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Wer (noch) nicht weiß, wie WederVaning funktioniert, wer nicht weiß, wie wir sechs Weders roadtrippen, der muss sich einfach nur den ersten Tag unserer #CEEtour17 anschauen. Ein Paradebeispiel aus dem 6inaVan-Lehrbuch. Alles dabei, was unsere Art des Reisens ausmacht. Mit viel „mal los“, „mal schauen“ und „immer der Nase nach“. Mit vielen Kilometern, mit Fußball und ein paar auf der Strecke geopferten Nerven. Und mit Glück, mit einer denkwürdigen Betonblume in Jasenovac und einem phänomenalem, idyllischem Ende, Exklusiv-Camping, Josef-Geschichten und „Xava inda Sava“.  Aber immer der Reihe nach…

Camp Zelen-Gaj bei Josef an der Sava

Stolperstart mit Stoßgebeten

Wir sind schon so Helden. Manchmal mehr, manchmal weniger. Da haben wir vier Roadtrip im Wederschen Wohnmobil Wochen geplant, voll organisiert und durchdacht gepackt (Packlisten hier und hier) – und dann das. Clever wie wir sind, wollten wir vor der Tour noch einmal alle aktuellen Autodokumente und Pässe digitalisieren. Man weiß ja nie, was unterwegs passiert. Und dann die Überraschung: Julius Reisepass war abgelaufen. Vor drei Monaten. Und nur noch vier Tage bis zum Start der #CEEtour17. Als Deutscher. In Österreich.

Nach kurzer Panikattacke Übergang in den Action-Modus: Anrufen bei der Deutschen Botschaft in Wien, mit Nachdruck ganz lieb „Bittebitte“ sagen, notwendige Dokumente ausdrucken (die waren zum Glück schon digitalisiert), Passfotos machen, zur Uni flitzen und amtliche Beglaubigung holen, Termine umschmeißen, unruhig schlafen und am nächsten Tag auf mit Julius zum Honorarkonsulat der Bundesrepublik Deutschland nach Graz.

Dort vor Ort ging alles ganz flott. Noch einmal den Schwanz eingezogen, brav zugehört beim „Das geht eigentlich nicht, aber…“-Vortrag, Besserung gelobt, sich noch einmal eindrücklich bedankt – und weg waren die Unterlagen. Danach folgte ein Stoßgebet, ein Kopfschütteln über die Schusseligkeit und ein breiter Grinser. Und dann hieß es warten, mit gepacktem Van. Statt Abfahrt Samstag wurde es Dienstag, 11 Uhr. Unterschrift beim Postboten getätigt, rein in den VW Bus, noch einmal Stoßgebet, Kopfschütteln und Grinser, Weder-Rituale und ab. Endlich.

Kilometerfressen bei den Nachbarn

Als erstes Ziel hatten wir Belgrad ausgegeben. Rund 600 Kilometer von daheim entfernt liegt die serbische Hauptstadt, mit zwei Nicht-Schengen/EU-Grenzen und ungewisse Wartezeiten dazwischen. Dass wir dies von Klagenfurt aus nicht in einem Tag runterreißen werden, war uns klar. Was uns nicht klar war: Wo wir die Nacht verbringen. Da war es wieder, das „schau mer mal“. In Kombination mit hoher Abenteuermotivation und Lust auf Kilometerfressen eine toxische Mischung, wie sich später noch herausstellen sollte.

Der Loibl-Pass und Slowenien jedenfalls lag schnell hinter uns – gute Autobahnen und Mittags-schlafende Kinder sei Dank. Erster Stopp nach rund 3 Stunden gleich hinter der Grenze in Kroatien. Beine vertreten, Kicken, Magen füllen. Eigentlich normal für uns, ja wenn wir nicht erst um 11 Uhr aus Klagenfurt losgekommen wären. Hieß für Tages-Etappe 2: Schon kurz nach Zagreb die erste Missstimmung im Camper. Die Lust auf noch mehr Kilometer bei den Kids enden wollend. Und wir immer noch ohne Plan für die Nacht, aber mit dem inneren Wunsch, noch ein wenig weiter zu kommen. Entgegen unseres gelernten, auf die Kinderstimmung abgestimmten Fahrrythmus mit Strecke am Morgen und Chillen am Nachmittag. Stopp am Weg zur Sava

Jasenovac: Betonblume mit Tiefgang

Ja, schimpft mit uns. Wir haben uns selbst auch schon an den Pranger gestellt deshalb. Aber wir haben noch ein wenig auf das Gaspedal gedrückt. Ihr wisst: die toxische Mischung. Nötig war viel Animation im Innenraum durch Franzisca. Genau so lange, bis es wirklich nicht mehr ging. Raus aus dem depperten Kindersitz – das war alles, was Xaver an diesem Tag noch wollte. Also WederVan nächste Ausfahrt raus. Unwissend, wo wir landen würden. Ausschau haltend nach einem Campingplatz-Schild. Wie wir feststellen mussten gerade im Osten Kroatien eine Rarität.

Xaver also war Schuld an unserem Glück. Glück in Form von Schildern, die uns nicht nur zum Naturpark Lonjsko Polje führten, sondern auch zu einem architektonischem „Jugo-Optik-Meisterwerk“ mit tiefgehender Bedeutung: die steinerne Blume von Jasenovac, einem 1966 errichteten Mahnmal, das an die Greueltaten und Morde im dort angesiedelten Konzentrationslager, an Serben, Juden und Roma im Zweiten Weltkrieg erinnert. So spannend die Optik, so erdrückend die Geschichte dazu, die neben der „Betonblume“ im Museum in Jasenovac aufgearbeitet wird (in dem wir selbst aber nicht waren).

Geschichte zum Anfassen für ein friedliches Miteinander

Wie viel die Kinder wirklich von dieser Dimension an Scheußlichkeiten begreifen, wissen wir nicht. Aber es ist uns wichtig, ihnen Geschichte über solche Monumente, über Bauwerke und Museen greifbar zu machen. Und ich nehme es vorweg: Es sollte nicht die einzige bedrückende, beklemmende Begegnung mit der langen, lebendigen Historie des Balkans bleiben. So nah, und doch so weit weg.

Jasenovac Holocaust Memorial

Jasenovac Holocaust Memorial

Von der Jasenovac Memorial Website:

„Jasenovac is a place in which visitors will discover the exceptional suffering and incredible courage of the Jasenovac victims, but also learn of the strength of hope in life and faith in humankind…Jasenovac is a place from which we should all depart having reached the decision that evil and the “Jasenovac” crimes should never be repeated, anywhere. Differences between peoples, cultures and nationalities should be respected, communicated and taught, and never again allowed to be the causes of crimes against humanity.“

Kaspar und Xaver beim Jasenovac Holocaust Memorial

Zigarettenschmuggel-Geschichten an der Sava: Meet Josef!

Mit Josef von Zelen-Gaj an der Sava

Kennt ihr Josef? Wir kannten ihn auch nicht. Bis wir am Campingplatz Zelen-Gaj in Lonja ankamen. Kein einfacher Weg dorthin mit überdrehten, hungrigen Weder-Kids und engen Straßen mit fast durchgehend 40er-Beschränkung. Da zieht sich dann jeder Kilometer. Insbesondere, wenn nicht klar, ob der Campingplatz überhaupt existiert oder offen hat, da keiner auf unsere Anrufe reagiert hatte. Wäre uns aber letztendlich egal gewesen. Denn der Weg war schön und überraschend: Gesäumt von Baumalleen tauchen im Nationalpark immer wieder kleine Dörfer auf. Dörfer, wo man meinen könnte, die Zeit wäre stehengeblieben. Mit Sava-Charme,  Störchennestern, kleinen, gemütlichen Restaurants, Booten und Kanus. Und Kurven, die zum Freistehen förmlich einladen. Wollten wir aber nicht nach einem solchen Tag. Dennoch schade, dass wir all die Natur nicht wirklich ausgiebig genießen konnten. Der Fokus lag aber in dem Moment auf der Suche nach einem ruhigen, sicheren Platz zum Übernachten, mit Klos und Duschen.

Häuschen an der SavaStörche an der Sava

Und der kam. Lonja. Das Campingplatz-Schild. Und eine große Erleichterung, als ich den Motor des WederVans abstellen konnte. Die erste Nacht unserer #CEEtour17 – und dann das: Exklusiv-Camping nur für uns. Keiner da. Bis eben auf ihn, Josef. Er kümmert sich um die Gäste auf diesem kleinen Campingplatz, der eingebettet von Bäumen und weiten Weiden mit Pferden und Kühen liegt. In unserem Fall mit viel Herz, einer großen Flasche mazedonischen Wein mit dem klingenden Namen „Venus“ und unzähligen Geschichten.

Geschichten zu diesem idyllischen Fleckchen Erde am Fluss Sava (oder Save in deutsch). Über den Campingplatz und den Nationalpark rundherum. Über das Leben an der Grenze, Zigarettenschmuggel und tolerantem Grenzverkehr. Geschichten zur Familie, die nun in Zagreb lebt. Alles aus seinem bunten Leben, dass ihn auch zum Arbeiten nach Deutschland geführt hatte. Geschichten, erzählt mit ein paar Brocken deutsch von damals, mit Fingern, mit ganz viel Gestik und leuchtenden, freundlichen Augen. Am Campingplatz Zelen-Gaj

Bad im Fluss

Zum Abschluss des Tages, als die Sonne langsam unterging, nahm er sich noch die Zeit, uns auf einen kleinen Spaziergang zur Sava zu begleiten. Über die Straße, die Böschung hinab in eine kleine Bucht. Für die Kinder die willkommene Abwechslung nach dem WederVaning. Runter mit den Klamotten, rein in die erfrischenden Fluten. Matschig? Wurst. Keine Badesachen? Egal. Und mittendrin unser Kleinster. Oder kurz „Xava inda Sava“. Pitschnass und mit vollgesaugter Windel, und mit dem klassischen Xaver-Grinser im Gesicht.Xaver in der Sava

Richtig esoterisch und abergläubisch sind wir eigentlich nicht unterwegs. Vielleicht ein wenig angehaucht, aber das war es schon. In diesem Fall aber glauben wir daran, dass Josef, die Betonblume Jasenovac und der Sava-Abschluss an diesem idyllischen Fleck nach einem wahrlich stressigen und von Kilometermachen geprägten Tag 1 unseres Roadtrips mehr als nur Zufall war. Im Nachhinein betrachtet waren Josef und die Sava für uns ein Vorbote für all das, was uns in den kommenden Wochen noch mehrfach begegnen sollte: Wahnsinnig herzliche Gastfreundschaft, offene Menschen und einzigartige Natur.

Unsere Route, #CEEtour17, Tag 1

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