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Wir schnaufen ein. Wir schnaufen aus. Tirana. Tirana Albanien – wie schön das klingt. Wir sind da. Dort, wo wir letztlich hinwollten. Das ausgemachte Ziel unserer #CEEtour17. Was waren wir gespannt. Tirana, der neue Hotspot Europas? Hmm, naja. Nicht ganz. Noch nicht zumindest. Eines jedenfalls stimmt: Tirana ist vielfarbig, kunterbunt, verschiedenartig. Und immer noch auf der Suche nach sich selbst. Irgendwie. Ein ungeordneter Mix aus Ottomanen- und Kommunismus-Zeiten. Dazwischen moderne Hoteltürme. Baustellen überall, leerstehende Gebäude. Aber auch viel Grün, breite Fußgängerzonen und Bürgersteige, lange Alleen, aus- und einladende Parks. Im einen Eck gähnende Leere, im anderen Trubel und Leben. Was jetzt? Tirana mit Kindern im 6inaVan WederCheck.

Alt trifft neu in Tirana Albanien

Wenn Tirana Albanien porträtiert

Denken wir kurz zurück. Berat, Gjirokastra, Butrint, die albanische Riviera. Das war Albanien für uns bislang. Eine Mischung aus heißen Stapftouren, Kultur und Geschichte, Erholung und Meer. Gut, Meer gibt es in Tirana nicht viel. Dafür hatten wir einen wahnsinnig idyllischen See am Campingplatz. Aber sonst porträtiert Tirana Albanien recht gut. Und unseren Roadtrip. Denn wir haben uns treiben lassen in der Stadt. Mehr als sonst. Kein Hetzen, kein vorwärts, vorwärts. Diesmal haben wir den Flair voll eingeschnauft. Die Stadt haben wir zwar wie gewohnt bewandert. WederStyle. Dennoch waren wir relaxter als sonst. Irgendwie fühlten wir uns angekommen.

Mit Baby Pause in Tirana Albanien

Noch nicht angekommen hingegen ist Tirana selbst. Ist es jetzt hipp und kultig? Oder einfach alt und runtergelebt? Gemütlich und einladend? Oder doch eher hektisch und aufgeregt? Touristisch? Oder doch ursprünglich? Und wo will es eigentlich hin?

Als wir auf unserer Weder-typischen City-Stapfing-Tour unterwegs waren, begegnete uns höchste Ambivalenz: Heruntergekommene Gebäude mit zerbrochenen Fenstern, Graffitis und Müll, eine Ecke weiter vollklimatisierte Einkaufstempel mit Luxusmarken. Alte, vollgestopfte Busse, die von neuesten Luxuskarossen überholt wurden. Und eine große Baustelle an dem Platz, der unumstritten das Epizentrum Tiranas darstellt: der Skanderbeg Platz.

Spielplatz Tirana

Früher war hier alles grün, auf dem Skanderbeg Platz. Viel Rasen zu Füßen des Nationalhelden Albaniens, der in der Mitte mit gezogenem Schwert auf seinem Ross sitzt. Heute ist dort gekachelt. Hübsch, modern. Und mit integrierter Abkühlung. Denn am gesamten Platz gibt es sprudelnde Quellen. Teils als Fontänen zum Durchlaufen. Teils als Rinnsale, die aus dem Boden blubbern und sich abwärts in Richtung der umliegenden Gebäude ergießen. Umliegende und berühmte Gebäude wie das Historische Nationalmuseum, die Et’hem Bey Moschee mit dem Uhrturm oder die Oper.

Letztere – von vorne hübsch anzusehen – war dahinter als Baustelle eingezäunt. So wie viele (angrenzende) Bereiche des 40.000 Quadratmeter fassenden Areals. So wie das alte Qemal-Stafa-Stadion, das bald als neue Multifunktionsarena und Nationalstadion alle modernen Stückerl spielen soll. Und so wie die mit Geldern aus der Türkei errichtete und – wenn fertig gestellt – die größte Moschee auf dem Balkan, die Erdogan-Moschee. Ein religöser Reibebaum im sonst so religionsliberalen Albanien. Projekt „Unsere Stadt soll schöner werden“ jedenfalls läuft in Tirana in vollen Zügen. Oper am Skanderbeg Platz in Tirana AlbanienEthem Bej Moschee in Tirana Albanien

Für die WederJungs war der Skanderbeg-Platz vor allem eines: ein Spielplatz. Raus aus den Klamotten, rein in die erfrischende Abkühlung aus dem Boden. Ganz nach dem Motto „Hurra, hurra, die Weders sind da!“ Zugegeben, die beste Werbung für anständige Touristenfamilien aus Österreich war das sicher nicht. Aber darauf waren wir in diesem Moment nicht aus. Die Jungs hatten Spaß, die Eltern Zeit zum Durchschnaufen. Wieder.

Wasserspiele am Skanderbeg Platz in Tirana AlbanienWasserspiele und Springbrunnen am Skanderbeg Platz in Tirana Albanien

Arty, arty, arty: Tirana modern

Zwischendrin, zwischen all den Baustellen und historischen Plätzen, flackert es auf, das moderne, künstlerische Tirana. Hier eine Skulptur wie vor dem Zentrum für alternative Kunst, Tirana Ekspres, dort eine öffentliche Installation wie die „Wolke“ vor der Nationalgalerie, da ein Graffiti auf Stromkästen oder auf der bekannten Pyramide. Und immer ausreichend diskutiert, wie es den Anschein hat.

Moderne Kunst in Tirana AlbanienKunstinstallation in Tirana Albanien

Apropos diskutiert und Pyramide: Die Pyramide von Tirana war früher das Enver-Hoxha-Museum. Was damals als architektonisches Balkan-Meisterwerk aus Marmor und Stahl galt, an dem sich Kommunistenführer Hoxhas Tochter innen wie außen zu Ehren ihres Herrn Papas austoben durfte, ist heute eine Bruchbude. Kaputt, verbarrikadiert, besprayt. Wiederbelebungsversuche als Messehalle und Nachtclub scheiterten. Als sie abgerissen werden sollte, wurde sie zum Politikum – und irgendwie auch zum Symbol der noch nicht aufgearbeiteten Geschichte. Vor der Baracke, die sich wohl wunderbar als Rutschbahn eignen würde, ist eine aus alten Patronenhülsen aus ganz Albanien gegossene Friedensglocke aufgestellt. Die übrigens wie so vieles renoviert wird. Ob diese oder doch eher das gelbe Raiffeisen-Logo, das im Hintergrund der Pyramide auf einem der Hochhäuser unübersehbar in den Himmel ragt,  das Zeichen der albanischen Zukunft darstellt?

Am Weg zur Pyramide Tirana Albanien

Emil vor der Pyramide in Tirana Albanien

Albaniens Geschichte auf mehreren Stockwerken

Während die Politiker in all dem Regierungsgebäuden entlang der südlich verlaufenden „Bulevardi Dëshmorët e Kombit“ in Tirana Albanien und dessen Zukunft gestalten, haben wir uns auf den Weg in die andere Richtung gemacht. In Richtung Geschichte. Eigentlich wollten wir bei der entspannten Stimmung am Skanderbeg Platz und dem tollen, aber wieder sehr heißen Wetter nicht in ein Museum. Wir überließen aber den Jungs die Entscheidung. Und die bestanden drauf. Vor allem wegen Skanderbeg.

Also haben wir es, nach einer ausgiebigen Burek-Stärkung, ins Nationale Geschichtsmuseum gewagt. Vorweg: Das Highlight befindet sich eindeutig bereits an der Fassade des Gebäudes: Das 11 Meter hohe und 40 Meter lange Mosaik „Albanien“, das Albaner aus unterschiedlichen Epochen darstellt. Vorweg eine Frau. Sie stellt „Mutter Albanien“ mit Gewehr dar. Als Zeichen des mütterlichen Schutz für alle Albaner in Verbindung mit dem ewigen Kampf, den Albanien in seiner Geschichte führen musste. Kommunistisch geprägte Geschichtsauslegung. Trotzdem absolut beeindruckend.

Historisches Nationalmuseum Tirana AlbanienMosaik am Nationalmuseum in Tirana Albanien

Drinnen war es ein Museum der klassischen Art. Viele Ausstellungsstücke, viel Text und Täfelchen. Sicher toll, besonders was die wohl sehr bedeutenden Artefakte der Antike anbelangt. Ansonsten schon eher was für tiefgründigere Geschichtseinsteiger als wir es waren. Für 200 Lek, also 1,50 Euro pro Erwachsenem ist wirklich was geboten. Wenn Ruhe und Muße und Durchhaltevermögen gegeben sind, kann man dort sicher noch mehr „rausholen“ als wir es taten. Im geistigen Sinne. Kaspar hätte gerne die Replik von Skanderbegs Säbel gehabt. Aber den gab es nicht. Stattdessen gab es Ermüdungserscheinungen bei Jung und Alt. Irgendwann waren wir einfach zahlen- und informationstechnisch gesättigt. Dennoch eine Empfehlung, speziell für schon etwas ältere Kids.

Walking Tirana Albanien – und Xavers erste Schritte

Tirana mit Kindern ist wirklich prima zum Herumlaufen, zum Erobern der Stadt auf Füßen geeignet. Nicht nur am Skanderbeg Platz herrscht Platz. Auch sonst viel viel Grünflächen und Parks, viele Bäume, Alleen und damit Schatten. Speziell entlang der alten Stadtmauer. Fußgängerzone, viel Platz, tolle Atmosphäre zwischen alten Cafés, Hipster-Bars, Museen und Kleinkunst- wie sonstigen Theatern.  Spazieren in der Altstadt von Tirana Albanien

Wenn wir von „City-Stapfing Tirana Albanien“ sprechen, war es für einen der 6inaVan Crew zusätzlich etwas Besonderes: Xaver vollbrachte hier praktisch seine ersten Schritte. Gut, vielleicht nicht die Allerersten. Aber die folgenden Hundert. Das erste Mal unterwegs auf eigenen Füßen. Und das beim City-Stapfing WederStyle. Tirana hat sich für ihn dabei voll ausgezahlt. Der Platz und die breiten Gehwege erlaubten ihm ein wahrlich ausgiebiges Lauf-Training.

Nur für uns als Eltern wurde es gegen Ende des Tages dann ein wenig mühsam. Denn wer laufen kann, der will auch laufen. Und plötzlich erscheint der Buggy nicht mehr so verlockend wie früher. Nein, da will ich nicht mehr rein – so seine Meinung, die er dann schon einmal etwas lauter kund tat. In der Stadt nicht das Thema. Im Historischen Nationalmuseum eher schon. Nicht nur, weil es plötzlich laut wird. Sondern auch, weil wir als Eltern dort schneller hinterher müssen. Wollen ja nicht, dass die schönen und sicher teuren Exponate berührt werden. Oder gar kaputt gehen. Wie lautete noch einmal das Zauberwort, mit dem einem Kraken-Arme wachsen?Weders mit Spaß in Tirana Albanien

Wahrlich angekommen

Aber jeder noch so laute Anfall in Tirana war spätestens vorbei, wenn die Handbremse angezogen wurde am Abend. Auf dem Campingidyll Camping Tirana. Welch Überraschung war das beim ersten Mal. Die Anfahrt abenteuerlich. Ein einfaches, braunes Schild war es, das uns von der Autobahn ab Richtung „Camping Tirana“ führte. Urplötzlich tauchte es auf, das, was als Abfahrt gekennzeichnet war. Mehr ein Sträßchen als eine Abfahrt. Und das trotz Mega-Einkaufszentrum, das mehr oder weniger komplett leer war, sowie dem neu errichtetem Wasservergnügungspark, der leider erst nach unserer Abreise eröffnen sollte. Zum Glück hatte uns unser Navi vorgewarnt, sonst hätten wir die Abzweigung sicher verpasst.

Genauso abenteuerlich wie die Abfahrt ging die Anfahrt zum Campingplatz weiter. Vorbei an ein paar Industriebetrieben und einem kleinen Lädchen in so etwas wie einem Dorf ins Nirgendwo. Scheinbar. Die letzten Meter hoch und runter auf Schotter. Und dann tat er sich auf. Der See. Und dazu der Platz, der für zwei Nächte uns gehören sollte. Der Schönste, der Gemütlichste der gesamten Tour. Nicht groß, aber großartig. Nicht teuer, aber kostbar. Hier wurden sie fortgesetzt, die Wasserspiele aus Tirana. Und das in einer neuen, ganz besonderen Art. Mit breitem Grinsen und frohem Herzen hinein in die Pracht des Lebens. Nicht nur mit einem Hüpfer, sondern mit einer grandiosen Arschbombe. Anders als Tirana. Wir waren angekommen.

WEdervan am Camping Tirana CampingplatzSee beim Camping Tirana AlbanienSprung in den See bei Camping Tirana Albanien

Unsere Route, #CEEtour17, Etappe 10:

Tirana mit Kindern. Bunt, lebhaft, grün. Eine Stadt im Aufbruch. Spürbar. Und ein Spielplatz für Kinder. Ein 6inaVan Erlebnisbericht.

Tirana im WederCheck
Spannende MischungImmer ein Lächeln im Gesichtweltoffenes Flair
Platz noch nicht gefundenArmut
7.3gesamt
Sehenswürdigkeiten8.1
Kinderfreundlichkeit7.7
Infrastruktur6
Versorgung6.9
Kosten8
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