Kiosk am Campingplatz auf. Dabei hätte so ein kühles Bier zum Abschluss dieses stressigen Tages durchaus gut getan. Alkohol, ja, ist keine Lösung, ich weiß. Aber ich wollt ja gar nix lösen. Der Wohlfühlfaktor, um den wäre es gegangen.  Blick auf Mainz bei Nacht

Eigentlich sollten für mich solche Momente nicht neu sein. Eigentlich. Auch zu Hause kracht es immer wieder. Leidenschaftlich. Doch ohne Mama, ohne doppeltes Netz und sicheren (Gefühls-)Boden waren diese energischen Minuten äußerst kräftezehrend. Und Augen öffnend, welch starke Persönlichkeiten hier heranwachsen. Mit eigenen Vorstellungen, eigenen Gedanken, Wünschen und Ideen, die ich zu respektieren habe, auf die ich in meiner Rolle als Papa immer wieder neu und in neuer Form eingehen muss. In der Theorie klingt das alles immer so schön einfach. Hier war es – im Nachhinein betrachtet – eine spannende neue Dynamik im Wederschen Gemeinschaftszirkel. Unter Männern.

Vom Oma-Opa-Campingplatz zur Action

Apropos Campingplatz: Campingplatz Maaraue, der war übrigens voll in Ordnung. Eine Lage, wie sie besser nicht sein hätte können, direkt am Rhein, mit Blick auf Mainz (gehört stadtteiltechnisch aber zu Wiesbaden). 20 Euro die Nacht für uns hat voll gepasst, ansonsten eher was für ältere Semester, und infrastrukturell auch ein wenig in die Jahre gekommen. Für Kinder jedenfalls war nix, aber auch gar nix da. War uns egal, wir waren aufgrund der Familienfeier sowieso zeitlich komplett verplant. Campingplatz Maaraue Mainz

Streit hin, Querelen her: Ein ausgedehntes Waffelfrühstück am nächsten Morgen, dazu ein paar (er)klärende Worte ohne Emotionen – und der Reboot-Knopf war gedrückt. Los geht es wieder mit guter Laune und grinsender Vorfreude im ganzen Gesicht, der neue Tag kann beginnen. Und sobald Familie, sobald Großmama und Yopi, sobald Tanten und Onkel und Co. da sind, fehlt sowieso nichts mehr. Ob im Vergnügungspark oder bei einer Wanderung durch die Weinberge in Oppenheim – wenn Platz zum Sausen, Wirbeln, Spaß haben ist, dann ist aller gegenseitiger Groll vergessen. Dann kann die Energie da raus, wo sie raus darf. Aus dem Vater Kind Wochenende wird ein Vater Kind Action Wochenende. Und plötzlich vergehen sie doch viel zu schnell, die Tage in Good Ol‘ Germany.

Oppenheim

Roadtrip Happy End – nur ich blieb über

Nach dem Brunch am Sonntag war dann Schluss mit der Familien-Sause. Dann hieß es wieder Van en masse. Auf gen Heimat. Wieder tränenreicher Abschied, nur nicht von Mama, sondern von den Lieben, mit denen am Tag zuvor noch bis in die Puppen bei bester Laune gefeiert wurde. Nun wieder allein, und wieder nur Papa. Aber wie am Anfang der Wederschen Männerwoche: Unterstützend, aufeinander eingehend, bedacht auf die Gesamtstimmung. Ein Roadtrip mit Happy End und familiärem Zusammenhalt.

Mein Körper hat am Ende dazu noch tatkräftig mitgeholfen. Warum er auf dieser Art für Zusammenhalt sorgen musste, diese Frage hat mir „der Gute“ bis heute nicht beantwortet. Sei es drum: Mein Schleimbeutel hatte genug vom Fahren, machte kurzerhand puff – und so hatte mein Ellenbogen plötzlich einen Tennisball verschluckt. Der nette Mitarbeiter von Burger King, wo wir eine Pause einlegten, fragt sich wohl noch heute, was der Spinner mit einem Socken und einem Becher voller Eiswürfel anfängt. Mir egal, half mir die Kombination der beiden Dinge doch den Rest der insgesamt rund 7 Stunden Fahrtzeit halbwegs zu überstehen. Unter fachmännischer Aufsicht und größter, mitfühlender Unterstützung durch die Jungs. Und falls es nicht raus kam, sei speziell an dieser Stelle erwähnt: I love my boys! Vergesst den Ellenbogen, ist eh überbewertet. Auf noch mehr Roadtrips, Fights und versöhnliche Momente, meine Racker!

Entzündung und Arm in Schiene

PS: Dieser Artikel wurde mit 1,5 Händen, einem halbleeren Kopf und unter Einfluss von Antibiotika und Schmerzmittel verfasst. Bei etwaige Beschwerden wird auf grobe Unzurechnungsfähigkeit plädiert.

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