eins × 3 =

fünfzehn − neun =

Thrombosestrümpfe in Schuhgröße 18 gibt es zwar nicht. Trotzdem darf Xaver mit über den großen Teich. Mit auf die Jahreskonferenz meiner Fachgesellschaft, der International Communication Association in San Diego. Das heißt mit in den 12-Stunden-Flieger. Fliegen mit Baby, eine Herausforderung. Wie im WederVan gilt auch hier: Keep it simple!

Wenn wir mit den Kindern in voller Anzahl wie zuletzt Richtung Helsinki den Flieger besteigen, bleibt jeglicher Schnickschnack-Ballast zu Hause. Keine Extra-Kilos an Schmöker-Büchern, keine eigenen Kopfhörer oder Zeitschriften. Stattdessen gibt es Malsachen und Mini-Bälle. So flutscht es für uns auch beim Fliegen mit Kindern – sei es nach Australien, nach Neuseeland oder wie eben jetzt in die USA. „Keep it simple“ beim Gepäck ist aber nur die halbe Miete. Wichtiger für uns ist das „Keep it simple“ im Kopf. Fliegen mit Baby - Flughafen Quatsch mit Emil

Malsachen, Pixibücher und ein Ball

Die Flugreise in die USA wird für mich wohl echt relaxed. Denn dabei ist nicht die gesamte Kinder-Jungs-Rasselbande, sondern nur Xaver, unser Nicht-ganz-Einjähriger. Das wirkt sich positiv aus – sowohl auf das Packvolumen im Handgepäck als auch auf mein Nervenkostüm. Ein kleines Klimperzeug, eine Extra-Trinkflasche – und los geht’s.

Ansonsten packen die Jungs für lange Flugreisen ihren Spielerucksack fürs Handgepäck selbst. Die Anforderung: klein, leicht und sinnvoll nutzbar muss alles sein, was dort hineinkommt. Schließlich müssen sie diesen auch selbst schleppen. Ehrensache. Meist mit dabei die Klassiker: Stifte und Blöcke, Karten aller Art, Rätselbücher, Spielzeugautos und – logisch – ein Ball.

Fliegen mit Baby und den Kindern - Malen im Flugzeug vertreibt die Zeit

Ein Ball im Handgepäck für den Flieger? Ja. Denn Fliegen mit Baby & Kindern fängt schon in der Wartehalle am Flughafen an. Und das kann sich ziehen. Bewegung vor einem langen Flug oder bei einer Zwischenlandung ist daher für uns der Schlüssel zum entspannten Flugerlebnis – und dabei vor allem das, was im Flugzeug nicht möglich ist: Krabbeln, Rennen, Verstecken spielen, mindestens fünfmal aufs Klo gehen. Und eben Fußball spielen.

Aber es muss der richtige Ball sein. Hier haben wir auch ein wenig experimentiert. Ein ganz kleiner Schaumstoffball ist ok, aber der Spaß enden wollend, verschwindet das Ding zu oft zwischen Bänken und Beinen. Ebenfalls nicht gut: ein Flummiball (beteiligt zu viele Mitreisenden) oder ein harter Fußball (erstens recht groß und, zweitens, auch wenn man fünf Mal „bitte aufpassen“ sagt, werden unweigerlich andere Wartende getroffen). Die Lösung für uns: ein Luftballon-Ball. Dabei handelt es sich eigentlich nur um eine Stoffhülle, dazu ein paar Ballons zum Aufblasen. Das ganze Set hat Platz in jeder Jackentasche, ist schnell „aufgebaut“ und macht vor allem am Flughafen mit weiten Fluren und Wartehallen Spaß ohne Ende. Gesehen habe ich das Ganze bei Bertundina. Und mitgenommen.

Sitzen wir im Flieger, ist alles gut

Apropos Wartehalle: Warten gehört nicht gerade zu den großen Kernkompetenzen der Weder-Bande. Doch speziell beim Fliegen mit Baby & Kindern ist genau das unausweichlich. Oder besser vor dem Fliegen. Hart insbesondere auch für Stefan, der nicht gerade die Geduld in Person ist. Der größte Stressbringer existiert für uns daher nicht im, sondern neben dem Flugzeug. Wenn wir mal auf unseren Plätzen sitzen, ist (fast) alles gut. Und auch beim Gepäckschalter überwiegt noch die Vorfreude. Gerade am Flughafen angekommen, sind die ersten Meter des Weder-Abenteuers meist noch recht aufregend. Zudem ist es für die Kleinen ja auch spannend, was die Dame oder der Herr hinter dem Schalter so alles machen.

Sollten bereits hier beispielsweise aufgrund von früher oder später Flugzeiten die Kids durchhängen, ist einfach Zweiteilung angesagt ist. Während sich ein Weder-Familien-Teil in der Wartehalle austobt, Stichwort Luftballonball, hilft der andere geduldig und artig mit, dass wir an die Tickets kommen und das Gepäck loswerden. Und solange wir im Vorfeld nicht darauf vergessen haben, einen gewissen Zeitpuffer einzubauen, da Tickets und Gepäckaufgabe mal sechs halt einfach dauern, vollzieht sich das Schalterritual meist auch wirklich recht entspannt.

Fliegen mit Baby: Nadelöhr Sicherheitskontrolle

Zuletzt hingegen als das Nadelöhr und die schweißtreibendste Angelegenheit beim Fliegen mit Baby & aufgeregten Kindern herauskristallisiert hat sich für uns die leidige Sicherheitskontrolle. Dort in der Schlange gibt es kein Hin und Her und Rundherum, sondern nur ein Vorwärts. Langsam. Schritt für Schritt. Zwar logistisch schon auf das Handgepäck dezimiert, warten dennoch unendlich viele Handgriffe, bis wir durch sind. Pässe, Tickets, Münzen, Uhr, Armreifen, Mäntel, Pullis, Kappen, Gürtel, hin und wieder Schuhe, je nach Flug auch der Buggy ausgeräumt und zusammengeklappt (wenn er bis zum Gate mit darf), dazu Notebook und Flüssigkeitsbehälter aka Deo separat. Von den Baby-Extra-Flaschen oder -Gläschen noch nicht gesprochen. Für Single-Vielflieger gewohnte Routine. Zu sechst Hochleistungssport.

Fliegen mit Baby - Xaver bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen

Diese Handgriffe werden noch mehr, wenn die Weder-Jungs gerade nicht ihre beste Laune an den Tag legen oder – noch besser – weglaufen. Dazu die Blicke der oft gestressten Einzelreisenden hinter uns, die meist in Zeitnot auf den letzten Drücker zu den Kontrollen kommen und sich gerade mental in den Hintern beißen, weil sie sich an der falschen Reihe, sprich hinter uns, angestellt haben. Für uns jedenfalls wenig hilfreich. Einziger Vorteil: Das Deo liegt schon offen parat, wenn wir durch den Röntgenapparat mit allen Weders durch sind. Denn das wird gleich nach der Sicherheitskontrolle wirklich benötigt. Fliegen mit Baby ist schweißtreibend. Ein paar Arme mehr gerade bei Sicherheitskontrolle wären ein Traum. Gedanklich jedenfalls schallt ein lautes „Ommm“ durch meinen Kopf, wenn wir es geschafft haben. Tief durchschnaufen, Stefan und mir gut zureden, dass das Gröbste nun eigentlich geschafft ist, und auf zu den letzten Schritten auf dem Weg zum Sitzplatz.

Fliegen mit Baby - Xaver in der AUA Maschine

In-Flight-Entertainment in Dauerschleife

Habe ich schon erwähnt, dass Fliegen mit Baby Xaver und den großen Weder-Jungs für uns als sechsköpfige Familie eine Ausnahmesituation darstellt? In dem wir versuchen, uns gerade auf langen Flügen dieser speziellen Situation so oft wie möglich bewusst zu werden, schaffen wir es meiner Meinung nach auch, das „keep it simple“ im Kopf leichter durchzuhalten, sind geduldiger mit den Kids als im Alltag, lassen mehr durchgehen, lassen auch einfach mehr so sein, wie es halt ist. Heißt also auch, dass wir den Kindern mehr Ausnahmen zugestehen. Wie längeres Fernsehen im Flugzeug. Kaspars Rekord liegt bei sieben Filmen von Mailand nach Auckland. Was zu Hause nicht geht, soll hier sein. Insbesondere, wenn das Anschnallzeichen aufleuchtet und die Kinder länger an den Sitz „gefesselt“ werden, ist das einfach sehr hilfreich.

Denn: Sich selbst mit dem mitgebrachten Spielzeug, auch wenn selbst ausgewählt, über Stunden zu beschäftigen, ist bei den Jungs einfach nicht angesagt. Wenn wir sie dann mal vom Fernsehen weglocken können, dann am ehesten mit unserem so genannten „Geschichtenmalen“. Wir beginnen zumeist mit einem „grumpy“ Schwein mit einem Ballon. Von dem aus erzählen wir dann gemeinsam eine Geschichte, und alles wird gleichzeitig gezeichnet – oft begleitet von lautem Lachen. Machen wir deshalb bei Over-Night-Flügen eher nicht zur Schlafenszeit.

Essen, wenn möglich

Mit Xaver allein wird der im Vordersitz integrierte Fernseher beim Flug in die USA wohl nicht von so großer Bedeutung sein. Gut, die Fernbedienung vielleicht, an der Xaver sicher mal nagt. Das war es aber schon. Er hat andere Bedürfnisse. Essen beispielsweise. Hier ist Stillen einfach praktisch. Kein Tablettgefummel und fliegende Spagetti, sondern angedockt, fertig. Hilft dem Kleinen zusätzlich bei Start und Landung mit dem Ohrendruck.

Mit vier Jungs hingegen wird Essen im Flieger zum persönlichen Inflight-Entertainment. Was auf der Langstrecke schon mal sehr hilft, ist vorgebuchtes Kinderessen. Spagetti ziehen bei den Jungs halt doch mehr als das Thaihuhn mit Zucchini-Couscous, so lecker das für mich auch sein mag. Und ein voller Magen hebt schon per se die Laune. Dennoch: Auf dem beengten Raum im Flieger wäre die eine oder andere zusätzliche Hand hilfreich. Bei unseren letzten Flügen hat sich folgende Aufteilung bewährt: Ich die Kleinen, Stefan die beiden Großen. Und während alle essen, heißt es für mich erst einmal Geduld haben. Ich esse erst, wenn Emils Tischchen wieder hochgeklappt und der Kinderhunger gestillt ist. Dass der eine oder andere Happen nicht im Mund, sondern am Boden oder im schlimmsten Fall auf meiner Hose landet, daran habe ich mich schon gewöhnt. Sollte ich mich deshalb aufregen? Nah…ist einfach so. „Keep it simple“ im Kopf.

Fliegen mit Baby und den Kindern - im Flugzeug beim Essen passt es

Fliegen mit Baby heißt Menschen kennenlernen

Nachdem nach dem Essen dann sogar schon die zweite von gefühlten bzw. tatsächlichen 24 Flugstunden wie nach Australien vorüber ist, bleibt einem nun viel Zeit, die lieben Mitreisenden kennenzulernen. Mit Kind passiert das ganz von alleine. Einmal ganz vorne oder ganz hinten bei einem Stelldichein vor den Toiletten zum Windeltausch. Dort gesellt sich dann auch noch die ein oder andere Mama mit Kind dazu. Und nachdem Xaver das Grinsen selten lässt, kommt auch die ein oder andere Stewardess wie vom Magneten angezogen zu einem. Positiv: Von ihr lasse ich mich dann gleich mit Schokoriegeln und Obst versorgen und schone meine Oberarme, in dem ich ihr auch mal den Kleinsten auf den Arm gebe. Zumindest war es bei den anderen Jungs fast immer so.

Weiterer Direktkontakt mit Mitreisenden folgt dann im Gang. Bei Flügen bis zu 24 Stunden und sonst wenig Bewegungsmöglichkeiten bleibt auch fast keine Wahl, als die Kleinen den Gang auf und ab krabbeln oder laufen zu lassen. Klar, der ein oder andere böse Blick ist dabei. Und in die First Class sollte es auch nicht gehen. Aber die meisten Passagiere sind unserer Erfahrung nach wirklich recht freundlich. Und ein kleiner Zwerg mit Spaß und Freude im Gesicht zaubert ihnen selbst unweigerlich ein Lächeln in das müde Gesicht. Da ist der Bordservice, der einen mitten in der Nacht beim Vorbeirumpeln aufweckt, deutlich nervtötender.

Im Flugzeug keine Helikopter-Mami

Wir Erwachsenen jedenfalls haben uns „antrainiert“, nicht bei jedem Gang-Ausflug der Jungs hinterher zu laufen. Warum auch? Die Kids können im Flieger ja nicht verloren gehen! Hier sind die „Großen“ auch schon recht hilfsbereit und vergnügen sich gemeinsam mit ihren kleineren Brüdern, beispielsweise beim Hinterherkrabbeln. Also so gut es geht entspannen, die gewonnene Zeit nutzen und beispielsweise schnell selber das aufgewärmte Essen einfordern und genießen. Nur einen Kaffee gibt es danach nicht. Auch wenn ich sonst insbesondere von meinem Morgenkaffee abhängig bin, auf Flügen lasse ich ihn aus. So sehe ich dann zwar bei der Landung auch aus. Aber ich kann zumindest jedes Schläfchen der Kleinen für einen eigenen kleinen Moment im Land der Träume nutzen. Und das soll ja bekanntlich auch entspannen. Dann ganz ohne „Keep it simple“-Mantra.

Fliegen mit Baby - das Warten am Flughafen ist das Schlimmste

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