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Albanien ist touristisch noch nicht wirklich erschlossen, hieß es. Das ist alles noch ganz ursprünglich, hieß es. Ja, das stimmt wohl auch für den großen Rest von Albanien. Definitiv nicht für Saranda und Butrint. Hier, ganz im Süden, mit Blick auf Korfu. Da laufen sie alle ganz emsig hin und her. Geschichtssüchtige und Kreuzfahrer, vor allem Deutsche und Russen. Aber diese Völkerwanderung ist normal. Das war hier schon immer so. Die Griechen und die Römer, die Byzantiner und die Slawen, die Venezianer und Osmanen. Nicht zu vergessen die Normannen. Alle wollten sie sie haben, Butrint. Butrint Albanien, eine kleine, aber strategisch wichtige Stadt ganz im Süden, mit Blick auf Korfu.

Und heute? Heute ist Butrint Ruinenstadt. Sie liegt ganz verträumt in einem kühlen Wäldchen, während sich 20 Kilometer nördlich in Saranda die Hotelbunker aneinanderquetschen. Überragt werden diese nur von den Kreuzfahrtschiffen im Hafen. Und doch haben wir ein paar Plätzchen gefunden, wohin wir uns vor den Kreuzfahrern flüchten konnten.

Saranda: Kreuzfahrschiffe und Hotelbunker

Über eine feine Gebirgsstraße schlängelten wir uns ans Meer hinab. Ein Glück, dass ich vorne saß. Und das, obwohl Stefan fuhr wie eine Oma beim Einparken vor dem Supermarkt. So mussten wir nur wegen Emil immer wieder anhalten. Glück für ihn. Dadurch, dass er aussteigen durfte, hat er dann auch als erster das Meer zwischen den Hügeln entdeckt. Unser eigener, kleiner Kreuzfahrer: Emil „Christopher“ Weder.

WederVan am Weg nach Saranda AlbanienWerbeplakat auf dem Weg nach Saranda und Butrint

Saranda also. Der erste Ort am Meer. Nach Tausenden Kilometern Inland. Nach hübschen Hauptstädten und einsamen Gegenden. Durch Serbien, Mazedonien und dem Kosovo hatten wir es erreicht, das Meer. Endlich. Und dann? Dann kam Saranda. Die ersten Treffer der Google Suche beschreiben diesen Ort als „Hafenstadt“, „Touristenstadt“ und „Resort“. Letzterer Begriff beschreibt wohl am Besten, was einen rund um die Anlegestelle der Kreuzfahrtschiffe erwartet. Ohne Frage ein Resort. Vollgestopft mit Hoch-, Neu- und Rohbauten. Dazwischen geklemmt die Buden mit Gummischwimmtieren und Strandtüchern. Alles umrahmt von einem wirbeligen Auto- und Fußgängergetümmel. Genau das, was wir nun brauchen, dachte ich mir.

Blick in den Hafen von Saranda Albanien

Flucht nach Ksamil

Da waren wir nicht undankbar, als wir in der zweiten „Oase“ der Tour ankamen, dem Campingplatz von Linda, der Schwägerin der Campingplatzbetreiberin in Berat, Juliana. Auf dem kleinen, aber feinen „Hort“ in Ksamil wurden wir ebenfalls mit Kaffee, die Kinder mit kühlen Getränken und Süßigkeiten begrüßt. Und hier gab es neben den blau angemalten, freilaufenden Schildkröten (damit die Wohnmobile diese erkennen und nicht drüberfahren), einem unheimlich süßen Hundewelpen und einer gigantischen Küchen-Infrastruktur für alle Camper auch ein Klavier, in freier Wildbahn sozusagen. Sensationell. Nach dem Erlebnis mit Dane das zweite, musikalische Highlight der Tour. Dass es dennoch auch hier heiß und „mückig“ in der Nacht war, dafür kann Linda ja nichts.Dafür konnte man auch am Abend vom Van-Vorplatz aus das Meer sehen.

Blick unseres Platzes beim Camping Ksamil in Saranda Albanien

Kaspar und Julius spielen Keyboard am Campingplatz in Ksamil Albanien

Xaver am Campingplatz in Ksamil Albanien

Sandig-salziger Spaß im Meer

Oase stimmt im Übrigen auch deshalb ganz gut, weil der süße, grüne Campingplatz sich irgendwie zwischen die typisch albanischen Rohbauten klemmt. Während das Erdgeschoss schon steht, ist oben schon einmal alles bereit für die Aufstockung. Und das ist nicht nur an einem Haus der Fall. Das ist ein flächendeckendes Phänomen in Albanien. Gerade an der Küste ein Vorbote, wie das kleine Städtchen mit der süßen Bucht wohl in ein paar Jahren aussehen wird. Dann, wenn der Tourismus Ksamil ganz vereinnahmt haben wird.

Blick in die Bucht von Ksamil

Auch der Pfad ans Meer führte an den Rohbauten entlang. Nicht nur für die Kinder ist das Meer immer magisch, immer toll. Auch uns als Eltern kam der Sprung ins kühle Nass, dass leider nicht ganz so kühl war, absolut entgegen. Und da ist es auch ganz egal, ob es draußen heiß ist oder windig-kühl, ob es Kiesstrand oder wie hier ein kleiner aufgeschütteter Sandstrand ist. Herrlich.

Xaver am Strand von Ksamil in Albanien

Am Strand von Ksamil bei Butrint Albanien

Butrint Albanien: Im heiligen Wald von Äskulap

Von Ksamil aus ist es dann nur ein Katzensprung gen Süden nach Butrint, der antiken Ruinenstadt zwischen dem Butrintsee und dem Vivar-Kanal zum Ionischen Meer.

Meeresblick auf dem Weg von Saranda nach Butrint Albanien

Die alten Steingemäuer liegen ein einem kühlen Wäldchen, dem immer noch die Heilkräfte des Äskulap nachgesagt werden. Wahrscheinlich, weil es einer der wenigen schattigen Fleckchen im Süden Albaniens ist. Neben Gjirokastra und Berat ist Butrint das dritte UNESCO Weltkulturerbe Albaniens. Und das wurde hier im Gegensatz zu den beiden anderen Orten auch besonders deutlich. Ein Bus neben dem anderen auf dem Parkplatz, eine Kreuzfahrtschiff-Gruppe nach der anderen auf den Spazierwegen durch das Amphitheater, die Prospekte in unterschiedlichsten Sprachen. Und zudem mit 700 Lek pro Erwachsenem ein vergleichsweise teurer Eintritt. Dafür haben wir uns dann auch – wohl verbotenerweise – an eine Tour geheftet und so einiges gelernt.

Julius in Butrint in Albanien

Zum Beispiel, dass die Häuser recht kleine Zimmer hatten. Doch dafür konnte man – zumindest in der Römerzeit und zumindest als Kind – einfach im (langen) T-Shirt herumlaufen. Heißt das T-Shirt also so, weil es von der römischen „Toga“ kommt? Antike Stätten von Butrint AlbanienWeders in Butrint in Albanien

Gelernt haben wir außerdem, dass die Schildkröten im stehenden Wasser zwar noch nicht zur Zeit der Römer gelebt haben. Dafür hat aber jede „Besetzer-Kultur“ ihr eigenes Tierwappen auf den Steinen hinterlassen. Kaspar und Julius haben jedenfalls beim lustigen Ratespiel des Tourguides der deutschen Reisegruppe sehr gut abgeschnitten. Ein Highlight hier war das Löwentor, auf dem ein Löwe einen Stier vernascht. Also reißt.

Für mich persönlich am Spannendsten war wohl der Umgang mit den antiken Schätzen: Bei uns im Museum hinter Panzerglas wird hier das Mosaik im Baptisterium mit den vielen Säulen mit Kies zugeschüttet. Bis den Betreibern eine bessere Möglichkeit einfällt, es zu konservieren, so der Guide. Blieb uns also hier nur der Griff zur Postkarte, wo die Schönheit und Farbenpracht des antiken Steinchenbodens sichtbar wird.Tempel mit überdecktem Mosaik in Butrint Albanien

Wir Kreuzfahrer, wir

Die Römer haben der Anlage durch die gut erhaltene Stadtstruktur einen deutlichen Stempel aufgesetzt. Mit den Kindern war es aber vor allem wunderbar, Theater zu spielen und auf den alten Säulenstümpfen, Mauern und Steinbergen herumzuklettern – etwas das bei den uns bisher bekannten Ausgrabungsstätten eher mal sehr streng verboten ist.Pause im antiken Theater in Butrint AlbanienXaver in Butrint Albanien

Ein bisschen wie der verwundete Stier aus der Äneas-Sage, der sich genau hier ans Ufer rettete und starb, und damit dem Ort den Namen („verwundeter Stier“) gab, so fühlten wir uns aber beim Ruinen-Hopping auch. Mitten in der Basilika galt es, neue Kraft zu tanken. Der Weg ging ja noch weiter. Bis zu dem erhöhten und am Ende der Tour gelegenen Venezianischen Kastell wollten wir es ja schließlich auf jeden Fall schaffen.

Pause mit Kindern in Butrint Albanien

Nur dort gab es Toiletten, das ist aber wahrscheinlich das einzige, das wir bemängeln würden. Naja, außer halt den Touristenschwärmen und Kreuzfahrern – wobei die Flucht vor diesen bei uns erst das richtige „Kampf“-, „Römer-“ und damit „Historien-Feeling“ hat aufkommen lassen. Wir Kreuzfahrer, wir.

Unsere Route, #CEEtour17, Etappe 8:

Butrint im WederCheck
Geschichte zum Erlebenviele, schattige Plätze"neue" Albanien-Aspekte
Touristenmagnetvergleichsweise teuer
6.5gesamt
Sehenswürdigkeiten7.5
Kinderfreundlichkeit6.8
Infrastruktur5.2
Versorgung6.4
Kosten6.7
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