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Er ist die Mutter. Die Mutter aller WederVans. Aller, die sind. Und aller, die es in Zukunft noch geben wird. Zugegeben, als kleines Kind habe ich mit meiner Familie einmal in einem Wohnmobil Bayern erkundet, aber das zählt für mich irgendwie nicht. Schließlich dauerte es noch mehr als 20 Jahre bis zu ihm. Stan, unser erster eigener WederVan. Der Erreger, der uns mit dem Van-Virus befallen hat. Ein Nissan Largo Highway Star. Oder ganz einfach Stan the Van, wie wir ihn getauft hatten.

Stan the Van in Neuseeland - unser Nissan Largo Highway StarAllein der Name sagt viel. Fand ich es früher eher kindisch, seinem Auto einen Namen zu geben, war dies der Inbegriff der Auto-Liebe auf den ersten Blick. Kein rassiger Spanier, kein funktionaler Deutscher, kein Olala-Franzose. Nein, ein Japaner war es, der uns den Benzin-Kopf verdrehte. Stan war ein 1997er Nissan Largo Highway Star, 2,4 Liter, 8 Sitzer, zwei Tonnen Gewicht. Hatte ein wenig (Öl-)Blasenschwäche, hin und wieder rauchten die Bremsen, wenn es lange bergab ging, und eine neue Hinterachse haben wir ihm auch spendiert. Sonst aber treuer Begleiter über Tausende Kilometer hinweg. Hey, darüber sieht man doch locker hinweg, wenn so viel Beachboy-Flair geboten wird.

Irgendwie auktionär

2011 wurde Stan Familienmitglied. In Neuseeland. Ein Jahr war das Land der Kiwis und Rugby-Enthusiasten unsere Heimat. Hamilton hieß die Stadt in der Region Waikato, in der wir unsere Zelte aufschlugen. Und klar, dass ein fahrbarer Untersatz her musste. Und was machen wir? Nach zwei Wochen Mietwagen für den Start des Auswanderns auf Zeit machen wir einen auf oberdrübercool und gehen nicht zum Autohändler unserer Wahl, sondern zu einem Auto-Auktionator. Turners in unserem Fall.

Die Szenerie jedenfalls war gesetzt wie für eine (bestimmt erfolgreiche) RTL II– oder VOX-Vorabendserie, Titel: Die Superschnäppchen – Deutsche kaufen ein Auto. Oder so. Lauter rostige Lauben und verbeulte Straßenhüpfer standen in einer riesigen, nach Öl und Benzin riechenden Flugzeughalle. Stoßstange an Stoßstange. Die meisten hätten den Pickerl-Prüfern in Österreich wohl höchstens schallendes Gelächter, aber niemals die Zulassung entlockt.

Erfahren, wie wir mit Autos waren (wir konnten fahren), gingen wir „All In“. Keine Probefahrt, keiner – wie in vielen Online-Foren empfohlener – Vor-Kauf-Check bei neutralen TÜV-Stellen. Autos in der Halle angeschaut, Probe gesessen, zwei, drei für Weder-kompatibel erklärt, und sich registriert für die Auktion.

Dann ging es los: Bewaffnet mit einer Nummer am Stiel und mit den damals noch zwei Jungs eingezwängt in die provisorisch und irgendwie lieblos aufgestellten Plastik-Klappsitz-Reihen saßen wir da. Nervös und cool gleichermaßen. Zwischen professionellen Autoverkäufern, die dort zum Inventar zu gehören scheinen, und einem einzigen weiteren Touristenpärchen. Auf was hatten wir uns da nur eingelassen? Der Ahnungslosigkeit und Spannung jedoch folgte Hochgefühl: Nach maschinengewehrartigem Herzschlag beim Aufruf von Stan, einem eiskalten Pokerface und ein, zwei Preistreibe-Scharmützel mit einem der „echten Auktionsprofis“ war Stan the Van unser.

Unser Nissan Largo: Familienmitglied aus Stahl

Ob es objektiv betrachtet ein Schnäppchen war, kann ich – auch unter Berücksichtigung der gesamten Reparaturkosten, die in Neuseeland bei weitem nicht die europäischen Ausmaße haben – nicht mehr wirklich sagen. Soweit ich mich erinnere, haben wir rund 4.000 Neuseeland-Dollar, also ein wenig mehr als 2.500 Euro, für Stan berappen müssen. Für so viel coolen Stahl auf vier Rädern sicher in Ordnung. Und wenn du wirklich etwas heiß und innig liebst, wie das bei uns und Stan der Fall war, dann ist das sowieso nicht mit Geld aufzuwiegen.

Stan war ja kein einfacher Van. Stan war Familienmitglied. Begleiter nicht nur bei den täglichen Fahrten zur Arbeit, wo Franzisca dieses Auslandsjahr an der University of Waikato arbeitete, sondern auch beim ausführlichen Erkunden der beiden neuseeländischen Inseln.

Unser Nissan Largo Highway Star mit Regenbogen

Und eigentlich war Stan ja kein Wohnmobil. Bis wir ihn dazu gemacht haben. Wir funktionierten ihn einfach in einen Campervan um. Was bei uns soviel hieß wie Bettzeug mitnehmen, Sitze umklappen, los geht’s. Daran hat sich bis heute nicht so viel geändert. Zugegebenermaßen war es damals schon etwas leichter. Stan musste „nur“ vier Leute schlucken. Davon zwei Jungs, die noch klein waren. Und vor allem zwei Jungs, die noch quer in den Wagen passten. In den Bauch der Mutter aller WederVans.Schlafen im Nissan Largo Highway Star

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Er war unser Start ins Vanlife. Stan the Van, ein Nissan Largo Highway Star. Unser Begleiter in einem Jahr Neuseeland. Nicht einfach gekauft, sondern ersteigert. Ein 6inaVan Erlebnisbericht von einem stählernen Familienmitglied.

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