neunzehn + sechs =

vier × 3 =

Wir sind digital. Dieses Gefühl schleicht sich unweigerlich ein, wenn wir für eine Reise packen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass wir mehr Kabel als Unterhosen einpacken. Franzisca, die i-Jüngerin, ich, der Microsoft- und Android-Freak. Zu Smartphone und PC/Mac noch Kamera, GoPro, Kindle und iPods für die Jungs. Jetzt noch ein Navi – und der WederVan würde in der Nacht wohl allein aufgrund des elektronischen Equipments leuchten. Und das ohne, dass etwas eingesteckt wäre. Navigation jedenfalls ist Chefsache, also mein Metier. Gut, dass mit der „Chef“sache, darüber werde ich mit Franzisca noch einmal reden, oder besser reden müssen, spätestens wenn sie das liest. Ich jedenfalls verlasse mich auf Offline Maps & Navigation. Und stark auf ihn: Mr. Google und seine Maps.

Offline Maps & Navigation sind im WederVan das Metier von Stefan

Offline Maps & Navigation vs. Straßenkarten-Schlachten

Es ist fast schon ein Ritual. Bevor es auf Reisen geht, kommt der Google-Maps-Check. Heißt: Ich lade mir auf mein Smartphone die Offline-Karten der jeweiligen Destination herunter. Inklusive Weg dorthin. Besonders im Ausland wirklich genial. Auch wenn zuletzt auf unserer CEEtour17 besonders in Albanien und Mazedonien so manch spannende Route berechnet worden war. So gut, aber auch so unspektakulär. Für die heutige Zeit zumindest. Offline Maps & Navigation sind für die heutige Zeit keine Besonderheit mehr. Und es muss ja auch nicht Google sein.

Dennoch: Auch wenn ich noch sooooo jung ausschaue *husthust*, bin ich doch in einer Zeit aufgewachsen, als Straßenkarten aus Papier der Standard waren. Ich erinnere mich: Im Familien-Auto wurden oft kleine Schlachten ausgefochten, was nun wohl der beste Weg zum Ziel sei. Navigieren war Diskussion, Gespräch, Auseinandersetzung. Und das, obwohl im Vorhinein schon die gesamte Route im Atlas planstabsmäßig durchdekliniert wurde.

Mein Opa war im Durchdeklinieren Meister. Er hatte nicht nur Karten ohne Ende, sondern sogar so eine geniale, mechanische Apparatur. Ich musste googlen, um herauszufinden, wie man das überhaupt nennt: „Meilograph„, scheinbar. Es war eine Mischung aus Stift und Taschenuhr, an dessen spitzem Ende ein kleines Rädchen befestigt war. Auf der „Uhr“ musste zuerst der Straßenkarten-Maßstab eingestellt und der Kilometerzähler auf Null gestellt werden. Dann fuhr mein Opa auf dem Atlas mit dem „Rädchenstift“ den Weg von Punkt A zu Punkt B ab wie auf einem Schnittmuster beim Nähen. Und am Ende zeigte ihm das mechanische Gerät an, wie viele Kilometer dazwischen liegen. Für mich als kleiner Bub faszinierend.

Verloren ohne digitale Navigation?

Heute bedeutet navigieren im Van eigentlich nur noch Route eingeben. Dann vielleicht noch richtig zuhören oder schauen, fertig. Offline Maps & Navigation mit digitalen Geräten erziehen zu Unselbständigkeit. Karten lesen, beste Route finden, pah, macht das Navi. Doch was tun, wenn der Saft alle, Kabel vergessen oder die Technologie streikt? Wie viele von uns, speziell wie viele von den jungen Menschen wären denn noch in der Lage, sich ohne elektronischen Helfer zurecht zu finden? 62 Prozent aller unter 25jährigen beantworteten die Frage, ob sie eine Straßenkarte lesen könnten, mit nein. Sagen zumindest die Jugendlichen, die in einer Studie befragt wurden. OK, die Studie ist schon von 2011. Aber warum sollte sich dieser Prozentsatz bis heute verringert haben?

Unsere Kids sind das beste Beispiel: Auch für sie kommen gedruckte Karten auf unseren Reisen maximal in Städten vor, wenn wir diese mit Touri-Karten erwandern. Dann dürfen die Jungs ran. Sie sind es, die uns von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit leiten. Oder im Zoo von Tier zu Tier. Zumindest so lange bei ihnen die Lust dazu da ist. Dieses Navigieren hat für uns aber nichts bewusst Lehrreiches. Maximal nutzen wir dies für etwas Erzieherischem. Denn Navigation setzen wir – wenn überhaupt – dann als bewusste „Aufgabe“ ein, um Streits unter den Jungs zu schlichten. Dazu ernennen wir dann einen oder mehrere Jungs zu „Fremdenführer auf Zeit“. Funzt.

Kaspar und Julius und ihre Navigation auf der Karte im Zoo

Im Van selbst fragen die Jungs auch in Sachen Navigation nach. Da allerdings, ob sie mich mittels Offline Maps & Navigation mit dem Smartphone zum nächsten Ziel lotsen dürfen. Ein „Navi-Blindflug“ für mich, ein Spaß für die Jungs. Deshalb dürfen sie das auch immer wieder, je nach allgemeiner Stimmung im Bus. Und auch wenn ich dadurch schon einige Liter Tankinhalt mehr verfahren und einige Extra-Nerven verloren habe, dürfen sie es auch in Zukunft immer wieder.

Sie haben das Ziel erreicht

Ist das nun also tragisch, dass es kaum mehr Straßenkarten im Einsatz gibt? Tragisch vielleicht nicht. Aber schade. Denn das killt schon die Kommunikation. Im eigenen Auto vielleicht sogar weniger als auf der Straße, in der Fußgängerzone beispielsweise. Wenn Touristen früher aufgeregt einen Faltplan hin- und hergedreht haben, war klar: die suchen was, meistens den Weg. Solche Szenen erwecken den Helferinstinkt. Zumindest bei mir. Die Folge: Du gehst zu den „verlorenen“ Menschen hin, plauderst, hilfst ihnen, den richtigen Weg zu finden. Aber wenn jemand mit Smartphone in der Stadt herumfuchtelt, würdest Du das Gleiche tun? Ich eher nicht. Könnte ja auch nur facebooken, der Gute. Oder eben das Navi läuft. Und wer ist schon smarter als das, wo der Name Programm sein sollte: das Smartphone.

Navigation mit Karten in Butrint

Aber noch einmal: Als Technologiekritiker bin ich, sind wir wahrlich ungeeignet. Schließlich siegt trotz aller „schade“ dieser Welt der praktische Nutzen. Kartennavigation im Ausland, offline, und noch dazu ohne zusätzlichem Kastl und Anschaffungskosten, herrlich. In der EU dank Roaming-Ende wäre (in beschränktem Umfang) nicht einmal mehr die Offline-Karte nötig.

Der Nase nach nach Männer-Art

Und noch etwas fällt auf: Wenn die Navigation zum Alltag gehört, erhöht sich die Freude auf bewusstes Abschalten des „schlauen Kasterls“. Dann lassen wir Navigation Navigation und Navi Navi sein. Dann machen wir aus, sagen der Autobahn Lebewohl und schlagen uns auf kleinen Straßen durch. Wir haben für diese Art des Reisens für uns einen eigenen Stehsatz entwickelt: „Berglein und Kirchlein fahren“. Im Berglein/Kirchlein-Modus fahren wir nicht auf Navi, nicht auf Ziel, sondern auf Lust und Laune. Der Nase – und ja – auch Schildern nach. Speziell denjenigen mit Burgen drauf.

Aber so schön das Herumgondeln auch ist – irgendwann braucht es wieder ein Ziel. Auch für die Kinder. Nur: Wenn wir offline-offline fahren, kommt der Pfadfinder-Instinkt bei mir durch. Im klischeehaften, männlichen Sinne, wenn man so mag. Denn: Nach dem Weg frage ich nie. Niemals. Mag ich nicht. Bin ich nicht. Schon gar nicht im Pfadfinder-Modus. Viermal, fünfmal umdrehen und zehnmal um den Block? Klar. Irgendwo wird dieser Campingplatz, das Gasthaus oder sonst ein Ziel doch sein. Geschlagen geben wir uns, ich und meine Nase, äußerst ungern. Eher beiße ich ins Lenkrad. Oder klappe einfach an Ort und Stelle das Faltdach auf. OK, würde ich gerne. Am Ende aber siegt meist die Familie und die Vernunft. Die Folge: Smartphone wieder an. Schöne, neue Technikwelt.

Bitte wenden - Offline Maps & Navigation in Albanien

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