zwei + 5 =

18 + achtzehn =

Ich bin mir sicher: Wenn Franzisca diesen Beitrag schreiben würde, er würde gänzlich anders ausfallen. Euphorisch. Begeistert. Glückseelig wohl. Sie hat eine besondere Nähe zu Neuseeland entwickelt. Aber sie schreibt ihn nicht. Ich schreibe ihn. Der Familien-Papa. Meinen persönlichen Rückblick auf ein Jahr in Neuseeland 2011/12. Auswandern nach Neuseeland auf Zeit.

Vieles war schön, lehrreich, bereichernd. Vieles aber auch nicht so, wie ich mir es gewünscht hätte. Ich, gefangen zwischen Ankommen, Arbeit, Kinderbetreuung, Leben und Reisen. Neuseeland im Rückspiegel. Was nicht passte, was unerwartet kam und was ich beim nächsten Mal anders machen würde.Neuseeland im Rückspiegel

Auswandern nach Neuseeland passte nicht

Sie kam wie das Amen in der Kirche. Diese eine Frage, nachdem wir nach einem Jahr Neuseeland wieder in österreichischen Gefilden gelandet waren: Warum seid ihr nicht dort geblieben? Die Antwort war einfach: Es hat nicht gepasst. Nicht im Wederschen Gesamtkonstrukt. Nicht als Familie. Und nicht für mich. Aus Gründen.Auswandern nach Neuseeland - für die Weders eine spannende Zeit

New World of Work

Ganz klar. Franzisca gab die Pace vor. Sie war es, die uns nach Neuseeland gebracht hatte. Sie war es, die über ihre Arbeit unser soziales Netz in Neuseeland knüpfte. Ich frei, ungebunden in der neu gewonnenen Selbständigkeit. Ich hätte es genießen können. Nein, sollen. Denn ich habe einen entscheidenden Fehler gemacht: Ich habe das Arbeitsleben in Österreich nicht losgelassen. Zumindest nicht ganz.

Heißt: Ich habe die wenigen Kunden, die ich hatte, von Neuseeland aus weiter betreut. War ja schließlich motiviert. Klang super: Wenn Arbeiten von Neuseeland klappt, dann geht das doch von überall. Ich, der digitale Nomade. Noch bevor der Begriff durch „Influencer“ und die „New World of Work“ so richtig hip wurde. Und ein wenig Geld kam obendrein auch noch rein. Ist doch herrlich. So dachte ich.

Job halb – und doch ganz

In Realität aber bedeutete das was anderes. Mein Neuseeland-Tagesablauf gestaltete sich etwa so: Aufstehen, Kids in den Kindergarten und Frau in die Uni fahren. Am Vormittag dann aufarbeiten, was über die Nacht angefallen war. Nachmittags Kinderbetreuung, Frau abholen, Spielen, Einkäufe & Co. Dann ab 21 Uhr „Mitteleuropa-Bereitschaft“. Wichtige Telefonate führen. Arbeiten als PRler halt. Und je nach Projektlage schon auch das eine oder andere Mal in die Nacht hinein.

Eigentlich hat das jobtechnisch prinzipiell gut funktioniert. Nur mein Kopf kam nicht mit. Und auf Dauer auch nicht mein Körper. Speziell auch bei unseren Urlaubswochen und der Erkundung der beiden Inseln. Der Job irgendwie immer dabei. Und ich nicht ganz beim Erleben, beim Entdecken, beim Urlauben.Im Van und im Gedanken beim Job - das war Auswandern nach Neuseeland für StefanErschwerend kam auch die Zeitspanne hinzu. Auswandern nach Neuseeland für ein Jahr würde ich ebenfalls so nicht mehr machen. Ein Jahr – zu lange, um in Österreich in einer so schnelllebigen Branche wie der PR noch dran zu bleiben. Ein Jahr – zu kurz, um in Neuseeland wirklich zu schauen, ob sich hier nicht selbst ein neues Berufsleben aufbauen lässt. Oder generell ein Leben ohne Ablaufdatum. So war es nicht Fisch, nicht Fleisch. Irgendwie Labskaus. Mag ich ja eigentlich am Teller. Nicht aber im Kopf.

Lebenshaltungskosten hoch

Neuseeland zu bereisen sei teuer. Heißt es. Unabhängig mal zum Preis, den man zahlen muss, um dort hin zu kommen. Aber es stimmt. Ich würde das bestätigen. Die Lebenshaltungskosten in Neuseeland kamen uns wirklich sehr hoch vor. Die abgeschiedene Insellage tut sicher das ihrige dazu. Schließlich müssen viele Dinge mühsam über See- oder Luftweg importiert werden. So soll, auf die Frage, warum die Bierpreise in Neuseeland so hoch seien, ein Wirtschaftskapitän einmal gesagt haben: „Weil die Leute bereit sind, so viel zu zahlen!“ Fair enough.

Wenn dazu allerdings die Verdienstmöglichkeiten eher schwach auf der Brust sind, ist das eine Mischung, die nicht gut ist. Oder auf Dauer nicht gut gehen kann? Jedenfalls kämpfte Neuseeland, als wir dort waren, gegen eine Emigration von Kiwis in Richtung Australien. Dort wurde für den gleichen Job oftmals das 3- bis 5-fache gezahlt, branchenabhängig. Dass Väter im Bergbau beispielsweise sechs Monate nach Australien gingen, um dort zu verdienen und mit dem Geld die restlichen Monate im Jahr bei der Familie daheim in Neuseeland zu bestreiten, war keine Seltenheit.

Uns jedenfalls hat uns das Auswandern nach Neuseeland ein großes Loch in die Wedersche Kasse gebrannt. Trotz Zusatzverdienst. Aber wir müssen auch zugeben: Wir hatten das als „Halbtouristen“ durchaus einkalkuliert. Und das „Spending“ der Neuseeland-Dollar auf unseren Reisen durch das Land war wirklich jeden Cent wert.

Unterschätze nicht das Wetter

Gut, dafür kann Neuseeland per se nichts. Das Wetter in „unserem“ Kiwi-Sommer 2011/2012 war eines für die Rekordbücher. Leider im negativen Sinne. Im Großteil der Nordinsel und um Hamilton herum gab es die wenigsten Sonnenstunden und die höchsten Regenfälle, seit dort entsprechende Wetterdaten aufgezeichnet werden. Seit 1936 beispielsweise in Sachen Sonnenstunden.

Was uns jedenfalls präsentiert wurde, war Inselwetter pur. Das Gefühl, dass es das ganze Jahr nur ein Wetter gibt. Tagsüber ein Mix aus Regen, Wind und zwischendrin auch mal Sonne. Irgendwie nicht schön, aber doch ganz nett so um die 19, 20 Grad. Nachts dafür einfach nur kalt. Jahreszeiten, Fehlanzeige. Auch dadurch unterstützt, dass Neuseeland nicht „riecht“, wie Franzisca es so schön ausdrückte: Keine Frühlingsfrische, kein Sommerlüftchen, kein Herbstmoder. So oder so, ich habe das Wetter unterschätzt. Und dessen Bedeutung auf unseren Gemütszustand.Schlechtes Wetter gehört in Neuseeland zum AlltagWas das für das nächste Mal Auswandern nach Neuseeland heißen würde, bin ich mir nicht ganz sicher. Das Wetter bestimmen, geht zum Glück noch nicht. Jetzt, wo ich aber weiß, wie es in Neuseeland ist und wie lange ich wirklich brauchte, um mich zu akklimatisieren, wäre vor allem meine Erwartungshaltung eine andere. Ich erinnere mich zurück: Im Juli 2011 reisten wir im Sommer aus Österreich ab. Mit der Hoffnung auf einen gleich anschließenden weiteren Sommer down under. Nur kam der nicht. Nicht wirklich. Nicht wie erwartet jedenfalls.

Grün, aber nicht pure

Echt Grün? So grün und echt es eben geht.Grüne Landschaften und Schafe in Neuseeland

Es ist der Slogan von Neuseelands Tourismus: 100% pure. Die Bilder dazu: Bergseen, weite, grüne Landschaften, Meer und Weite. Stimmt. Teilweise. Das Gesamtbild der grünen Insel muss aus meiner Sicht aber differenzierter betrachtet werden, als es die Touri-Bilder tun. Neuseeland ist grün, richtig. Aber vieles ist grün angelegt.

Land- und Holzwirtschaft sind die bestimmenden Faktoren. Wo „früherfrüher“ überall wilde Wälder standen, gibt es heute entweder die berühmten grünen Hügel, meist Weidefläche für die Schafe, oder wieder Bäume. Diese aber dann in Monokultur. Immer noch hübsch anzusehen. Aber eben nicht „pure“. Und wenn, dann auch heute schon hinter einem Nationalpark-Schild. Wobei daran erinnert sei: Das „früherfrüher“ ist ja noch gar nicht so lange her. Nur rund 250 Jahre. Als es losging, mit der Besiedlung von „Nova Zeelandia“ durch die Europäer.

Alles Auto. Und sonst?

Was zudem auch nicht auf den schönen Bildern zu sehen ist: Der schwache grüne Daumen der Kiwis. Würde ja auch das Bild der Reinheit trüben. Plastiksackerl überall – auch wenn das Bewusstsein hinsichtlich der Sackerl-Flut durchaus steigt.

Dazu auf den Straßen SUVs und „Ur-Alt-Kisten“, die europäischen TÜV-Prüfern maximal ein Schmunzeln, aber niemals ein „Pickerl“ abgerungen hätten. Die ganze Insel ist voll auf Autos ausgerichtet. Hat jeder, mindestens zwei. Wir hatten „nur“ Stan the Van. Wäre ich dort einem fixen Job nachgegangen, wir hätten wohl auch zwei benötigt.Neuseeland ist gänzlich auf Autos ausgelegtDas öffentliche Verkehrsnetz ist – mit Ausnahme Auckland vielleicht – schwach bis gar nicht vorhanden. Einen Zug gibt es von Nord nach Süd auf beiden Inseln. Mehr Sightseeing als regelmäßiger Transport, aber immerhin. Dazu ein paar Überland-Bus-Verbindungen. Aber das war es schon.

Auch Radler sind nichts, die das Bild von Neuseeland prägen. Innerhalb von Städten eine Rarität, außerhalb eine bedrohte Spezies. Zumal man auf zwei Rädern auch ziemlich verloren wäre. Eine Radtour mit Kindern wäre vom Adrenalin wohl knapp unter meinem Bungy-Sprung von der Kawarau Bridge angesiedelt. Radweg? Pah. Für die paar wenigen? Oder Abstand halten? Wozu?

Kaspar lernte dort dennoch das Radfahren. Sonst regiert jedoch das Auto. Was aber verwundert: Wenn schon alles Auto-fixiert, warum sind die Straßen dann so verhältnismäßig schlecht? Aber auch hier gibt es einen Vorteil: Durch das ständige Ruckeln und Hüpfen aufgrund der Unebenheiten sind die Kids auf unseren Touren meist doch recht schnell eingeschlafen.Radfahren in Neuseeland

Pure food? Kulinarik geht anders

Es war mir durchaus klar, dass Neuseeland international nicht gerade für seine kulinarischen Spezialitäten bekannt ist. Fleisch, am besten frisch vom Lamm oder Rind. Oder der eine oder andere Fisch am Meer. Aber sonst? Eine klare Grundregel kristallisierte sich heraus: Je weiter weg vom Grill, desto bäh. Oder anders: Je Neuseeland, desto Toast. Toast überall. Kiwi-Spezialität am Fingerfood-Buffet: Grüner Spargel in Toast. Beim Kinder-BBQ: Grillwürstl in Toast. Spezialität zu Mittag im Kindergarten: Spagetti in Toast. Und fehlt einmal Dämmmaterial beim Hausbau. Ihr wisst, was kommt.Toast und Grillwurst - Kindernahrungsmittel Nummer 1 in NeuseelandDas einzige Pure beim Essen bzw. in den Supermärkten war Obst. Regionalität hier wirklich großgeschrieben. Einheimisches Obst. Äpfelsaison – dann Äpfel superbillig und viele. Oder Feijoas, wenn halt Feijoas dran sind. Kiwisaison – dann Kiwis superbillig und viele. Palettenweise. Zwar nur die B-Ware, weil A geht nach Europa. Aber schmeckt trotzdem. Und vom Rest, was es noch an Obst gibt, entsprechend wenig. Gut so. Kiwi-Toast gefällig? Beim nächsten Mal suchen wir uns auf jeden Fall von Anfang an einen richtigen Bäcker. Einen guten. Mit echtem Brot und so.Obst aus Neuseeland

Auswandern nach Neuseeland – alles anders

Würde ich heute also noch einmal Auswandern nach Neuseeland, würde ich definitiv ein paar Stellschrauben drehen. Mindestens zwei Jahre beispielsweise. Mit einem klaren Ziel und klarerer Aufteilung in der Familie. Vielleicht noch mehr ins grüne Grüne. Farmmäßig. Oder doch gleich an den Strand. In der Nähe einer guten Bäckerei. Oder Brot gleich selber machen. Mitteleuropa-Style. Für immer? Ich glaube nicht. Dazu sind mir persönlich andere Länder näher. Siehe auch Wetter.

Im Grunde jedoch, und das ist mir auch klar, mussten wir in vielen Dingen beim Auswandern nach Neuseeland erst einmal selbst unsere Erfahrungen machen. Und auch wenn sich das Fazit in der geballten „Was ich ändern würde“-Form schlimm liest: So negativ war das Jahr bei Leibe nicht.

Eigentlich hatten wir eine geniale Zeit in Neuseeland. Eine Zeit, in der wir superviel erlebt haben. In der wir die Inseln von oben bis unten und von rechts nach links erkundet haben. Eine Zeit, die uns als Familie irrsinnig gefordert, aber auch irrsinnig zusammengeschweißt hat. Mit neuen Reizpunkten und neuen positiven Dynamiken. Wir sind gewachsen. Gemeinsam und miteinander.

Besonders die Kinder, vor allem Kaspar, profitiert noch heute davon. Vom Englisch im Kindergarten. Von der Flexibilität im Denken. Von der Offenheit im Herzen im Umgang mit Menschen anderer Kulturen. Wissen wir es sicher? Nein. Aber wir sind überzeugt, dass es so ist. Und das wiederum ist etwas, was wir uns für unser Auslands-Auswanderjahr ganz sicher nicht anders gewünscht und erwartet hätten. WederJungs beim Wandern in Neuseeland

Like it? Pin it!

Neuseeland war großartig, schön, bereichernd. Ein Jahr am anderen Ende der Welt. 2011/12. Auswandern nach Neuseeland auf Zeit. Zu viert leben im Kiwi-Land. Doch es gab auch Einiges, das nicht so war wie gewünscht. Neuseeland im 6inaVan Rückspiegel. Aus den Augen eines mitfahrenden Papas.

Facebook
Instagram
Email
YouTube
Pinterest