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Ums Eck ist was anderes. Wir sind nach Australien ausgewandert. Einmal um den Globus. Und eine Frage wurde uns oft gestellt: Warum Australien? Warum nicht in Klagenfurt bleiben? Warum nicht zurück nach Deutschland? Oder wenigstens Europa? Hier die Gründe, wie das eine das andere ergab, und die Geschichte einer eineinhalbjährigen Entscheidungsfindung.

Kunst in Brisbane in Australien

 

Grund 1: Raus aus dem Haus

Den eigentlichen Gedanken-Stein ins Rollen gebracht hat unser Vermieter. Er wollte sein kleines, rund 100 Quadratmeter großes Knusperhäuschen mitten in Klagenfurt, das wir gemietet hatten, wiederhaben. Und uns damit raus. Um- und Ausbauen zum Sommerferien-Domizil vornehmlich.

Was klingt, als würden wir auf die Straße gesetzt, stellte sich komplett anders dar. Kurt, so sein Name, war nicht Vermieter, Kurt war Freund. Wir waren über die Jahre immer in regem Kontakt. Und wir haben von ihm immer wieder weiteren Aufschub und Mietverlängerungen bekommen. Zuerst ein paar Monate, dann zwei Jahre, dann noch eines. Immer in Rücksichtnahme auf uns. Wir sind ihm wirklich dankbar dafür – und für diesen „Ihr müsst raus-Impuls“, mit dem er uns erst zum tieferen Nachdenken gebracht hat.

Unser Haus in Klagenfurt in der LilienthalstraßeOhne Zeitdruck und mit freiem Kopf ließen wir also den Gedanken freien Lauf. Ein Fehler im Nachhinein betrachtet. Wir öffneten unsere persönliche Büchse der Pandora, indem wir alle Möglichkeiten unseres Familienlebens durchexerzierten und auf die Wedersche Waagschale legten. Und damit meine ich wirklich alle. Vom einen Extrem „wir verkaufen alles, steigen in den Van und kurven einmal um die Welt“ bis hin zum anderen Extrem „lass uns in Klagenfurt sesshaft werden und ein Haus kaufen“. Und alles, was dazwischen lag.

Je nach Lust, Laune und Tagesverfassung überlegten wir uns mal dort hin, mal da hin. Versuchten uns hineinzuspüren in neue Szenarien. Wir schauten Häuser zum Mieten und Kaufen in und um Klagenfurt an, verfolgten längere Zeit ein eigenes Wohnprojekt, Stichwort Dorf im Dorf, Shared Economy und modernes, nachhaltiges Wohnen – nur um am Ende darauf zu kommen, dass es das alles doch nicht sein kann.

Grund 2: Aus dem Takt

Je länger wir nachdachten, je mehr wir anschauten – irgendwie spürten wir, spürte ich: Klagenfurt hat ein Ablaufdatum. So schön die Häuser auch waren, irgendwie passte es nicht mehr. Es lief nicht mehr rund in meiner Beziehung mit der kleinen, beschaulichen Stadt im Süden Österreichs. Unser beiden Herzen tickten anders, waren aus dem Takt geraten. Kann ich es rational erklären? Nicht wirklich.

Denn das Kuriose: Von außen betrachtet gab es keinen Grund, Klagenfurt den Rücken zu kehren. Franzisca an der Alpen-Adria-Universität gesegnet mit einem fixen Wissenschaftsjob, unbefristet, ordentlich dotiert und mit großer zeitlicher Flexibilität ausgestattet. Ich selbst mit der Wederei auf Erfolgskurs mit dem Umsatz-technisch besten Jahr meiner knapp 10jährigen Selbstständigkeit. Dazu Haus mit Garten, einen Van, drei Kinder hier geboren, gut integriert in Nachbarschaft, Schule und Sportverein, viele gute Freunde.Die fabelhaften WederBoysDennoch fühlte sich das Ganze nicht mehr passend an. Alles bestens – und doch nicht rundum glücklich? Und mit diesem Gefühl ging er los, der Kampf zwischen Herz und Verstand. Kärnten, Klagenfurt und „Aber schee is scho!“ – für mich und uns hat das einfach nicht mehr gereicht. Es war eine schöne Zeit in Klagenfurt. Aber es war auch Zeit für etwas Neues, für den nächsten Schritt.

Grund 3: Mit den Kindern wachsen

Wir sind wie alle Eltern. Wir wollen das Beste für unsere Kids. Und dennoch tun wir ihnen das an? Reißen sie raus aus dem gewohnten Umfeld in ein Land, deren Sprache sie nicht einmal richtig beherrschen? Schmeißen sie in völlig ungewohnte Situationen, die sie und ihre kleinen Seelchen an ihre Grenzen und bestimmt das eine oder andere Mal darüber hinaus bringt? Die einfache Antwort: Ja, genau. Schlimm, oder?Jungs beim Balancieren im WaldNein, denn ich und wir sind überzeugt: Auch wenn es speziell am Anfang wohl härtere oder besser herausfordernde Wochen werden, auch wenn sicher die eine oder andere emotionale Klippe zu umschiffen sein wird, werden die Jungs in Australien wachsen. An den Eindrücken, an den Erfahrungen, an den Erlebnissen, die sie allein und wir gemeinsam durchleben.

Wir nehmen diese Überzeugung vor allem aus unserem „Auswandertest“ Neuseeland. Ein Jahr waren wir dort – und speziell unser Großer, Kaspar, damals 4, hat meiner Ansicht nach davon immens profitiert. Vom Englischen, ja auch, aber vielmehr vom Selbstbewusstsein, seiner Persönlichkeit. Kaspar und seine Brüder sehen mit dem jetzigen Schritt Down Under nicht nur, dass Vieles möglich ist. Sie sind mittendrin in unserem Familiensystem, tragen maßgeblich dazu bei, dass unser Leben bunt ist, bleibt und wird.

Die Welt ist vielfältig, spannend, voller Chancen, voller unterschiedlicher Wege. Das kann herausfordernd und lähmend sein (siehe Grund 1), das kann aber genauso motivieren. Was für uns dabei immer wichtig ist: Ein offenes Ohr und ein offenes Herz, ein Lächeln auf den Lippen und ein klein wenig Mut, auch einmal neue Wege zu wagen. Wege ins Unbekannte, die speziell für Kinder dunkel erscheinen mögen, die auch einmal Angst machen. Um am Ende Licht zu erfahren, wahnsinnig schöne Momente und Erfahrungen aus dieser eigenen Lebensreise zu ziehen.

„Am Ende wird alles gut. Und isses nicht gut, isses verdammt noch mal nicht das Ende, nein.“ (Casper, Ariel)

Das hoffen wir, und das glauben wir. Das sind Werte, die Franzisca und mir wichtig sind. Werte, die wir vermitteln, die wir vorleben wollen. Werte, die wir unseren Jungs weitergeben wollen. Mit jeder Faser unseres Körpers, mit jeder Windung unseres Gehirns.

Grund 4: Warum Australien? Zufall, oder nicht?

Warum Brisbane, warum Australien - Brisbane von oben

Doch warum Brisbane? Warum Australien? Warum so weit weg von Österreich, so weit weg von Freunden und Familie? Ich denke, es sollte sein. Anfang 2019 fassten wir den Entschluss, dem gedanklichen Meandern in alle möglichen Richtungen ein Ende zu machen. Das Ergebnis: Klagenfurt, wir lassen es. Die Haus-Newsletter wurden ab-, die aktive Suche nach einer Nachfolgebude im Süden Österreichs eingestellt.

Franzisca, diejenige mit dem fixen Job, schmeißt sich aktiv in die internationale wissenschaftliche Community auf der Suche nach einem Platzerl für sie und für uns. Irgendwo. Ziellos. Wo eine inhaltlich passende Stelle frei, da eine Bewerbung.

Brisbane stand dabei schon auf unserer Liste. Wie es der Zufall will, hatte sich Franzisca bereits dort ein Jahr zuvor auf eine Uni-Stelle beworben. Eines der Wederschen Lebensentwürfe, eines der „Probieren wir mal, und lass uns schauen, wie sich das für uns anfühlt“-Versuche.Franzisca beim Bewerbungsgespräch an der Griffith UniversityEntsprechend hatten wir also uns schon auseinandergesetzt mit dem Gedanken, wie es wäre, Down Under zu leben. Wir hatten ja mit dem Land schon so etwas wie eine Beziehung. Dazu das Wetter, die Laid-Back-Kultur, die Sprache. Fremd aber nicht unbekannt. Der Gedanke fühlte sich jedenfalls gut, fühlte sich spannend an. Umso härter traf uns damals die Absage.

So also streckte Franzisca nach unserem Entschluss die Fühler verstärkt in alle möglichen Richtungen aus. Und es ging flott. Nach Bewerbungsgesprächen mit Unis in New York (Zusage bekommen, aber jobtechnisch in den USA für mich schwer, Stichwort Greencard, also abgelehnt), San Franzisco (vor Bewerbungsgespräch wegen Greencard-Gründen abgesagt) und Brasilien (Absage erhalten nach Bewerbungsgespräch) kam Brisbane tatsächlich wieder um die Ecke. Anderer Job, andere Uni. Fun Fact: Die „Absage-Uni“ von vor einem Jahr kam parallel dazu ebenfalls mit einem neuen Jobangebot, wieder passend für Franziscas Expertise, raus. Beworben, gequatscht, Angebot bekommen, zugesagt.University of Queensland St. Lucia CampusEnde Juni 2019 war das. Drei Monate und viele Kilometer Rennen später sind wir tatsächlich da. Wir in Brisbane. Und Frau Professor am Weg zu einer der Top 50 Unis der Welt. Der Rest ist Geschichte. Unsere Geschichte. Eine Geschichte, die wir nun gemeinsam in Australien weiterschreiben.

Die Weders mit Koala an der Gold Coast

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