zwei × 4 =

sechs − zwei =

Rückblick: So kurz vor Abreise unserer #CEEtour17 beschlich uns dann doch die Angst. Da waren sie. Die gut gemeinten Tipps. Irrfahrt auf den Balkan? Oha! Bleibt beim Auto. Einmal kurz stehen gelassen, und schon sind alle Autoreifen abmontiert! Technische Geräte immer gut verstecken. Oder nah am Körper tragen. Dazu die eigenen, trüben Erinnerungen aus der Kindheit. Die persönlichen Schubladen, die aufgehen, wenn Worte wie Ex-Jugoslawien, Balkan, Slawen fallen. Schön soll es ja schon sein dort, aber sonst? Alles voller Gefahren, Korruption und Kriminalität. So zumindest klang es in unseren Ohren. Und arbeitete dann doch etwas mehr in den Synapsen dazwischen, als uns lieb war. Unterschätzen wir die Gefahren, insbesondere mit den Jungs? Ist der Balkan sicher? Wie geht es mir dort als Frau in den islamisch geprägten Ländern? Vorurteile reloaded – oder doch alles ganz anders?

Diebe und mehr: Ist der Balkan sicher?

Unser lieber Van. Was wären wir traurig gewesen, wenn dieser uns unterm Hintern weggemopst worden wäre. Kamera weg, Geld abgeluchst, die Handys aus der Hosentasche gezogen – das hätten wir locker weggesteckt. Nur unserem großen Weißen, unserem geliebten VW California Beach, sollte bitte nicht passieren.

Ist der Balkan sicher? WederVan parken in Pristina

Diese Sorge hätten wir uns auf jeden Fall sparen können. Wir stechen heraus. Der WederVan sticht heraus. Mit seiner schwarz-weißen Beklebung. Und doch ging er irgendwie unter. Die Autos rundherum haben unser wendiges, kleines Wohnmobil gänzlich in den Schatten gestellt: Mercedes, wohin man blickt. Dazu Audi ganz groß, hin und wieder auch ein BMW. Nicht A-Klasse oder 3er. Die fetten Schiffe. Und neu. Meistens mit schweizerischen, schwedischen oder deutschen Kennzeichen. Die Lenker gefühlt Einheimische auf Heimaturlaub. Und alte, kommunistische Karossen mit entsprechenden Genossen hinter dem Lenkrad. Wer hat es da schon auf einen VW abgesehen.

Zudem haben wir mit den Jungs im Gepäck keine allzu wilden Ritte veranstaltet. Geparkt wurde in den Städten nicht in irgendwelchen Vororten, sondern auf öffentlichen Parkplätzen oder zentralen Straßenzügen. Teils damit „bewacht“. Vom lokalen Restaurantbesitzer in Belgrad, der für uns über seinen Account einen Online-Parkschein orderte. Von der Dame an der Tiefgaragen-Kasse in Tirana. Von den schätzungsweise 15 Parkwächtern eines selbst organisierten, „offiziellen“ Parkplatzes in Pristina. Und die Variante „Einfach so stehen lassen“ an einer der Hauptstraßen von Skopje oder in einer Wohngegend in Nis hat auch ohne Probleme geklappt. Ist der Balkan sicher? Ich kann das in Sachen Auto nur mit Ja beantworten. So spannend scheint unser Van dann also wohl doch nicht gewesen zu sein. Geklaut hat uns jedenfalls keiner was. Und auch sonst fühlten wir uns sicher. Beim WederVan lag es aber sowieso bestimmt nur an der „abschreckenden“ Blumenkette um den Rückspiegel.Meeresblick auf dem Weg von Saranda nach Butrint Albanien

Vielfältige Natur – leider voll vermüllt

Die Natur im slawischen Raum ist wunderbar. Top-Noten, faszinierend, einzigartig. Das wussten wir von Rafting-Begeisterten, Bosnien-Kennern und den immer mehr werdenden Albanien-Reisenden, die uns im Vorfeld der Reise begegnet sind. Und tatsächlich: Feuchte, grüne Auen mit über uns kreisenden Störchen entlang der Sava in Kroatien & Serbien. Schluchten und eiskalte Flüsse in Mazedonien. Karge Berge und leere Kiesstrände in Albanien. Dichte, dunkle Wälder in Montenegro und Bosnien & Herzegovina.

Und doch war da etwas, was uns niemand erzählt hatte. Alles, was uns und dem Normalbürger an Natur zugänglich war, hatte eine glitzernd-bunte, knisternde und müffelige Patina. Am Flussbett in der Matka-Schlucht und am Strand von Ksamil in Albanien. Oder auch am serbischen Waldrand und in den Hauptstädten. Die touristischen Hotspots in den Zentren von BelgradSkopje oder Sarajevo vielleicht einmal ausgenommen.

Aber prinzipiell macht es keinen Unterschied, wo. Überall liegt Müll. Plastikflaschen, Chipstüten und dazwischen die Reste der „Cevis“ vom Mittagessen. Die wilden Hunde freut es. Unser völlig durch-recyceltes, von jahrzehntelanger Tradition in Mülltrennung verwöhntes Auge ist irritiert. Und irgendwie ist es dann nicht mehr so „schön“, wie gedacht.

Müll am Balkan - Vorurteile

Müll im Fluss in Nis

Männerdomäne Balkan? Von wegen!

Und dann war da unser Bild von den eher „Männer-dominierten“ Kulturen. Von einem starken Einfluss des Islams und entsprechenden Urteilen und Vorurteilen, die sich damit einschleichen. Auch hier so wie in Sachen Klauen und pure Natur – Pustekuchen! Alles irgendwie anders, vor allem als gedacht. Getroffen habe ich nämlich vornehmlich wunderbare, starke Frauen.

Zum Beispiel auf den beiden sehr hübschen Campingplätzen in Berat, das Berat Caravan Camping, und Ksamil mit dem Ksamil Caravan Camping. Sie wurden von Juliana und Linda geleitet. Zwei ganz besondere Frauen. Sie haben uns nicht nur mit einem Willkommens-Frappé, sondern vor allem ihrer offenen, hilfsbereiten Art, Freundlichkeit und faszinierenden Organisation ihrer Campingplätze überrascht. Auch in Gjirokastra, ebenfalls in Albanien, wurden wir überrascht von einer jungen Frau. Sie hatte gerade ihren Master in der der Tasche und schmeißt dort mal kurz den Laden am Camping Gjirokaster. Ebenso wie Entela ihr kleines Restaurant mit wahnsinnig feinem Hühnchen in Sahnesauce auf der Speisekarte am Strand von Himara, genauer in Livadhi.Franzisca und Entela in Livadhi Beach Albanien, zwei starke Frauen

Zudem haben uns die jüngeren Frauen wie Entelas Töchter oder auch die beiden 4- und 6-jährigen Mädels vom Campingplatz in Tirana mit ihrem hervorragenden Englisch überrascht. Mit deren Männern hingegen konnten wir vor allem unsere Hand-und-Fuß-Sprachkenntnisse vertiefen. Und auch mit den Herren, die wir unterwegs nach dem Weg oder der nächsten Tankstelle gefragt hatten. Also auch hier irgendwie anders, als wir angenommen hatten.

Natürlich. Dies alles ist meine persönliche Wahrnehmung. Ein kleiner Ausschnitt aus einer riesigen Region und die individuelle Erfahrung aus unserer Tour im Wohnmobil mit Kindern. Und dennoch: Wie wunderbar, wenn eine Reise die kruden Vorstellungen und Gedanken über ein Land oder eine ganze Region mal so richtig aufwirbelt.

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Balkan mit Kindern bereisen - eine Gefahr? Ist der Südosten Europas sicher? Wie steht es um die tolle Natur, wie alle erzählen? Und wie geht es als Frau in einer Männer dominierten Kultur? Vorurteile zum Balkan - und wie es für 6inaVan wirklich war.

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