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zwei + sechzehn =

Was hätten wir alles machen können in Montenegro: Küste, Strand, Berge, Städte, Burgen, Klöster. Was wir im Vorfeld vom kleinen Land zwischen Albanien und Kroatien gehört hatten, war einladend. Wir wollten relaxen und kurven, ruhig machen auf dem Weg retour und gleichzeitig entdecken. Doch dann kam alles anders. Anfang August mit dem Wohnmobil nach Montenegro ist keine gute Idee. Zumindest nicht, wenn hinter einem gerade ruhige, fast leere Strände und gemütliche Tage in Albanien liegen. Wir wurden förmlich abgeschreckt. Innerlich vertrieben. Von Touristenmassen. Hat überhaupt nicht gepasst. So wurde auch einem „was wir alles gemacht“ ein „was wir alles nicht gemacht haben“. Ein 6inaVan-Durchfahrtsbericht zu einem Land, das sicher noch viel, viel mehr zu bieten gehabt hätte.Mit dem Wohnmobil nach Montenegro

Mit dem Wohnmobil nach Montenegro – durch Montenegro

Eigentlich hätten wir es uns wohl schon bei der Einreise denken können, dass viel los sein wird: An keiner Grenze auf unserer gesamten #CEEtour17 standen wir so lange wie zwischen Albanien und dem kleinen Land mit der schicken dunkelroten Flagge und dem goldenen Doppelkopfadler. Und das, an einem der kleineren Grenzübergänge ganz im Süden. Dabei hatten wir uns nach langem Ringen dazu entschieden, das tolle Albanien hinter uns zu lassen und dieses Land möglichst rasch und direkt kennen zu lernen. Kleines Land, und in Sachen Natur mit Vorschusslorbeeren ausgestattet. Das könnte für die Six in a Van-Gang passen.

Dafür brachten wir „Tour-Opfer“: Shkodra ließen wir links liegen. So sehr wir Burgen auch lieben, schienen unsere diesbezüglichen Rittergene mit Kruja, Gjirokastra und Berat irgendwie akut aufgebraucht. Ebenfalls nicht auf unserer Route: Podgorica, die Hauptstadt Montenegros, die laut Führer nicht gerade mit großen Sehenswürdigkeiten lockt, sowie der Koman-See im Nordosten Albaniens. Letzteres tat uns schon irgendwie weh.  Gerade die die Bootstour mit der Koman-Fähre dort steht bei mindestens jedem zweiten Albanien-Bericht als einer der Must-Dos ganz weit oben. So soll die Tour mit einer Szenerie wie in den norwegischen Fjorden belohnen. Hätten wir noch mehr Zeit gehabt und Kinder, die ein paar Stunden mal ruhig sitzend Landschaft glotzen, wären wir wohl hingefahren. So haben wir uns dann doch mit den auch online existierenden, wenn auch wenigen Kommentaren hinweggetröstet, die die Koman-Fähre dort als „Touri-Abzocke“ und „jo eh ganz nett, aber…“ beschrieben. Klassisch schönreden halt.An Shkodra vorbei mit dem Wohnmobil nach Montenegro

Sveti Stefan & Budva – Luxus & Sardinenbüchse

Navigation mit dem Wohnmobil nach Montenegro

Nach der Grenze waren wir in Montenegro jedoch schnell wieder in dem Element, nach dem wir uns sehnten: Kleine Straßen, süße, kleine Dörfer, einsame Gegenden. Bis, ja bis die Fahrt im Landesinneren endete und die Küste rief. Aber es war nicht mehr weit bis Sveti Stefan. In das Monaco Montenegros. Das hier vor der Küste liegende, sehr idyllische Fischerdorf mit angeschlossenem Inselchen (oder anders herum) ist besetzt von der High-Society des Ostens. Nicht unseres. Wir schlugen unsere Zelte gleich nach der Ortsgrenze auf dem recht einfach ausgestatteten „Klettercampingplatz“ Avto Camp Crvena Glavica mit herausfordernder Einfahrt an der stark abfallenden Küste auf.

Soweit so ok. Doch dann der Fehler, der Montenegro aller Träume beraubte, mehr von den Weders zu erleben: eine abendliche Erkundungsmission in die nächst größere Stadt, nach Budva. Das Ziel: Euro holen, Proviant auffüllen, Tanken. Was als kleiner Ausflug mit Kaspar begann, endete mit offenen Mündern und sommerlichen Teutonengrill-Gefühlen. Touristenmassen, ja Massen, strömten über die Zebrastreifen und Ampeln der Hauptstraße vom Strand Richtung Hotels zurück. Bewaffnet mit Strandtaschen, Keschern und Luftmatratzen. Beim Blick auf die Strände kein besseres Bild: Sardinenbüchsen-Feeling und Handtuch an Handtuch, Sonnenschirm an Sonnenschirm. Immer noch. Trotz bereits besagter Strandflucht.  Und hier wollen wir morgen hin?

Nein, hier wollen wir morgen nicht hin. Sorry, Montenegro. Machen wir nicht. Da lockt auch nicht der Aquapark, da lockt auch nicht die wirklich geniale Küstenlandschaft. Du wirst Drive-through-Country. Und die Gedanken schweiften weiter: Wenn das hier schon so ausschaut mit Touristen, wie wird es dann an der Küste in Kroatien sein. Also tagte der Familienrat in einem kleinen, idyllisches Restaurant am unteren Strand-Ende unseres Campingplatzes, das, na logisch, genauso hieß, Crvena Glavica. Ein Highlight, besonders im Vergleich zum doch eher bescheidenen Campingplatz. Die Entscheidung war einstimmig: Direkt nach Bosnien. Sorry, Dubrovnik, ein anderes Mal. Einzige Ausnahme: Kotor. Das passt, das nehmen wir auf dem Weg in den Norden noch mit. Und das taten wir dann auch.

Sveti Stefan in MontenegroSonnenuntergang in Sveti Stefan in Montenegro

Kotor – Kitsch und Katzen

Für uns war die Tour mit dem Wohnmobil nach Montenegro eigentlich nur eines: Kotor. Eine Stadt, wie sie im Touri-Lehrbuch steht. Venedig. Nur ohne Wasser und Gondeln. UNESCO-Kulturerbe. Zu recht. Mittelalterliche Altstadt, kleine Gässchen, viele kleine Shops und Cafés. Mit dem üblichen Kitsch. Nicht ganz so aufdringlich, wie in vergleichbaren Städten, aber da. Und immer mit Katze. Denn Katzen sind das inoffizielle Wahrzeichen der Stadt. Sie sind überall, in live und Bild. Sogar ein Katzenmuseum gibt es. Uns reichen die echten in der Innenstadt. Schwer genug, insbesondere Emil dazu zu bewegen, nach einer gefühlten Ewigkeit doch wieder ein paar Schritte weiter zu gehen.

Bunte Bänder in der Kotor Altstadt in MontenegroIn der Kotor Altstadt hängen Taschen mit KatzenbildernEmil mit Katze in Kotor Altstadt

Außerhalb der Stadtmauern Hafen, Jachten und die Ausflugsboote, die zu einer Tour in der gleichnamigen, pittoresken Bucht mit Meereszugang einladen. Und umgekehrt, denn wenn man richtig Pech hat, verirrt sich eines der dicken Kreuzfahrtschiffe in die Bucht. Und dann ist was los. Bei uns war keines da. Dennoch war alles voller Touristen, die sich in den Gässchen und auf dem Weg hoch zur Burg aber recht gut verliefen. Wir fühlten uns pudelwohl (um auch noch andere Tiere hier zu Wort kommen zu lassen). Und ja, natürlich war Kotor deshalb auch preislich durchaus angepasst an touristische Gepflogenheiten, was vor allem bei der Ausfahrt aus dem praktischen, weil nahen Hafen-Parkplatz besonders deutlich wurde.

Hafen von KotorKotor Altstadt mit Kirchen und Restaurants

Xaver in der Kotor Altstadt

Montenegro – und weg

Na bitte, da ist ja doch etwas, was wir gemacht haben in Montenegro. Kotor. Immerhin. Sonst aber blieb es beim Tenor: „Mit dem Wohnmobil nach Montenegro, oder was wir alles nicht gemacht haben.“ Wobei uns das Land dann bei der Ausfahrt ja noch einmal eine ordentliche „Touri-Knackwatschn“ verpasst hat. Als ob es uns sagen wollte: „Das könnt Ihr mit uns nicht machen, Weders! Dageblieben!“

Die Fahrt durchs Binnenland in Richtung Bosnien war nämlich wirklich traumhaft. Entlang der Bucht von Kotor, hoch die Hügel dahinter mit herrlichem Ausblick, kleine, gewundene Straßen, um dann auf der anderen Seite der Grenze plötzlich mit einer Landschaft aufzuwarten, die berauschend war. Eine solche Weite, Steppen-ähnlich, in Grün gesprenkelt, rau und lieblich zugleich – das hätten wir hier, im Süden Bosniens, wirklich nicht erwartet. Am Ende des langen Tages, als Abschluss von Montenegro sozusagen, wurden wir dann mit dem kleinen Land doch noch irgendwie versöhnt: Der Campingplatz, an dem wir unseren WederVan abstellten, hieß „Heaven in Nature„. Wie wahr.

Blick auf die Bucht von Kotor

Fahrt von Kotor nach Bosnien

Kanufahrt bei Heaven in Nature Campingplatz Bosnien

Campingplatz Heaven in Nature

Unsere Route, #CEEtour17, Etappe 12:

Montenegro mit Kindern. Ein kleines Land, überfüllt mit Touristen im Sommer. Sveti Stefan und Kotor stechen heraus. Ein 6inaVan Erlebnisbericht.

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