neunzehn − zwölf =

11 + neunzehn =

Mit einem Kribbeln im Bauch machten wir uns von Skopje aus auf in den Kosovo. Krisenregion! Krieg! So hatten wir das im Ohr. Ist das überhaupt ein Urlaubsziel? Gibt es überhaupt in Pristina Sehenswürdigkeiten? Eine Tourismusregion? Naja. Vergessen wir das mal schnell wieder. Wir sind ja auch keine wirklichen Touristen. Eher Reisende. Wir wollen die weißen Flecken auf der Landkarte und vor allem die in unserem Kopf ausfüllen. Wir wollen Europa besser verstehen. Und sehen, wie es wirklich ist. Also los, wir haben keine Angst in den Hosen! Auf nach Pristina, der Hauptstadt des Balkan-Kleinstaates!

Franzisca, Kaspar und Emil in Pristina vor der Universität

Über die (eigenen) Grenzen gehen

Irgendwie bündelten sich an diesem regnerischen Morgen in Skopje Nervosität und Sorge. Die Sorge, die uns schon bei der Planung der #CEEtour17 beschlichen hat. Ist das mit dem Kosovo nicht ein zu großes Wagnis? Vor allem mit den Kids? Für den Norden des Landes Reisewarnung vom Auswärtigen Amt. Und kommen wir da überhaupt rein? Von Serbien aus schien es laut Online-Quellen quasi unmöglich. Der Grund: Der Kosovo wird nicht als autonomer Staat von Serbien anerkannt.

Die Kinder spüren natürlich sofort, wenn wir unsicher sind. Sie spiegeln es uns mit Gezanke, totaler Verweigerung und Geschrei wider. Nervös, kribbelig und ziemlich gereizt reihten wir uns also ein in die kurze Warteschlange vor der Mazedonisch-Kosovarischen Grenze bei Blace. Die war früher während Kriegszeiten eine bedeutende Flüchtlingsroute. Der Grenzbeamte war leider nicht minder gereizt als wir. Die Stimmung gerettet haben nur die zahlreichen Hochzeitsgesellschaften, die die Grenze in beiden Richtungen mit Gehupe in ihren Mercedes- und BMW-Kolonnen dies- und jenseits der Schranken passierten. Und dann waren wir auch schon drin, im Land Kosovo. Vielmehr in einem dichten Wald. Zu sehen waren darin neben vereinzelten KFOR-Fahrzeugen nur die Maschinen für die großangelegten Rodungen und Vorbereitungen für den Autobahnbau.

Einfahrt nach Pristina

Kurz vor der Hauptstadt kommt dann nochmal ein tatsächliches Stück Autobahn. Lustigerweise sind verschiedene Ausfahrten beschildert, die aber noch gar nicht gebaut sind. Noch schnell vorbei an einem gigantisch und skurril anmutenden Einkaufszentrum inklusive Cineplexx. Dann waren wir schon mittendrin in der lebendigen Stadt. Eine bunte Mischung aus wenigen Touristen, vielen Kindern, vereinzelten Soldaten. Und vielen Delegierten diverser EU- oder anderer nationaler Institutionen, die in schicken Cafés in der Innenstadt Ihre Meetings abhalten, während der Muezzin von oben zum Mittagsgebet einlädt.

Fußgängerzone in Pristina Kosovo

Pristina Sehenswürdigkeiten: Legosteine und Rasenmäher

Nachdem wir das Auto auf einem feinen selbstorganisierten, öffentlich-privaten Parkplatz einem netten Herrn mit dunklen Augen, einer Kapuze über dem Kopf und einem zerrissenen Man-Purse überlassen hatten, gab es die ersten Heimatgefühle. Die nehmen ja Euro, so die Großen. Da gibt es Lego, so die Kleinen. Nein, größer. Nun war unsere sorgenvolle, gereizte Stimmung endgültig einem neugierigen, fröhlichen Kribbeln gewichen. Rechts das muslimische Viertel mit einem Minarett neben dem anderen, links der Riesenbauklotz und die Fußgängerzone – ratet mal, wo wir zuerst hingegangen sind…

Legobaustein, eine der wichtigen Pristina Sehenswürdigkeiten für die Kindern

Neben dem Legobaustein waren die Highlights für die Kids in der Innenstadt vor allem der rote Teppich, der zu Ehren des Filmfestivals ausgerollt worden war, und der Springbrunnen. Pristina Sehenswürdigkeiten? Fehlanzeige. Soweit ist die Stadt einfach noch nicht. Aber das ist mit Kindern ja auch nicht weiter schlimm. Für Emil die Berühmteste, Spannendste und Interessanteste der Pristina Sehenswürdigkeiten: ein Rasenmäher!Wederjungs in Pristina Kosovo

6inavan in Pristina Kosovo

Schöner Schein und Baustellen

War am Anfang der Fußgängerzone der Riesen-Baustein, wartete quasi an dessen Ende eine Baustelle: die Mutter Teresa Kathedrale. Wir wussten ja, dass Mutter Teresa aus Skopje kommt. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass sie hier ihre eigene Kathedrale besitzt, die es zu Ehren ihres 20. Todestag sogar in unser „Regionalblatt“, die Kleine Zeitung, geschafft hat. Und diese sollte im September wiedereröffnet werden. War also fast fertig, und innen bis auf eine kleine Figur ganz „nackt“.

In der Mutter Teresa Kirche, eine der wenigen Pristina SehenswürdigkeitenMutter Teresa Kirche, eine der wenigen Pristina Sehenswürdigkeiten

So war das „Basteln“ an der Kirche selbst für die Kinder fast spannender als die Kirche und die Geschichte um Mutter Teresa umselbst. Von den „Rampen“-Brettern und den faszinierenden Baumaschinen wegzerren konnten wir sie dann aber mit einem Lockvogelangebot: Hinauf auf den Turm! Mit einem Lift geht es für einen Euro hinauf. Die Aussicht ist unbezahlbar.

Eine katholische Kirche, quasi nigelnagelneu, in einer Stadt voller ethnischer Konflikte zwischen Muslimen und Orthodoxen – das hat schon viele Protestaktionen hervorgerufen. Und tatsächlich: Von oben war das dichte Nebeneinander von Minaretten, Moscheen und orthodoxen Kirchenkuppeln gut zu sehen. Die zu Milosevic-Zeiten gebaute, aber nie zu Ende gebrachte serbisch-orthodoxe Christ-Erlöser-Kirche. Daneben das architektonische Aushängeschild, die Nationalbibliothek des Kosovo. Ein Sinnbild für diesen Kampf. Die Mutter-Teresa-Kathedrale als „Symbol der Religionen-Harmonie“ erscheint mir hier daher eher als Utopie!

Übersicht über Pristina

Gitterwerk und Kirchentorso

Auf dem Rückweg von der weißen Kathedrale zum Auto gab es nicht nur den besten Dürüm der ganzen Fahrt. So richtig schön soggy und triefend vor Käse und Öl. Sondern auch das absolute Highlight der Pristina Sehenswürdigkeiten, wenn man welche benennen müsste: die Nationalbibliothek des Kosovo. Faszinierend, irgendwie bekannt. Und dann doch eine Herausforderung für das Auge, wollte man sie als Ganzes erfassen. In meinen Gedanken bin ich eher bei den kaputten, von überfüllten Mülltonnen eingerahmten Universitätsgebäuden hängen geblieben, die die Bibliothek quasi einrahmen. Dennoch war der große Platz um die Bibliothek herum faszinierend – und faszinierend leer.

Nationalbibliothek des Kosovo, eine der wenigen Pristina Sehenswürdigkeiten

Wo waren die Studierenden? Wo Touristen? Ach ja, Pristina ist ja eigentlich kein Urlaubsort. Deutlich wurde das vor allem an der steinernen Hülle einer orthodoxen Kirche hinter der Bibliothek. Nicht nur vom Turmblick von oben, sondern auch von unten.Nationalbibliothek des Kosovo, eine der wenigen Pristina Sehenswürdigkeiten

Der Kirchentorso trägt nicht nur die Zeichen des Krieges. Er ist Ausdruck der ethnischen Konflikte. Der Spannungen zwischen dem von albanischen Kosovaren dominierten Staat, der serbischen Minderheit und eben Serbien selbst. Dies war noch deutlicher zu spüren, als wir auf dem Rückweg nach Skopje noch beim Kloster Gračanica hielten. Ein UNESCO-Weltkulturerbe als wichtigste der Pristina Sehenswürdigkeiten, quasi in einem Vorort? Die serbisch-orthodoxe Kirche jedenfalls liegt in einem kleinen grünen Park. Soweit, so normal. Um diesen herum jedoch türmt sich eine hohe Mauer, inklusive Stacheldraht-Garnierung. So wird das Kloster von der Außenwelt und entsprechenden An- und Übergriffen geschützt. Verrückt.Kloster Gračanica als eine der wichtigsten Pristina Sehenswürdigkeiten

Fazit Pristina

Pristina und der Kosovo, was soll ich sagen. Seit einigen Monaten wachsen die Spannungen zwischen den Ethnien wieder. Die USA als Schutzmacht hat derzeit auch andere Probleme. Die Präsenz der EU hingegen ist zwar vor allem in der Innenstadt zu spüren – deutsche Autos, KFOR-Truppen, schicke Delegierte. Doch sorgen diese „Friedenstruppen“ wirklich für Ruhe in der Region?

Das Denkmal der Brüderlichkeit und Einheit in Pristina sagt Ja. Das Kloster, in seiner Abgeschiedenheit, und dem Stacheldraht drumherum sagt nein.Denkmal der Brüderlichkeit und Einheit, eine der wenigen Pristina Sehenswürdigkeiten

Auch unser Abstecher in das muslimische Viertel der Kosovarischen Hauptstadt hat gezeigt, das Pristina viele Gesichter hat. Alt und neu. Westlich und östlich. H&M und Hijab-Laden. Und alles nebeneinander. Wir haben im Auto auf dem Rückweg nach Skopje noch viel mit den Kindern über unsere Eindrücke gesprochen. Und die Kinder die im Land sichtbaren Unterschiede benennen lassen.

Denn noch viel deutlicher werden diese außerhalb Pristinas. Zwischen den zahlreichen Reifen- und Autohändlern immer wieder pink, silber und regenbogenglitzernde „Mini-Triumphbögen“ und Säulen im altrömischen Kitschprunkstil. Sie sind der Eingang zu Hochzeitslocations. Eigentlich aus unserer Sicht wohl als Baracken zu bezeichnen. Jedoch herausgeputzt und auf modern gemacht. Und das Ganze eingerahmt in ein Straßenbild von Rohbauten, Holzhütten und den Melonen-Ständen rundherum. Skurril.

Kurz gesagt: Der Tagestrip nach Pristina hat sich sehr gelohnt! Vor allem weil sich wohl an keinem anderen Ort so gut wahrnehmen lässt, wie wenig sortiert und wie sehr in Veränderung und im Aufbruch begriffen diese Länder (noch) sind. Die Länder, die wir als „Balkan“ bezeichnen.

Unsere Route, #CEEtour17, Etappe 5:

Pristina mit Kindern. Die Hauptstadt des Kosovo. Immer noch gefangen in den Zwängen unterschiedlicher Kulturen und Völker. Ein 6inaVan Erlebnisbericht.

Pristina im WederCheck
Emotionale IntensitätVielseitigkeit
Verkehrschaosspürbare ethnische Konflikte
6.6gesamt
Sehenswürdigkeiten5.3
Kinderfreundlichkeit7.1
Infrastruktur5.6
Versorgung7
Kosten7.8
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